
Ob Bahnfahren schön oder schade ist, darauf gibt es ja eine klare Antwort. Wenn es für diese Antwort noch eines Beweises bedurft hätte,dann hört meine Geschichte von der Anreise nach Dortmund am gestrigen Freitag. Schon die ganze Woche freue ich mich auf die Reise nach Dortmund und ins Ruhrgebiet anschließend. Ziel war es,mit der Critical Mass in Dortmund zu starten und dann samstags weiterzufahren nach Herne, um dort abends am International Cycling Film Festival teilzunehmen. Und dabei freute ich mich natürlich auch auf die vielen Begegnungen mit lieben Freunden. Am Freitag musste ich aber noch arbeiten und konnte deswegen nicht mit dem Rad nach Dortmund fahren. Mir war schon von vornherein klar,dass ich nicht den letzten Zug auf den letzten Drücker nehmen dürfte. Aber ansonsten war ich frohen Mutes, denn der RE1, der Regionalexpress 1, fährt tatsächlich von meinem Wohnort Kerpen Horrem aus durch nach Dortmund Hauptbahnhof. Und so wählte ich lediglich einen früheren Zug, das heißt einen Zug, der eine Stunde früher fährt als der letzte, mit dem ich noch pünktlich zur Critical Mass gekommen wäre. Das bedeutete, dass ich um 15.28 Uhr mit dem RE1 nach Dortmund fahren wollte statt um 16.28 Uhr,was mich zwar auch noch rechtzeitig nach Dortmund gebracht hätte mit etwa 50 Minuten Vorlauf, aber so sehr traue ich der Bahn nun tatsächlich doch nicht. Also war ich 15.15 Uhr am Bahnhof Horrem,löste mein Fahrradticket und mein Erze-Ticket und wartete auf den Zug mit ein paar Dutzend anderen Leuten auf Bahnsteig 3. Es wurde 15.28 Uhr, es wurde 15.30 Uhr, als dann die Durchsage kam, dass der Zug ausfällt,vollkommen unvermittelt, ohne irgendeine vorherige Verspätungsanzeige oder irgendeine andere Anzeige auf der Anzeigetafel.Ich sah,wie bei vielen Menschen die Kinnlade herunterfiel. Was jetzt? Neben mir stand ein Fahrgast, der unbedingt zum Flughafen Düsseldorf musste,hektisch auf seinem Handy herumsuchte und dann schließlich die Lösung fand, einen Bekannten anzurufen, der ihn abholte und zum Flughafen fuhr. Ich selber hatte ja Zeitpuffer und war deswegen nicht so aufgeregt. Ich sah, dass auf Gleis 1 gleich eine S-Bahn fahren würde und ging hinüber. Immer mit meinem Rad und mit den Aufzügen, die gefühlt zehn Minuten brauchen, um ein Stockwerk zu überwinden.Aber egal, es waren nur gefühlt 10 Minuten, in Wirklichkeit waren esnatürlich viel weniger und deswegen kam ich kurze Zeit später auf Gleis 1 an, was aber dann doch nichts nützte, weil alle Bahnen auf diesem Gleis wurden mit erheblicher Verspätung angezeigt. Ich hatte in meinen Apps eine Verbindung nach Dortmund gesucht, die mich eben noch rechtzeitig dorthin bringen würde und da startete jetzt die nächste Bahn in Köln um 16.20 Uhr und die Verspätungsanzeigen am Bahnhof Horem für die S-Bahnen machten mir Sorgen.Schließlich fuhr doch eine der S-Bahnen ein und es sah so aus, als würde ich die Bahn in Köln noch rechtzeitig erreichen. Das war dann auch so und die Sorgen waren unbegründet, denn der RE7 von Kölnin Richtung Rheine hatte auf einmal eine Viertelstunde Verspätung. Also war die ganze Eile zuvor eher umsonst und mein Anschlusszug in Hagen, das wäre die nächste Zwischenstation gewesen, war schon hochgradig in Gefahr. Das schien aber erst einmal auch unkritisch zu sein, weil von Hagen aus mehrere Züge in Richtung Dortmund fahren. Mit pünktlich einer Viertelstunden Verspätung kam der RE7 dann an. Ich hatte Glück, dass ich mein Fahrrad noch unterbrachte, denn der Zug wurde immer voller und wir fuhren dann in Richtung Hagen. Das funktionierte dann ganz gut. Mein erster Anschlusszug war natürlich weg, aber der nächste kam dann auch noch mit Verspätung und so erreichte ich Dortmund kurz nach 18.30 Uhr. Wenn mein erster Zug, der RE1, von Horrem nach Dortmund gefahren wäre und daseinigermaßen pünktlich, wäre ich schon ein einviertel Stunden früher in Dortmund gewesen und Härte genügend Zeit gehabt, in meinem Hotel einzuchecken und vielleicht noch etwas zu essen. Das geschah so in Hektik und das mit dem Essen fiel ganz aus. Kurz nach 19 Uhr, dem Treffzeitpunkt der Critical Mass Dortmund auf dem Friedensplatz, kam ich dort an. Gut, dass ich mir die Routen durch Dortmundzuhause schon in Komoot zurechtgelegt hatte. Ich kenne Dortmund ja schließlich nicht und war froh, wenigstens schnell genug mit dem Rad durch die Stadt geleitet zu werden. Wisst ihr, es ist nicht nur der Umstands, dass Züge ausfallen oder verspätet kommen. Es ist auch die ständige Sorge: Erreiche ich meinen Anschlusszug? Komme ich noch rechtzeitig? Bleibt die Bahn nicht irgendwo einfach mitten in der Landschaft stehen (Was hier auch kurz vor Hagen passiert war) und fährt nicht weiter. Erreiche ich mein Ziel überhaupt noch einigermaßen pünktlich? Diese Sorge treibt einen dann ja um und führt dazu, also jedenfalls bei mir, dass ich ständig auf dem Handy rumtippe und irgendwelche alternativen Verbindungen suche, meistens mit miserablem Netz, ewigen Wartezeiten, ständigen Sanduhren. Ehrlich, das macht keinen Spaß. Das ist Mist. Das will ich so nicht. Und ich bin heilfroh, dass diese Bahnfahrt höchstwahrscheinlich meine letzte über dieses Wochenende gewesen sein wird. Von Dortmund nach Herne werde ich, wie es aussieht in schönem Sonnenschein, eine vorbereitete Fahrt über mehrere Halden machen, und morgen werde ich mit dem Rad von Herne zurückfahren und meiner Familie in Langenfeld einen Zwischenstopp einlegen, nicht mehr angewiesen sein auf diese blöde Bahn. Auch das ist, WARUMICHRADFAHRE.

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