
Heute Morgen bin ich wieder einmal unsicherer denn je, was ich denn nur schreiben soll an Tagen und in Zeiten wie diesen. Zu sehr klafft die Lücke zwischen der unmittelbaren, bis auf eine ausklingende Erkältung wirklich sehr gut aushaltbaren Lebensrealität und den Dingen, die sich auf der Welt und natürlich auch hier bei uns tun.
Nach meiner sonntäglichen Lektüre von netzpolitik.org bin ich noch mehr verwirrt als sonst von den Nachrichten in den Nachrichten. In den USA zerstört eine Miliz, eine von Elon Musk finanzierte Söldnertruppe, deren Hauptwaffe Laptops sind, den Staat. In Deutschland überbieten sich die meisten Parteien, die zur Bundestagswahl antreten, darin, Repressalien und Gewalt gegen Menschen anzudrohen, die in unserem Land Schutz vor ebensolchen Repressalien und Gewalt in ihren Heimatländern suchen. Zwei Drittel unserer Bevölkerung stimmt in Umfragen zu, über andere Menschen zu verfügen, sie nach Lust und Laune auszuweisen oder sie an Grenzen zurückzuweisen. Echt jetzt, ist es das, was wir wollen?
Natascha Strobl beschreibt in einem Interview auf der netzpolitischen Plattform die Mechanismen aktueller rechter Machtergreifung und die Wichtigkeit, sich selber treu zu bleiben. Das ist nicht so leicht, denn ein Teil der Strategie der Rechten ist es ja, das Koordinatensystem zu verschieben. So geraten wir alle in Gefahr, zu denken, was undenkbar ist, zu sagen, was unsagbar ist. Einfach, weil viele sagen, was unsagbar ist und jeden Tag neue Dinge gesagt werden, die noch viel unsagbarer sind und waren. Und bei denen es keine Rolle spielt, ob sie wahr oder unwahr sind, denn das kann kein Mensch bei dem Stakkato des Hinausposaunens je überprüfen.
Da ist der innere Kompass wichtig, sich klar darüber zu sein, wofür man selber steht. Sich die Freiheit zu nehmen, nicht dem hinterherzudenken, was andere wollen, dass man denkt. Sich nicht einlullen und vollspammen zu lassen. Wichtig ist, frei im Kopf zu bleiben.
Jetzt werdet Ihr fragen, hey, was hat das hier auf einem Radfahr-Blog zu suchen. Das ist doch ganz einfach. Radfahren hilft mir, frei im Kopf zu bleiben. Wenn ich mutterseelenalleine durch Landschaft und Natur dahinrolle, mal leicht, mal angestrengt, den Körper die Arbeit machen lasse, justiert sich mein Gehirn. Es gleicht ab, was ist und was nicht. Es denkt und verwirft, es wird extrem und kommt wieder zurück. Es erkennt die grenzenlose Freiheit des Moments, in dem nichts und niemand mir etwas anhaben kann, egal, was ich gerade denke. Und das ermöglicht mir, zu denken, was ich will, und herauszufinden, was ich wirklich will. Auf dem Liegedreirad ist das noch einmal verstärkt so, denn ich muss auf nicht viel achten. Dann ist das Denken fast wie Trance, aber um so klarer wird das Ergebnis.
Lasst Euch nicht einlullen und vollspammen. Glaubt erst mal nichts. Seid kritisch. Nehmt Euch Momente für Euch, in denen Ihr nachdenkt. Euch selber findet, Euch justiert. Radfahren, vor allem Trikefahren, bietet Euch solche Momente. Auch das ist, WARUMICHRADFAHRE!
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