
🎸 Gedanken am Samstagmorgen: Über das Trinken, das Klima und die Bequemlichkeit
Bevor der Liveticker für den heutigen Samstag startet, muss ich ein paar Gedanken loswerden. Die ersten beiden Festivaltage haben mich zum Nachdenken gebracht – besonders über das Thema Nachhaltigkeit. Dabei sind mir zwei völlig unterschiedliche Aspekte aufgefallen.
💧 Aspekt 1: „Stay Hydrated“ und faire Preise
Der erste Aspekt war mir anfangs gar nicht bewusst. Freunde mit jahrelanger Zappanale-Erfahrung haben mich darauf aufmerksam gemacht. Dieses Jahr gibt es deutliche Preisunterschiede zwischen alkoholischen und alkoholfreien Getränken. Ich habe das getestet. Es stimmt tatsächlich.
Für 0,4 Liter Bier oder Alster zahlt man 5,50 Euro. Die gleiche Menge Cola oder andere Softdrinks kostet 3,50 Euro. Für Wasser verlangt man laut meinen Freunden sogar nur 2,50 Euro. Das ist eine gute Sache. Die ersten beiden Tage waren heiß, trotz der Gewitter. Da ist eine günstige Flüssigkeitsversorgung wichtig. Kostenlose Wasserspender gibt es zwar nicht, aber die Einlasskontrollen sind fair: Solange es keine Glasflaschen sind, darf man eigene Getränke mitbringen. Ich habe viele Leute mit Lidl-Flaschen auf dem Gelände gesehen.
Diese Preispolitik setzt zwei richtige Zeichen: Es hilft, bei der Hitze hydriert zu bleiben, und es steuert dem reinen Alkoholkonsum entgegen. Ich trinke selbst gerne mal ein Bier auf dem Festival, aber eben auch Wasser oder Cola dazwischen. Schön, wenn das den Geldbeutel schont.
🚗 Aspekt 2: Regierungsruf vs. Eigenverantwortung

Der zweite Aspekt ist politischer. Philipp Nespital bezog sich gestern bei seinem Auftritt im Café Zikke auf die extremen Naturereignisse der letzten Zeit – wie die Waldbrände an der Müritz, die lange Trockenheit und die anschließenden Unwetter. Er forderte das Publikum auf, auf die Straße zu gehen und von der Regierung endlich wirksame Klimamaßnahmen einzufordern. Wir müssten aufhören, so viel CO2 in die Atmosphäre zu pusten.
Ich bin da etwas anderer Meinung. Nicht grundsätzlich, was das Ziel angeht. Aber ich denke, dass jede und jeder erst einmal bei sich selbst anfangen muss. Ich habe Philipp später auf dem Gelände zufällig getroffen und ihm das auch gesagt. Mein Einwand: Er hätte die Leute ruhig auffordern können, weniger mit dem Auto zur Zappanale zu reisen und nicht ständig die vier Kilometer zwischen Bad Doberan und dem Gelände hin- und herzuwechseln. Seine Antwort war, dass der Druck auf die Regierung wichtiger sei und er die Menschen nicht verschrecken wolle.
Das ist für mich ein aktueller Zeitgeist: Wir schreien schnell nach der Regierung, tun aber im Alltag selbst oft das Falsche weiter.
Niemand hindert uns daran, das eigene Verhalten zu ändern. Wobei ich natürlich all den Menschen, die schon mit dem Rad oder nachhaltig anreisen, Genüge tun muss. Hier im Hotel stehen viele Fahrräder. Auch auf meinem Weg zum Festivalgelände und zurück sehe ich immer wieder Radfahrer:innen. Aber im Vergleich zur Menge des Publikums ist das immer noch relativ wenig.
Ich habe mich bewusst für das Deutschlandticket und die Anreise mit dem Fahrrad entschieden. Ich pendle hier mit dem Brompton. Viele Menschen könnten auch zu Hause manche Wege ohne Auto zurücklegen. Das passiert oft aus reiner Bequemlichkeit oder Gewohnheit nicht.
Appelle an die Politik sind für mich höchstens 30 Prozent der Lösung. Viel wichtiger ist das reflektierte, persönliche Verhalten von uns allen. Jeder Einzelne zählt. Das wollte ich hier einfach mal gesagt haben.

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