Take a ride on the wild side

Ein unvergesslicher Abend in den Flottmann-Hallen: Radkultur trifft auf Filmkunst

#icff, #abschlussfoto, #bühne,

Nach meiner spannenden Haldentour 

war ich dann im Hotel in Herne eingetroffen. Nach dem Einchecken und dem Auspacken der nötigsten Sachen gönnte ich mir eine erfrischende Dusche. Anschließend machte ich mich gemütlich auf den Weg zu den Flottmann-Hallen, dem Veranstaltungsort, der schon seit Jahren dem International Cycling Film Festival den besonderen Rahmen gibt. 

Kaum angekommen, traf ich schon auf eine Menge vertrauter Gesichter, darunter auch einige Menschen, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte. Schnell stellte sich das bekannte Gefühl der Gemeinschaft ein. Tatsächlich verbrachte ich den gesamten Abend im Gespräch mit anderen Radbegeisterten, natürlich nicht während der Filmvorführungen. Genau das macht solche Veranstaltungen so besonders. Sie versammeln alles, was zur Radkultur gehört, und ziehen sogar Teilnehmer von weit her an.

Der Höhepunkt des Festivals ist natürlich immer der Wettbewerb um die Goldene Kurbel, den „Oscar“ des Radkurzfilms. Dieses Mal waren elf Filme im Rennen, die in drei Blöcken vorgestellt wurden. Durchs Programm führte in gewohnt launiger, aber auch kundiger Weise Yannick Steinkellner, der zu dem einen oder anderen Film auch Beteiligte auf die Bühne und das rote Sofa holte. 

Ich will jetzt nicht auf alle Filme eingehen, aber die mit Preisen gewürdigten kurz vorstellen. 

Von fünf Preisen werden vier von der „Jury“ vergeben und einer vom Publikum. Und den Publikumspreis gewann „Cycling against Ghosts“, ein Beitrag von zwei Filmstudentinnen aus Berlin, in dem Susanne Grittner vom ADFC Berlin, die ich schon seit Jahren kenne und schätze, eine Hauptrolle spielt. Sie war extra aus Berlin angereist, um an der Vorführung ihres Films teilzunehmen, der sich um die Aufstellung von Geisterrädern dreht. Der Film machte sehr deutlich, welchen wichtigen Beitrag die Räder leisten, indem sie auf die tragischen Schicksale von Menschen aufmerksam machen, die mit dem Rad im Straßenverkehr meist durch Unfälle mit Autos ums Leben gekommen sind. Das Thema war nicht nur informativ, sondern auch beeindruckend umgesetzt und beeindruckte das Publikum (und mich natürlich auch) derart, dass es in der Abstimmung über den Publikumspreis die meisten Stimmen erhielt und ihn damit gewann. Gratulation, Susanne!

Der Publikumspreis ist jedoch nicht der Einzige, der beim Filmfestival vergeben wird. Insgesamt gibt es noch vier weitere Preise, die von einer Jury verliehen werden. „Cycling against ghosts“ hatte diese Jury wohl auch sehr beeindruckt, denn er erhielt auch den dritten Platz in deren Preisverleihung. 

Zunächst wurde aber der Albert-Richter-Preis von der Jury an den besten Radrenn-Film verliehen. Er ging dieses Jahr an den Beitrag „One Vision“, einen Film über drei Frauen, die ein Racing Team gegründet haben, in dem sie alles, aber wirklich alles, selber machen. Also, das Team hat kein eigenes Support-Team, sondern die drei machen alles alleine. Der Film zeigte in beeindruckender Weise, wie für die drei Frauen der sportliche Erfolg nicht alleine in vorderen Plätzen bei Rennen besteht, sondern im Miteinander bei der Vorbereitung sowie beim und nach den Rennen. Sehr beeindruckend. 

Der zweite Preis, der „Große Preis der Jury“, ging an den Film „Neun Tage im August“. Für mich ein ungeheuer eindringlicher, aber auch verstörender Film um eine junge schwangere Frau, die ihre Schwangerschaft abbricht. Es gibt nur wenige Szenen in dem Film, in denen ein Rad eine Rolle spielt, sie zeigen die junge Frau in rasender Fahrt durch die Stadt. Es scheint, dass sie dabei ihren inneren Konflikt durch die Anstrengung und Fokussierung auf die Bewegung ein Stück weit verarbeitet. 

Die Goldene Kurbel, den Oscar des Radkurzfilms, erhielt der Film „Plantasia“. Der Film handelt von einem Naturliebhaber und seinem Verhältnis zu Steinvorgärten (auch Vorgärten des Grauens genannt), in dem ein einspuriges Liegedreirad mit einem besonderen Aufbau und „Plantasia“ genannte Samenkugeln eine besondere Rolle spielen. Die Dramaturgie des Films ist atemberaubend, weil man sich lange Zeit fragt, was der Film denn wohl in einem Wettbewerb zu suchen hat, der dem Radfahren frönt. Am Ende weiß man es aber. Mehr kann und will ich aber nicht verraten, echt, „Plantasia“ muss man wirklich gesehen haben. 

Nach über drei Stunden ging ein Abend voller Emotionen und intensiver Begegnungen mit den Preisverleihungen, Abschlussfotos und Gratulationen zu Ende. Das International Cycling Film Festival ist eine Leuchtturmveranstaltung für die Radkultur. Ich werde sie gerne weiter pflegen und hegen. Bleibt gespannt auf die nächsten Veranstaltungen und meine nächsten Beiträge darüber, WARUMICHRADFAHRE!

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