Take a ride on the wild side

Ein besonderer Besuch aus einem besonderen Anlass

#Vaude, #Tasche, #Ortlieb, #SchwarzerBulle, #Gepäckträger,

Loide, heute muss ich Euch was erzählen. Das eigentliche Ereignis liegt schon ein paar Tage zurück, genauer gesagt zwei Wochen. Da radelte ich nämlich von der Landesversammlung des ADFC NRW von Aachen aus zurück nach Hause in Kerpen Horrem. Ich habe darüber berichtet: 

Aber nicht alles. Das erfolgt jetzt. 

Die Rückfahrt ging ja erst einmal über die Bahnradwege durch Alsdorf und Aldenhoven und dann durch Jülich, durch Stetternich, Welldorf, Güsten, Höllen und dann „rechts“ ab Richtung Terranova Speedway. Dort, am Aussichtspunkt in den Tagebau Hambach am Ende (oder Anfang, je nach Perspektive) des Speedway, wollte ich eine Pause machen und etwas trinken. Also hielt ich an, es war schon früher Abend. Und dann der Schock: meine Tasche war weg! Also die Vaude Tasche, die Ihr auf dem Titelbild links am Hinterrad sehen könnt. Verschwunden, weg, nicht mehr da? Ich war echt geschockt, denn ich hatte keine Ahnung, wann und wo und wie sie abhanden gekommen war. Was ich wohl wusste, dass die Vaude Taschen einfach miserable Verschlüsse haben. Ich hatte schon mal eine weggeworfen, weil sie mir ständig vom Gepäckträger abgefallen war, und auch bei dieser hatten sich die Verschlüsse während der Fahrt schon ein paarmal gelöst, aber abgefallen war mir die Tasche noch nie. 

Es ist ja eine „Bürotasche“ und so hatte ich sie an diesem Tag auch gepackt. Mein iPad und meine Geldbörse mit allen Papieren war darin und, leider, auch meine beiden Autoschlüssel. Also hätte ich noch nicht einmal mit dem Auto losfahren und suchen können. 

Also stand ich 15 Kilometer von zu Haus entfernt und ich wusste nicht wie viele Kilometer von meiner Tasche entfernt und war, ich muss es gestehen, verzweifelt. 

Also erst einmal meine Frau anrufen. Als ich mein Telefon auf dem Handy öffnete, sah ich, dass zwei unbekannte Nummern mich angerufen hatten. Ich schöpfte ein wenig Hoffnung, dass jemand meine Tasche gefunden und versucht hatte, mich anzurufen. Also wählte ich die letzte der Nummern. Es meldete sich die Polizei in Jülich. Der Polizist sagte mir mit etwas strengem Unterton, dass meine Tasche bei ihnen abgegeben worden sei und dass ich sie bitte umgehend abholen solle. Der Stein, der mir vom Herzen fiel, war wahrscheinlich bis zur Polizeiwache, die ja auch 15 Kilometer entfernt war, zu hören. Ja ja, ich komme ganz schnell, rief ich ins Telefon und machte mich auf die Reifen. Knapp eine halbe Stunde später war ich da und nahm meine Tasche unversehrt und vollständig mit allen Inhalten in Empfang. Die freundlichen Polizisten gaben mir einen Zettel, auf dem der Finder seinen Namen, seine Adresse und seine Handynummer aufgeschrieben hatte. 

Ich machte mich auf den Rückweg, suchte mir eine einigermaßen ruhige Stelle und rief den Finder an. Die ersten zehn Minuten bedankte ich mich mit einem Wortschwall. Mein Gesprächspartner meinte, dass er das Fundstück zur Polizei gebracht habe, sei doch eine Selbstverständlichkeit gewesen und schlug mein Angebot, ihm einen Finderlohn zu zahlen, aus. 

So sollte er mir aber nicht davonkommen. Zu Hause erzählte ich meiner Frau davon und wir schmiedeten den Plan, dem Mann ein Osterpäckchen zu machen, das ich dann eben über Ostern bei ihm vorbeibringen würde, natürlich mit dem Rad. 

Und das war dann heute so weit. Der BRouter hatte mir verraten, dass die Adresse des Mannes in Stetternich liegt, das ist ein Ortsteil von Jülich, der von zu Hause aus gesehen noch ein wenig vor der Stadt liegt. Bis dahin sind es etwa 30 Kilometer, die ich so gerne auf mich nahm. Der Finder selber war nicht zu Hause, sondern im Osterurlaub. Aber seine Mutter öffnete mir die Tür und nahm die Osterhasenprinte, eine Tafel Schokofahrt-Schokolade und eine Ostergrußkarte mit meinem Dank und den besten Wünschen entgegen. Sie erzählte mir noch mal, wie der Abend damals abgelaufen war. Ihr Sohn hatte die Tasche am Straßenrand gefunden und gemeinsam hatten sie beratschlagt, sie am besten zur Polizei zu bringen. 

Wir unterhielten uns noch eine Weile, und ich bedankte mich noch einmal. Dann setzte ich mich aufs Rad und fuhr südlich der Sophienhöhe und des Tagebaus über Hambach, Ellen und Bürgewald zurück. 

Es war schönes Wetter und meine Stimmung war prächtig. Es war ein besonderer Besuch aus einem besonderen Anlass und eine wunderschöne Fahrt. Der Rückweg führte von Hambach in Richtung Niederzier zwar über einen katastrophalen mit Wurzelaufbrüchen zersetzten Radweg, aber durch eine wirklich unvermutet schöne Landschaft. So fügte sich eines zum anderen. 

Ich werde den mir leider noch unbekannten Finder und seine Mama niemals vergessen. 

Ein paar Bilder und die gpx der (Rund-) Tour findet Ihr hier: 

https://faircloud.eu/nextcloud/index.php/s/X4cPYMr4ora45qN

Die Strecke zum Herunterladen gibt es auch auf der Openstreetmap hier: 

https://www.openstreetmap.org/user/warumichRadfahre/traces/11959240

Die Bilder und die gpx unterliegen der Creative Commons CC0 Lizenz, sind also frei verfügbar und nutzbar. 

Kommentare

  1. Wie ich das Bild oben so sehe, lassen sich die 2 Taschen mit dem billigsten Kabelschloss vor dem Abfallen sichern.

    1. Die Vaude brauchts nicht mehr, die ist in der Tonne. Und die Ortliebs sind total verlässlich

  2. Wie schön! Es gibt sie, die lieben Menschen und es tut gut, von solchen Erlebnisse zu lesen. Frohe Ostern und viele Grüße, Annette 🙂🐰🌷

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