
Nein nein, mich packt nicht das Fieber, wieder Radrennen zu fahren oder auch nur Rennrad zu fahren. Bestimmt nicht. Aber an einem Wochenende wie diesem, eigentlich müsste man sagen, in einer Zeit im Jahr wie dieser, packt mich schon das Rennfieber. Denn rund um die Tour de France ist ja Rennradfahren allenthalben. Ich bin bisher nicht ganz dahintergestiegen, wie sich das genau verhält und wer da welche Strippen zieht, aber in diesem Jahr ging ja alles ineinander über. Erst die dreiwöchige Landesrundfahrt durch Frankreich. Die Männer-Version. An deren letzten Tagen startete parallel dazu die Frauen-Version, die Tour de France Femmes. Und hier bei uns stiegen die Radevents in Neuss, Hürth und Quadrath-Ichendorf. Sicher, um die Begeisterung und den Schwung der Tour de France und Tour de France Femmes, die ja auch in den Medien hierzulande sehr präsent sind, mitzunehmen.
Und tatsächlich reißt mich das alles mit, und nicht nur mich. Die Radrennen sind in aller Munde.
Tour de France
Der Gewinner der Tour de France, Tadej Pogačar, der, so scheint es, jede Etappe gewinnen wollte, der sich immer zeigte, der sogar noch auf der letzten, regenglitschigen Etappe in Paris, unter hohem Risiko weit vorn mitmischte. Der sagt, so habe ich gehört: „Ich fahre, um zu gewinnen!“ Das war auch schon anders, dass die Gelbtrikotträger sich immer im Feld schützen ließen und auf einigen wenigen Etappen ihre Zeit herausholten. Hut ab, Ihr neuen Helden, sehr toller Sport!
Und dann hatten wir ja auch noch zwei deutsche Stars bei der Tour: Florian Lipowitz, noch dazu aus dem deutschen Team Red Bull Bora Hansgrohe, der als Träger des Weißen Trikots auf Platz drei der Tour fuhr.
Nils Politt

Und dann natürlich Nils Politt, der für viele, die ich in den letzten Tagen hier bei uns bei den Rennen getroffen habe, der eigentliche Grund war, warum Pogacar die Tour gewinnen konnte. Wobei ich sage, dass UAE halt sein Team so zusammengestellt hat, dass alle Rollen perfekt besetzt sind, nicht nur die des Edelhelfers im Flachen und mäßig den Berg hoch. Aber trotzdem, Nils Politt ist ein großer Sympathieträger, dem auch flache Anfeindungen aus Frankreich nichts anhaben.
Das zeigt er auch hier vor Ort. Ob er mit seinem Söhnchen beim Fette-Reifen-Rennen im Rahmen der Schmitternacht zwei langsame Runden dreht.

Oder ob er als fairer Verlierer im Fotofinish der Schmitternacht das Nachsehen hat.

Oder ob er eben auch, ganz professionell, vor relativ wenigen Zuschauern in Quadrath-Ichendorf einen Sieg mit riesigem Vorsprung herausfährt.

Ein Sportsmann durch und durch. Ich finde, doch ziemlich gezeichnet von den Strapazen der Frankreich-Rundfahrt, aber immer voll bei der Sache und mit vollem Einsatz.
Frauen Rennrad Sport
Für mich die Entdeckung des Jahres aber ist der Frauen-Rennrad-Sport. Die Tour de France Femmes wartet mit schweren Etappen und großem Sport auf. Die Bilder sind fesselnd. Die Frauen fahren taktisch und technisch auf dem Niveau der Männer. Und bei den Rennen hier vor Ort stellen die Frauenrennen und Frauen-Teams tolle Attraktionen dar.

Ein alter Bekannter in Sachen Verkehrspolitik, allerdings von der Autofahrer-Lobby, traf mich in Hürth am Freitag und wir standen am Rand des Frauenrennens. Er berichtete mir, dass er es auf seinen Fahrten zur und von der Arbeit immer öfter mit größeren bis großen Gruppen von Rennradlerinnen zu tun hat. Also, Frauen-Rennsport boomt, das konnte man auch am Publikum sowohl in Hürth als auch in Quadrath-Ichendorf sehen.
Und ich?
Ich bin im Radrennsport Flow gerade. Heute noch der Erftpokal des RSC Staubwolke mit den Rennen der Schülerinnen und Schüler, die wir vom ADFC Rhein-Erft aus sponsern. Und dann schnell nach Hause, das Finale der Tour de France Femmes schauen, die vielleicht eine Französin gewinnt, was der Sache sicher auch noch einmal guttun würde.
Und dann zurückblickend genießen.
Aber aufs Rennrad werde ich so schnell nicht wieder steigen. Ich habe meine Rennräder schon über ein Jahr nicht benutzt. Und es drängt mich trotz des tollen Sports, den ich mir angeschaut habe in den letzten Wochen und Tagen angeschaut habe, nicht danach. Es gibt für mich keine Tage ohne Radfahren, aber auf dem Rennrad muss es wirklich für mich nicht sein.
Umso mehr meine Hochachtung für die, die das so engagiert tun!

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