Take a ride on the wild side

Ein stetiges Nerven: Lärm und Blechhaufen in den Städten

Ich habe ja schon einmal darüber geschrieben, wie mich der Straßenlärm, insbesondere natürlich der der Blechkisten, aber auch der der Motorräder nervt.

Er zerrt mittlerweile richtig an meinen Nerven. Vor allem auch hier in der (westdeutschen) Proll-Provinz, wo Lärmverstärker in motorisierten Zweirädern, Spielen mit dem Gaspedal, riskante Überholmanöver und Tieferlegen und Verbreiterungen von Karren zur Spätpubertätsausstattung der männlichen Bevölkerung (und mittlerweile auch der weiblichen) gehören. 

Was mir zunehmend auch auf den Senkel geht, ist die Lagerung von Blech an unseren Straßenrändern. Sagt mal, könnt Ihr Euch eure Umwelt noch ohne Blechbüchsen am Straßenrand vorstellen? Lange Schlangen unbewegter Blechhaufen prägt unser Stadtbild und damit unser Bild von der Welt. Der Anblick ist der selbstverständlichste überhaupt geworden. Wir denken alle gar nicht mehr darüber nach. Mein Enkel wird in der Gewissheit aufwachsen, das müsse so sein, dass es überall grauen Asphalt und mehr oder weniger bunte stehende vierrädrige Gegenstände an dessen Rand gibt. 

Doch nicht nur in den Städten ist das so. Häufig dringen die Blechbüchsen und ihre Beweger auch in die Natur ein, fahren auf Feldwegen, auf denen sie nicht fahren dürften und parken ihre Karren irgendwo in der Landschaft. Vielleicht, um spazieren zu gehen, ihre Hündchen auszuführen, oder im schlimmsten Fall, um zu joggen. Wenn die Wege nicht mit Pollern versperrt sind, ist keiner vor ihnen sicher. Deswegen besteht die Welt nicht nur aus Blechbüchsen, sondern auch aus Einrichtungen, die verhindern, dass sie irgendwo rein fahren oder zu schnell durch Wohnstraßen brettern, dann findet man auf den Fahrbahnen häufig hübsche Fahrbahnkissen. Neulich sind mir bei einer Fahrt im Revier die gleichen Motorräder zweimal auf einem Fahrradweg begegnet.

Das alles ist nicht selbstverständlich. Es ist nervig und unnatürlich. Autos machen Lärm, nehmen Platz weg und stinken. Ihre Beweger bedrängen und gefährden andere Menschen. Es ist Zeit, dass die Karren aus unseren Städten und Wohngebieten immer mehr verschwinden. 

Eine Blogger-Kollegin kommentiert das gelegentlich, hier ein paar Posts von ihr: 

Das soll genügen für heute. 

Hoffnung macht eine aktuelle Studie, die zumindest in Großstädten einen Rückgang der Autonutzung aufzeigt, leider hier auf dem Land nicht (und in Dortmund bestimmt auch nicht, was meine eigene kurzzeitige Stichprobe zeigt). 

Perplexitiy erzählt und etwas darüber: 

Die aktuellste und umfassendste Studie zur Nutzung der Verkehrsmittel in deutschen Städten ist die „Mobilität in Städten – SrV 2023“ der Technischen Universität Dresden. Sie wurde 2025 veröffentlicht und basiert auf Befragungen von über 280.000 Menschen zu ihrem täglichen Mobilitätsverhalten in deutschen Großstädten[2][6]. Parallel dazu gibt es eine neue Greenpeace-Studie, die den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) in den 30 größten Städten Deutschlands vergleicht[5][7].

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse (SrV 2023 und Greenpeace-Studie)

Die Studien zeigen, dass sich das Mobilitätsverhalten in deutschen Städten in den letzten Jahren deutlich verändert hat. Besonders auffällig ist der Rückgang der Autonutzung und der Anstieg der Wege zu Fuß und mit dem Fahrrad. Der ÖPNV stagniert vielerorts, während einzelne Städte wie Leipzig ihr Angebot deutlich ausbauen.

Die zehn wichtigsten Erkenntnisse

  1. Rückgang der Autonutzung in Großstädten
    Der Anteil der mit dem Auto zurückgelegten Wege sank in Metropolen von 31 % (2018) auf 26 % (2023). In Berlin sogar von 30 % (2013) auf 22 % (2023)[2][4][6].
  2. Mehr Wege zu Fuß
    In großen Städten stieg der Anteil der Fußwege um fünf Prozentpunkte auf 33 %. In Berlin gehen mittlerweile 34 % der Menschen zu Fuß, 2013 waren es 31 %[2][4][6].
  3. Leichter Anstieg beim Fahrrad
    Der Anteil der Fahrradwege stieg in Berlin im Zehnjahresvergleich um fünf Prozentpunkte auf 18 %, stagnierte aber seit 2018[4][6].
  4. Stagnation beim ÖPNV
    Der Anteil der Wege mit Bus und Bahn blieb in den meisten Städten stabil. In Berlin liegt er bei 26 %[2][4][6].
  5. Bus und Bahn legen die meisten Kilometer zurück
    Betrachtet man die zurückgelegten Kilometer, führen Bus und Bahn mit 43 %, gefolgt vom Auto (38 %)[4][6].
  6. Weniger Autos in Haushalten
    In Berlin besitzen nur noch 54 % der Haushalte ein Auto (2013: 60 %). Besonders Ein-Personen-Haushalte verzichten häufiger auf ein Auto[4][6].
  7. Gesamte Mobilität nimmt ab
    Die durchschnittlich pro Tag zurückgelegte Distanz sank in Berlin von 20,4 km (2018) auf 18 km (2023)[6].
  8. ÖPNV-Ausbau nur in wenigen Städten
    Laut Greenpeace-Studie haben nur 10 von 30 Großstädten ihr ÖPNV-Angebot zwischen 2023 und 2025 spürbar ausgebaut. Leipzig ist Spitzenreiter mit +14,6 %[5][7].
  9. Stagnation und Rückbau beim ÖPNV
    In 12 Städten stagniert das ÖPNV-Angebot, in 5 wurde es sogar reduziert (z. B. Berlin: -7 %)[7].
  10. Digitalisierung und Multimodalität nehmen zu
    Immer mehr Städte setzen auf digitale Technologien wie vernetzte Ampeln, digitale Verkehrsschilder und multimodale Apps, die verschiedene Verkehrsmittel bündeln[9].

Fazit

Die Studien zeigen einen klaren Trend: In deutschen Großstädten verliert das Auto an Bedeutung, während Fuß- und Radverkehr zunehmen. Der ÖPNV stagniert vielerorts, mit wenigen positiven Ausnahmen wie Leipzig. Digitalisierung und neue Mobilitätsangebote gewinnen an Bedeutung, um die Herausforderungen urbaner Mobilität zu bewältigen[2][4][5][6][7][9].

Quellen
[1] Mobilität in Deutschland (MiD) – BMDV https://bmdv.bund.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/mobilitaet-in-deutschland.html
[2] Neue Studie: Weniger Auto, mehr Wege zu Fuß – Autohaus https://www.autohaus.de/nachrichten/autohandel/neue-studie-weniger-auto-mehr-wege-zu-fuss-3658547
[3] Wie steht’s um den ÖPNV in Deutschland? – Greenpeace https://www.greenpeace.de/klimaschutz/mobilitaet/staedteranking-oepnv-vergleich-zeigt-stillstand
[4] In Berlin gibt es immer weniger Autofahrer und immer mehr Fußgänger https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/04/verkehr-studie-berlin-autos-fussgaenger-bus-bahn-bvg-s-bahn.html
[5] ÖPNV: Was diese ostdeutsche Stadt besser macht als alle anderen https://utopia.de/ratgeber/oeffi-ausbau-was-sich-andere-staedte-von-dieser-ostdeutschen-stadt-abschauen-koennen_800362/
[6] Große Studie zum Berliner Verkehr: Das Auto bleibt immer öfter … https://www.tagesspiegel.de/berlin/grosse-studie-zum-berliner-verkehr-das-auto-bleibt-immer-ofter-stehen-zu-fuss-gehen-boomt-13507684.html
[7] Nur ein Drittel der deutschen Großstädte kann Bus https://presseportal.greenpeace.de/247721-nur-ein-drittel-der-deutschen-grossstadte-kann-bus-und-bahnangebot-ausbauen
[8] Neue Studie zeigt: Schon mit 10 Prozent mehr ÖPNV 19 Milliarden … https://www.vcd.org/service/presse/pressemitteilungen/neue-studie-zeigt-schon-mit-10-prozent-mehr-oepnv-19-milliarden-euro-sparen
[9] Smart City Index: Großstädte setzen bei Mobilität auf Digitalisierung https://www.smartcountry.berlin/de/newsblog/smart-city-index-grossstaedte-setzen-bei-mobilitaet-voll-auf-digitalisierung.html

Speziell zur Nutzung des Fahrrades gibt es folgendes zu lesen. Das macht doch Hoffnung, oder?

In den letzten fünf Jahren hat sich die Nutzung von Fahrrädern in Deutschland deutlich verändert und ist insgesamt gestiegen. Die wichtigsten Entwicklungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Zentrale Veränderungen der Fahrradnutzung (2019–2024)

  • Stärkster Zuwachs unter allen Verkehrsmitteln: 45 % der Menschen, die generell Fahrrad fahren, nutzen ihr Fahrrad heute häufiger als vor fünf Jahren. Besonders bei den 16- bis 29-Jährigen ist der Anstieg mit 59 % am stärksten[5][8].
  • Regelmäßige Nutzung bleibt hoch: 39 % der Deutschen zwischen 14 und 69 Jahren nutzen das Fahrrad oder Pedelec regelmäßig (täglich oder mehrmals pro Woche). Dieser Anteil ist seit 2020 relativ konstant geblieben (2020: 40 %, 2021: 38 %, 2023: 39 %)[1][2].
  • Fahrrad wird als Alltagsverkehrsmittel wichtiger: Das Fahrrad wird etwas häufiger im Alltag (30 % mindestens mehrmals wöchentlich) als in der Freizeit (22 %) genutzt. Pedelecs werden ebenfalls zunehmend im Alltag eingesetzt[1][2].
  • Attraktivität nimmt zu: 50 % der Befragten empfinden das Fahrrad oder Pedelec als attraktiver als noch vor einigen Jahren. Das Wachstumspotenzial ist hoch: 46 % wollen das Fahrrad künftig häufiger nutzen[1][2].
  • Stadt-Land-Unterschiede: In Großstädten nutzen 43–45 % der Menschen regelmäßig das Fahrrad, auf dem Land sind es 37 %. In Mittelstädten ist der Wunsch nach häufigerem Radfahren besonders ausgeprägt[1][2].
  • Altersunterschiede gleichen sich an: Während früher Jüngere häufiger Rad fuhren, nähern sich die Altersgruppen inzwischen an (14–29 Jahre: 39 %, 30–49 Jahre: 40 %, 50–69 Jahre: 38 % regelmäßige Nutzung)[1].
  • Geschlechterunterschiede bestehen weiter: Männer fahren weiterhin häufiger regelmäßig Fahrrad als Frauen (42 % vs. 36 %)[1].
  • Beliebtheit von Pedelecs steigt: 23 % der Radfahrenden nutzen inzwischen ein Pedelec. Die Ausgabebereitschaft für Fahrräder, insbesondere E-Bikes, ist deutlich gestiegen[1].
  • Sicherheitsgefühl und Infrastruktur: In Großstädten fühlen sich Radfahrende weniger sicher als auf dem Land, vor allem wegen enger Radwege und rücksichtslosem Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer[2].
  • Fahrradmarkt boomt: 25 % der Befragten planen in den nächsten 12 Monaten den Kauf eines Fahrrads oder Pedelecs, wobei fast die Hälfte ein Pedelec kaufen möchte. Die durchschnittliche Ausgabebereitschaft ist stark gestiegen[1].

Fazit

Das Fahrrad hat in den letzten fünf Jahren als Verkehrsmittel in Deutschland deutlich an Bedeutung gewonnen, insbesondere in Städten und bei jüngeren Menschen. Die Nutzung bleibt auf hohem Niveau, das Interesse an E-Bikes wächst, und viele Menschen planen, künftig noch häufiger aufs Rad zu steigen[1][2][5].

Quellen
[1] [PDF] Fahrrad-Monitor 2023 – BMDV https://bmdv.bund.de/SharedDocs/DE/Anlage/StV/fahrradmonitor-langfassung.pdf?__blob=publicationFile
[2] [PDF] Fahrrad-Monitor 2023 – BMDV https://bmdv.bund.de/SharedDocs/DE/Anlage/StV/fahrradmonitor-kurzfassung.pdf?__blob=publicationFile
[3] Wie der Fahrradboom Tourismus, Wirtschaft und Alltag verändert https://sportbusinessmagazin.com/fahrradboom-tourismus-wirtschaft-alltag/
[4] Fahrräder in Deutschland: Statistiken | Statista https://de.statista.com/themen/173/fahrrad/
[5] Klimakrise-treibt-Mobilitaetswende https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Klimakrise-treibt-Mobilitaetswende
[6] Fahrradgeschichte – Entwicklung des Fahrrads – Rennrad – MTB https://www.fahrrad.de/pages/die-entwicklung-des-fahrrads
[7] Lease a Bike: Wie Radinfrastruktur Städte und Mobilität verändert https://vision-mobility.de/news/lease-a-bike-wie-radinfrastruktur-staedte-und-mobilitaet-veraendert-320590.html
[8] Rad, mehr Carsharing https://www.krz.de/Publikationen/Meldungsarchiv/Mehr-Rad-mehr-Carsharing-.php?object=tx%2C2669.73.1&ModID=7&FID=2669.2481.1&NavID=2669.181&La=1&startkat=2669.5

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