Politischer Radfahren

Na klar habe ich mich in diesem Blog den schönen Dingen beim und rund ums Radfahren verschrieben. Letztendlich ist es ja auch das, warumichradfahre: die unvergleichlich schönen und beeindruckenden Erlebnisse beim Radfahren, die Glücksmomente und Gefühle, das Neue wie zufällig entdecken, und auch die Gemeinschaft beim Zusammen-Radfahren.

Dennoch komme ich auch immer mehr dazu, dass das nicht alles sein kann und auch nicht alles ist. Radfahren erlebe ich immer mehr als politisch. Als Ausdruck und Darstellung einer alternativen Form, seine Mobilität zu bestreiten. Als kompatible Möglichkeit, sich in gesellschaftliche Fragen einzumischen.

Auch das ist schön. Auch das bietet eben gute Gründe dafür, warumichradfahre. Aber das Radfahren hat dann neben der geografischen auf einmal auch eine gesellschaftliche Richtung, eine politische zudem.

Critical Mass Dienstrad

Wenn ich zurückdenke, bin ich schon immer auch politisch Rad gefahren. Sicher das prägendste Ereignis in diese Richtung ist die Teilnahme an der Critical Mass Köln im März und April 2013, die darin mündete, bei jeder Critical Mass mitzufahren, die mir unter die Räder kommt. Critical Mass ist für mich aktuell die politischste Art, Rad zu fahren, sie ist die Sichtbarste und Partizipativste weil Hierarchieloseste.

Sternfahrt Ruhr 2021

Sternfahrten sind so eine andere Art des politischen Radfahrens. Sie sind meistens das Ergebnis von Mobilisierungen für einen bestimmten Zweck, in den letzten Jahren für die Verkehrs- oder Mobilitätswende. Auch hier: Sichtbarkeit, allerdings stramm organisiert und „deutsch“. Trotzdem gut.

Ride of Silence, Touren rund um Geisterradaufstellungen adressieren die schlimmen Seiten des Radfahrens, klagen das Töten von Radfahrenden an. Hochpolitisch, aber eben auch schwere Kost. Adressiere ich hier im Blog eben auch nur über diese Fahrten. Ich könnte nicht ständig über Unfälle, Verletzungen und Tote schreiben. Denn das ist eben doch nicht, warumichradfahre.

Geisterradaufstellung in Berlin Anfang Oktober 2021

Bleibt natürlich noch zu erwähnen, dass es mittlerweile auch gezielt Radtouren zu politischen Ereignissen wie Demonstrationen, Mahnwachen etc. zu Themen gibt, die nicht unmittelbar mit dem Radfahren oder der Mobilität zu tun haben, sondern mit anderen politischen Themen wie beispielsweise dem Klimawandel. Die Radtouren zum Hambacher Forst, die Dörfer, die dem Tagebau Garzweiler zum Opfer fallen sollen oder auch die „Ohne Kerosin nach Berlin“ Fahrten sind dafür gute Beispiele.

Ziel vieler Raddemos: der Hambacher Forst

Also: Radfahren kann politisch sein, ist es häufig auch, wird es vielleicht auch immer mehr. Vielleicht gehen immer mehr geführte Radtouren eben in Zukunft nicht nur zu touristischen Hotspots, sondern zu gesellschaftspolitischen. Vielleicht nehmen sich Tourenleiter*innen oder ihre Mitradelnden Zeit, die Veränderungen in der Umwelt mehr zur Kenntnis zu nehmen und zu kommentieren. Und damit mehr Bewusstsein zu schaffen oder auch diejenigen anzusprechen, die bisher solche Aspekte in den angebotenen Touren vermissen.

Ich würde mir wünschen: Politischer Radfahren!

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