Take a ride on the wild side

In der Verkehrshölle

#L239 zwischen #Mettmann und #Ratingen im #Neanderland

Nein, das ist nicht etwa irgendwo in einem der abgelegensten Landstriche Deutschlands eine Straße von nirgendwo nach nirgendwo, nein das ist eine Landesstraße zwischen Mettmann und Ratingen. Die Kreisstadt Mettmann hat circa 40.000 Einwohner*innen, Ratingen sogar über 90.000. Die direkte Verbindung zwischen diesen beiden Städten verläuft über diesen Trümmerhaufen, die L239. Aus Mettmann heraus und nach Ratingen hinein läuft die L239 über bereits sanierte Stücke, die sogar jeweils mit einem separaten Radweg ausgestattet sind. Aber ab der Brücke über die A3, von Mettmann kommend, fährt man in die Verkehrshölle, erst recht mit dem Rad.

Die Straße wird eng, der Belag schlecht. Links und rechts bröckelt die Fahrbahn weg in den Graben. Fahrzeuge über 3,5 t sind verboten, aber von den anderen gibt es mehr als genug. Ich werde dauernd überholt. Der rechte Straßenrand ist für mich tabu, denn über die Schlagloch- und Bröckelstrecke geht fahren gar nicht. Auch für die Autofahrenden ist das schlimm. Gegenverkehr stellt auf der engen Fahrbahn alleine schon ein Problem dar, ich mit dem Rad mache das auch nicht gerade einfacher.

Ich denke: das ist die Verkehrshölle!

Irgendwie schaffe ich das, bis kurz vor Ratingen wieder ein Radweg beginnt.

Wenn Ihr Euch fragt, warum ich ausgerechnet da vorbei gefahren bin: na ja, genau deswegen bin ich ja da hin gekommen. Denn dieses üble Stück Landesstraße soll ausgebaut, werden. Aber ohne Radweg, und dagegen läuft der örtliche ADFC Sturm. Sie wollen an dem Tag eine Demo machen und haben mich dazu eingeladen. Um mitufahren und eine Rede zu halten.

Ich wollte mir ein eigenes Bild von der Situation machen. Und, ich muss es sagen, es war schlimmer als die Schilderungen meiner ADFC Freunde.

Nachdem ich das überstanden hatte, erkundete ich noch etwas Ratingen. Die Kaffee und Kuchen Lage ist nicht so schlecht, im Edeka in der Nähe des Demo-Treffpunktes gab es einen tollen Zitrone-Limetten-Kuchen und einen noch tolleren Bienenstich.

Und eine S-Bahn-Station gibt es auch. Auch die Zufahrt dahin hab ich mir angeschaut, weil ich den Weg nach Hause mit der Bahn antreten wollte und nicht zu spät losfahren darf, weil in Köln der Hauptbahnhof und Messe Deutz abends geschlossen werden.

Nachdem der Tag so schön begonnen hatte:

war das jetzt, sagen wir mal, interessant. Aber für mich hatte sich der Zweck erfüllt, ich verstand jetzt, was hier los ist. Die Straße, ja, die muss ausgebaut werden. Aber auf keinen Fall ohne Radweg. Dann wird es ja für die Radfahrenden noch gefährlicher, das geht ja gar nicht.

Über die Demo berichte ich im nächsten Beitrag. Das wird auch spannend.

Kommentare

  1. Wohin führt denn am Ende diese Methode bei der Ausgangslage von stetig steigendem Autoverkehr, der den Radverkehr erschwert, welcher seinerseits qua Anwesenheit den Autoverkehr erschwert:

    • Statt den Autoverkehr zu reduzieren und/oder wirksam zu domestizieren wird mit ‚Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass‘ mal wieder ein zusätzlicher Radweg über die rarer werdenden Böden asphaltiert
    • Das führt dann zu steigender Bodenversiegelung, verstärkt also das Problem von Artensterben und Klimaumbruch und es
    • führt durch den ungestörter fliessende Autoverkehr zu mehr Autoverkehr, was wiederum den Klimaumbruch verstärkt und weitere Zersiedelung fördert, was wieder zu mehr Bodenversiegelung führt, …
    • Ad Infinitum … !

    Immerhin sind dabei sowohl die Autofahrenden, als auch die Radfahrenden zufrieden, was nicht verwundert, weil die Kapazitäten insgesamt deutlich ausgeweitet wurden.

    Möglicherweise gäbe es auch klügere Lösungen, statt die in NL und DK ökologisch gescheiterte Methode der autogerechten Separierung mit immer mehr zusätzlich gebauten Radwegen wieder und wieder als Heilsbringer der Verkehrsentwicklung zu fordern?

    Wie wär’s denn mit Reduktion und wirksamer(!) Domestizierung des Autoverkehrs?
    Instrumente sind ja teilweise schon vorhanden: Fahrradstraßen, Geschwindigkeitsreduktion, Rad-Überholverbote, Ausbau des ÖP(N)V, Reduktion von Parkmöglichkeiten, Rückbau von Fahrbahnkapazitäten, Abschaffung des Dienstwagenprivilegs, und was sonst noch im Repertoire des ‚Push‘ gegen den metastasierten Autoverkehr zur Verfügung steht und künftig verfügbar gemacht werden muss, bzw. müsste.
    Sicherlich sind solche Alternativen von ökologischer Verkehrswende ohne Radwegeritis noch nicht optimal praktikabel, aber doch schon mal ne grob richtige Richtung, nämlich ‚push‘ gegen den metastasierenden Autoverkehr, statt die Kopie des Niederländischen ‚pull & pull‘ was dort nachweislich zu stetig steigendem Autoverkehr und steigender Versiegelung geführt hat. Steigender ‚Radverkehrsanteil‘ auf separiertem zweiten Verkehrswegenetz (incl. der damit verbundenen ‚Autobahnisierung‘ des allgemeinen Straßennetzes) geht ja in den jeweiligen Regionen mit deutlichen Steigerungen von Autodichte und Autofahrleistung zusammen, was Vielen immer noch nicht klar zu sein scheint (Siehe ‚Randstad‘ in NL oder auch Metropolregion Kopenhagen, etc.)
    Die existentiellen Problemlagen des 21.Jhd. aus der Mottenkiste der Maßnahmeempfehlungen des späten 20.Jhd. lösen zu wollen, und dazu in einer Zeit, wo das ökologische Scheitern des ‚lets build bikelanes‘ in den Radwegebauländern immer offensichtlicher wird, in der zudem die ökologischen Problemlagen existentiell eskaliert sind, ist zwar einfach bzw. populistisch gut vermittelbar, aber andererseits faktisch, bzw. unter Betrachtung der Folgewirkungen definitiv nicht zukunftsgerecht für die Mobilitätserfordernisse der nächsten Jahrzehnte.

    Aber gut, auch dieser Radweg wird gebaut werden, die Radfahrenden sowie die Autofahrenden werden aufatmen, und am Ende des Jahrzehnts wird sich wieder gewundert, warum trotz(?) der ganzen Radwegebauerei immer mehr Autos durch die Gegend fahren, die globalen Temperaturen weiter gestiegen sind, das Artensterben wieder mal zugenommen hat, und die Bodenversiegelung mal wieder um XXX% über dem Limit liegt.

    Hmmm …

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