Take a ride on the wild side

Mieträder in München – Lust (Lime) oder Frust (MVG)?

Like Rad auf einer Tour in Pasing

Mieträder waren für mich in München schon immer ein (blödes) Thema. Schon immer bedeutet bei meinen Besuchen bei meinem jüngeren Sohn, der in München bis heute wohnte. Klar, dass ich bei meinen Besuchen auch immer Rad fahren wollte, allerdings auch kein Rad von zu Hause mitnehmen wollte.

München verfügt leider nicht über ein Nextbike-Mietradsystem wie andere große Städte und auch nicht über Call-a-Bike. Damit sind die beiden großen klassischen Leihradsysteme nicht verfügbar, was ich für eine Metropole für ein Unding halte. Statt dessen muss man sich durch eine App der Münchner Verkehrsbetriebe quälen, in der, so mein Eindruck, das Mietrad ein Nebenprodukt-Dasein fristet.

Meine Erfahrung mit dem System ist mehr als ernüchternd. Bei meinen ersten Versuchen klappte das Ausleihen häufig nicht und auch die Rückgabe. So auch heute: Ich bekam eine PIN, gab sie ein, musste ewig auf eine Antwort warten, aber das Schloss öffnete sich nicht und eine Meldung gab es nicht. Ein Lämpchen „nicht verfügbar“ leuchtete irgendwann auf. Aber die Uhr lief, nach der die Mietdauer berechnet wird. Also: die Mietzeit lief, obwohl mir das Rad nicht zur Verfügung stand. Eine Rückgabe in der App war auch nicht möglich. Irgendwann erschien in der Anzeige des Rades „Schlossfehler – Bitte Hotline anrufen“. Das versuchte ich dann insgesamt dreimal, hörte jeweils etwa drei Minuten lang Gedudel und dann nichts mehr. Eine menschliche Stimme oder zumindest eine Computerstimme vernahm ich nicht eine Sekunde.

Da ich nur eine begrenztes Zeitfenster zum Radfahren hatte, packte mich die kalte Wut. Ich löschte sofort mein Sepa Mandat, damit ich nicht für diesen Mist zahlen musste, denn die Uhr lief immer noch. Und gab zwei Online Fehlermeldungen auf, warum es zwei unterschiedliche davon gibt und wie sich sie unterscheiden, ist mir auch noch nicht klar geworden.

Und jetzt, in diesem Moment, bekomme ich eine Meldung von Nextbike, dass ich das Rad schon seit vier Stunden ausgeliehen habe und dass ich wieder mal die Hotline anrufen soll. Also doch Nextbike? War mir gar nicht klar. Aber dieses Mal meldete sich wenigstens ein Mensch. Ich war ziemlich ungehalten, aber er stornierte sofort die Leihe.

Also: MVG Rad: Frust.

Direkt daneben standen Räder der Firma Lime. Ok, dachte ich, ich will noch Rad fahren, also leih Dir ein Lime Rad. App runter geladen, mit Apple Konto angemeldet, Apple Pay als Zahlungsmittel eingerichtet – und los ging’s. Lime Räder sind elektrounterstützte Räder, die ohne Gangschaltung, dafür aber mit einer flotten Unterstützung fahren. Anfangs war das Fahrgefühl etwas ungewohnt, aber dann: cooles Dahincruisen. Ohne Probleme. Am Ende stellte ich das Rad ab, scannte den QR-Code und machte noch ein Beweisfoto für Lime, dass ich das Rad korrekt abgestellt hatte. Und alles paletti. Ok, bis auf den Preis. 0,24 € pro Minute zuzüglich Mehrwertsteuer sind schon ein Brett. Und das Pricing ist auch ziemlich intransparent. Also auch nicht perfekt, aber das Leihen war super einfach und das Fahren super cool.

Also Lime: (teuere) Lust.

Im nächsten Wohnort meines jüngeren Sohnes, das ist Tübingen, wo wir am Donnerstag hin umziehen, werde ich es anders machen und ein Rad deponieren. Auf ein Mietradsystem angewiesen sein ist blöd. Will ich nicht mehr, nach den Erfahrungen von München.

Kommentar

  1. Die Münchner Verkehrsbetriebe verkaufen anscheinend lieber Tickets für die klassischen, nicht-individuellen Öffentlichen Verkehrsmittel. Ich stelle mir vor, die machen weniger Umstände und das MVG-Radl ist so eine Art ungeliebtes, weil aufwändigeres PR-Zugeständnis.

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