
Ein unerwartetes Geschenk: Mit dem Hanseatic-Oldie auf Überführungstour
Stell dir vor, du feierst deinen Ausstand und am Ende gehört nicht nur der Inhalt der Geschenkkörbe dir, sondern auch das „Regal“ selbst. Genau so kam ich zu meinem neuesten fahrbaren Untersatz, der mich auf 25 Kilometern direkt mal positiv überrascht hat. Hast du auch schon mal ein Rad geschenkt bekommen, das eigentlich nur Deko sein sollte? 😉
Mein letzter Donnerstag im Job war emotional – und materialreich. Als „Geschenkträger“ diente ein liebevoll geschmücktes Trekkingrad der Marke Hanseatic.

Das Beste daran: Die Kollegin, die es zur Verfügung gestellt hatte, wollte es trotz mehrfacher Nachfrage nicht zurück. So wurde aus einem Deko-Objekt ganz spontan mein neues Projekt. Am Montag hieß es dann: Butter bei die Fische! Ich bin extra mit dem Bus zur Arbeit gekommen, um das Rad mittags direkt nach Hause zu überführen.
Bevor es losging, stand der obligatorische Boxenstopp an der Fahrradreparaturstation auf dem Gelände von WDR Bocklemünd an. Ein bisschen Luft in die Reifen, eine kurze Probefahrt – und siehe da: Die Räder rollten rund, Bremsen und Schaltung machten klaglos mit. Kennst du dieses befreiende Gefühl, wenn ein alter Drahtesel nach Jahren im Keller plötzlich wieder zum Leben erwacht?

Der Weg führte mich bei trockenem, zeitweise sogar sonnigem Wetter über Weiden West und Frechen Königsdorf Richtung Horrem. Das Rad fuhr sich prima, auch wenn die Schaltung ab und zu einen kleinen „Hänger“ hatte.

Aber mit ein bisschen Reinigung, frischem Öl und einer neuen Kette wird das Teil wieder wie neu schnurren. Als es dunkel wurde, kam der Moment der Wahrheit: Der Seitenläuferdynamo. Und was soll ich sagen? Er surrte brav am Reifen entlang. Die Frontfunzel ist zwar eher ein Positionslicht, aber das Rücklicht leuchtete so hell, dass ich mich sicher durch den Verkehr traute.

Unterwegs legte ich noch einen Stopp am Bahnhof Horrem ein, um eine kleine vorweihnachtliche Tradition zu pflegen und ADFC Lebkuchen an die Pendler*innen zu verteilen. Ein schöner Abschluss für eine Alltagsfahrt mit extrem hohem Lustanteil! Das Rad ist sicher schon 20 Jahre alt, aber technisch absolut solide. Ich hätte auch noch ein paar Einzelheiten dazu:
Das ist ein klassisches Trekking- oder Cityrad der Marke Hanseatic. Es handelt sich um ein solides Gebrauchsrad, das typisch für den deutschen Markt der späten 90er und frühen 2000er Jahre ist.
Hier ist eine detaillierte Analyse:
Beschreibung des Rades
- Rahmentyp: Tiefeinsteiger (Wave-Rahmen) aus Aluminium, erkennbar an der Aufschrift „ALU TREKKING“. Diese Rahmenform ist auf Komfort und einfaches Aufsteigen ausgelegt.
- Farbe: Ein dunkles Metallic-Rot (Weinrot).
- Schaltung: Kettenschaltung (vermutlich 21 oder 24 Gänge), was für Trekkingräder dieser Ära Standard war.
- Ausstattung: Komplett verkehrssicher ausgerüstet mit Schutzblechen, Gepäckträger, Seitenständer, Reflektoren und einer Lichtanlage.
- Bremsen: Felgenbremsen (V-Brakes).
- Besonderheit: Die Marke Hanseatic war die Eigenmarke des Versandhauses Otto. Es handelt sich also um ein klassisches „Versandhaus-Fahrrad“.
Schätzung des Alters
Ich schätze das Alter des Rades auf ca. 20 bis 25 Jahre (Herstellungszeitraum etwa 1998 bis 2005).
Woran man das festmacht:
- Die Marke „Hanseatic“: Diese Eigenmarke von Otto war besonders in den 90ern und bis in die frühen 2000er hinein sehr präsent. Später wurden diese Räder oft durch andere Markennamen ersetzt.
- Die Lichtanlage: Das Rad besitzt einen Seitenläuferdynamo am Hinterreifen. Moderne Räder haben fast ausschließlich Nabendynamos, die etwa ab Mitte der 2000er Jahre zum Standard bei Trekkingrädern wurden.
- Das Design der Aufkleber: Die Typografie der Schriftzüge „Hanseatic“ und „Trekking“ sowie die Farbkombination sind sehr charakteristisch für das Fahrraddesign der späten 90er Jahre.
- Der Vorbau: Der Schaftvorbau (die Verbindung zwischen Lenker und Rahmen) ist in dieser Form typisch für ältere Modelle, bevor sich die sogenannten Ahead-Vorbauten im Massenmarkt durchsetzten.
- Zustand: Das Rad sieht sehr gepflegt aus, was darauf hindeutet, dass es trocken gelagert wurde. Die Technik ist jedoch „Oldschool“ (z. B. die Halogenlampe vorne statt LED).
Vielleicht bekommt es einen Ehrenplatz in der Familie, oder ich behalte es einfach selbst als treuen Stadtbegleiter.
Hanseatic Bike: Ein Stück deutsche Versandhaus-Geschichte
Aber woher kommt dieses robuste „Eisenschwein“ eigentlich? Der Name Hanseatic ist heute vielen Radfahrer*innen gar nicht mehr so präsent.
Das Unternehmen und die Standorte
Hanseatic war über Jahrzehnte die Eigenmarke des Hamburger Otto-Versands. Unter diesem Namen vertrieb die Otto Group alles vom Kühlschrank bis zum Trekkingrad. Der Hauptstandort der Marke war somit Hamburg, wobei die Logistik über das riesige Netzwerk der Otto-Gruppe abgewickelt wurde.
Produktionsstätten und Vertrieb
Produziert wurden die Räder meist nicht von Otto selbst. In der Hochphase der Versandhaus-Räder wurden Hanseatic-Bikes oft bei großen deutschen Herstellern wie MIFA (Mitteldeutsche Fahrradwerke) oder bei internationalen Partnern im Auftrag gefertigt. Der Vertriebsweg war revolutionär für seine Zeit: Statt im Fachhandel kaufte man sein Rad per Katalogbestellung – ein Vorläufer des heutigen Online-Shoppings.
Mitarbeiteranzahl und Entwicklung
Da Hanseatic keine eigenständige Firma, sondern eine Marke der Otto Group war, lässt sich eine genaue Mitarbeiterzahl nur schwer isolieren. Die Marke entwickelte sich jedoch zum Inbegriff des soliden „Volksfahrrads“: Bezahlbar, funktional und langlebig, wie mein aktueller Neuzugang beweist.
Die Produktpalette
Die Palette reichte von klassischen Hollandrädern über City-Bikes bis hin zu den in den 90ern und 2000ern sehr beliebten Trekkingrädern. Es waren ehrliche Räder für den Alltag, oft ausgestattet mit bewährten Komponenten, die auch nach 20 Jahren noch ihren Dienst tun.
Falls du dir meine Route oder die ersten Beweisfotos des Hanseatic-Rads ansehen möchtest: Hier findest du meine OpenStreetMap gpx Tracks und hier ist das aktuelle Dezember-Fotoalbum.
Hast du auch noch ein altes Schätzchen im Keller, das eigentlich viel zu schade zum Einstauben ist? Schreib mir doch mal in den Kommentaren, was dein treuester Begleiter auf zwei Rädern ist!

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