Take a ride on the wild side

Off the Records: Auf der Palme

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Gestern brachte mich ein Artikel im Kölner Stadtanzeiger ein wenig auf die Palme: Es ging um ein Fahrsicherheitstraining für Pedelec Fahrerinnen und Fahrer über 55, was ich ja an sich begrüße. Aber der Artikel war natürlich auch wieder garniert mit dem Hohelied auf Helme und Warnwesten. Und trug den Titel: „Wer gesehen wird, fährt sicherer“. Meinte: Wer Warnweste trägt, fährt sicherer.

Hier ist die Online Version des Artikels: https://www.ksta.de/region/rhein-erft/kerpen/kerpen-fahrsicherheit-auch-fuer-menschen-ab-55-jahren-894816

Also griff ich in die Tasten und schrieb folgenden Leserbrief:

Leserbrief zu Ihrem Artikel „Wer gesehen wird, fährt sicherer“ im Kölner Stadtanzeiger vom 15.11.2024

Sehr geehrte Damen und Herren, 

vielen Dank für Ihren Artikel. Den (fehlenden) Helm hatte Ihre Redaktion ja schon als Schuldzuweisungsinstrument in Unfallberichten zu Radunfällen als Standard gesetzt, jetzt rechne ich damit, dass auch noch die Warnweste dazukommt: „Der arme Autofahrer konnte den Radfahrer rechts von sich beim Abbiegen leider nicht sehen, denn der trug keine Warnweste.“ Perfekt! Autofahrer schuldlos, Radfahrer tot. 

Hören Sie bitte mit dieser tendenziösen Berichterstattung auf. Niemand muss einen Helm tragen, niemand muss eine Warnweste tragen. Alle Verkehrsteilnehmer müssen sich so verhalten, dass sie niemanden anderen gefährden. Dass Radfahrer nicht gesehen werden, auch ohne Warnweste, ist ein Märchen. Vorausgesetzt, und darauf könnten Sie tatsächlich einmal hinweisen, denn das ist vorgeschrieben, die Beleuchtung des Rades stimmt. 

Gerade in Kerpen gäbe es Grund und Anlass genug, über schlechte Infrastruktur und fehlende Beschilderung und Sicherheitsmaßnahmen zu berichten. Am Vinger Weg sind Menschen gestorben und schwer verletzt worden. Außer ein paar Ehrenamtlichen, die dort Geisterräder aufgestellt haben, kümmert das niemanden. Schilder, die auf der Hahnenstraße das Überholen von Rädern verbieten, werden trotz eines Beschlusses des verantwortlichen Ausschusses nicht aufgestellt, die Polizei, die das Thema Sicherheit immer nur am Verhalten des Einzelnen festmacht, ist offensichtlich nicht im Bilde. 

Mit dieser Art von Berichterstattung schaden Sie dem Radfahren. Es entsteht einerseits der Eindruck, dass Radfahren per se nicht sicher sei und dass man sich wie ein Feuerwehrmann kleiden muss, um auf dem Rad im Straßenverkehr zu überleben. Das schreckt ab. Und es spielt denen in die Hände, die schon lange eine Mitschuld der Radfahrenden bei Unfällen postulieren, wenn diese etwa keinen Helm tragen. 

Mit dieser Art von Berichterstattung tun Sie weder den Radfahrerinnen und Radfahrern noch dem Radfahren oder der Sicherheit einen Gefallen.

Unter meiner privaten E-Mail-Adresse.

Am heutigen Samstag war er noch nicht veröffentlicht, bin gespannt, ob er es nächste Woche wird.

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