
Die Diskussion in dieser Woche über die Rechtmäßigkeit der Verwendung von Nutzer*innendaten für das Training der eigenen KI ohne Einholen einer Zustimmung durch Meta war für mich nur der Anlass, etwas schneller über meinen Ausstieg aus dem Metaverse, oder: die Entfernung der Meta-Stasen aus meiner digitalen Welt, zu schreiben. Vor hatte ich es die ganze Zeit schon, aber jetzt muss es doch einmal sein.
Dabei geht es mir inhaltlich natürlich gar nicht so sehr um das Urteil des Kölner Oberlandesgerichts, das Meta einen Persilschein ausgestellt hat. Vielleicht hätte ich nämlich, würde ich Meta noch nutzen, der Verwendung meiner Daten gar nicht widersprochen. Denn wenn ich etwas verwende, soll es ja schließlich gut sein und ich hätte wahrscheinlich dazu beitragen wollen, dass es gut wird (so ähnlich argumentiert ja auch das Gericht, wenn ich es richtig verstehe). Allerdings war die Ankündigung von Meta vor einiger Zeit, eine eigene Künstliche Intelligenz in seine Produkte einbauen zu wollen, für mich der Auslöser, aus dem Metaverse auszusteigen. Mir waren ungebremstes Datensammeln, shittige Werbung, unüberwachte Hatespeech, Anbiederung an Trump durch Zuckerberg schön längst genug, aber jetzt auch noch die Aussicht auf Mischung des gesamten Breis zu einer künstlichen „Intelligenz“, und das auch noch mit meinen Daten, ging dann einfach nicht mehr. #UnplugMeta wurde für mich die oberste Maxime.
Wie ist das zu bewerkstelligen? Ganz einfach: durch das Löschen der eigenen Profile. Dazu gibt es in den einzelnen Meta Anwendungen jeweils in den Profileinstellungen mehr oder weniger versteckte Funktionen, die es dann auch mehr oder weniger schwer machen, die Profile wirklich zu löschen. Nach meiner Erinnerung wird meist auch eine „Deaktivierung“ angeboten, die das Profil aus den öffentlichen Anzeigen entfernt und unauffindbar macht, aber die Daten zunächst einmal erhält und damit auch für Meta weiter verwendbar hält. Das wollte ich nun gar nicht, habe die Profile wirklich gelöscht und damit auch alle Daten und im Falle von Facebook auch die unmittelbar am Profil hängenden Seiten.
Ach ja, die Apps habe ich natürlich auch von allen Geräten deinstalliert und gelöscht und damit dafür gesorgt, dass eventuell gespeicherte Daten verschwinden.
Wie weh hat er denn nun getan, der Ausstieg aus dem Metaverse? Im Einzelnen:
Facebook hatte ich zuletzt nur noch genutzt, um meinem Blog mehr Reichweite zu verschaffen. Heißt: ich hatte den Link des aktuellen Blogbeitrages und einen vorangestellten Teasertext in meinem Profil und auf einer Seite (warumichradfahre) gepostet. Gelesen hatte ich auf Facebook schon lange Zeit nichts mehr. Also im Sinne, meine Timeline zu beobachten und irgendwelche Einträge darin zu lesen. Insofern hatte ich Facebook nicht dazu genutzt, Informationen zu erhalten. Deswegen vermisse ich Facebook in dieser Hinsicht auch nicht.
Die Reichweite meines Blogs hat nicht dadurch gelitten, dass ich nichts mehr auf Facebook poste. Auch zuvor schon waren die Klicks, die ich von dort bekam, eher bescheiden. Und die Aufrufzahlen meines Blogs sind nach dem Ausstieg nicht nach unten gegangen.
Also: Ausstieg aus Facebook: überhaupt kein Problem.
Ein Fediverse Ersatz für Facebook ist Friendica, das ich auch nutze, mein Profil findet Ihr hier:
https://friendica.io/profile/warumichradfahre/profile
Facebook Messenger
Den Facebook Messenger hatte ich auch noch. Ich meine, dass man dort mittlerweile ein eigenes Profil hat, das ich auch löschen musste. Das hat ein bisschen weh getan, denn die Chatmöglichkeit mit einigen meiner guten alten Kontakte hatte ich tatsächlich nur im Messenger, weil ich keine Handynummer hatte, sondern nur die „Freundschaft“ über Facebook. Einige habe ich leider noch nicht wiedergefunden (die treffe ich aber ab und zu im richtigen Leben und werde mich dann erneut vernetzen), einige haben mich auf Signal gefunden.
Ersatz für den Messenger ist natürlich Signal oder SMS (das heißt jetzt glaube ich überall „Nachrichten“), dazu schreibe ich später noch mal mehr.
Instagram habe ich ähnlich verwendet wie Facebook, aber zum Erhöhen der Reichweite des Blogs ist es noch nutzloser, denn die Links, die man auf Instagram postet, sind nicht klickbar. Daher kamen genau 0 (in Worten null) Klicks auf meinen Blog von Insta.
Eine zeitlang habe ich Instagram tatsächlich auch für Fotos genutzt, die ich dann im Blogbeitrag eingebettet habe, denn das funktioniert in WordPress überraschender Weise für Instagram. Und spart ein wenig Speicherplatz im Blog selber. Aber nachdem ich ziemlich Feuer von Leserinnen und Lesern bekommen hatte, weil die keine Datenkraken in den Blogbeiträgen haben wollten, habe ich damit aufgehört.
Instagram aufzugeben war von der Warte meines Blogs her einfach. Aber ich muss zugeben, dass ich Insta schon ab und zu mal durchgeblättert habe, weil es da schon so die eine oder andere Inspiration, zum Beispiel rund um das Thema Tattoo gegeben hat. Das findet man in etwas abgeschwächter Form aber auch anderswo, also wtf.
Instagram Alternative im Fediverse ist Pixelfed. Habe ich eine zeitlang genutzt, momentan bringt es immer eine Fehlermeldung, wenn ich versuche, etwas zu posten, also bin ich raus. Fotos bekomme ich auch anders in den Blog, Instagram und Pixelfed haben da eher zusätzliche Arbeit gemacht, ohne wirklich etwas zu bringen.
Threads
Ohne Worte. Einfach raus. Unnötig wie ein Kropf. Hätte ich besser nie gemacht.
Das schien nun wirklich nicht so schmerzfrei möglich, war es aber. Klar, da waren unheimlich viele Kontakte und auch unheimlich viele Gruppen. Trotzdem hat das mit dem zusätzlichen Vorlauf, den ich mir und meinen Kontakten gab, gut funktioniert. Sogar dort, wo man landläufig denkt, dass es nicht so gut funktioniert, also beispielsweise in der Familiengruppe oder Hobbygruppen. Letzteres war sowieso kein Problem, denn da ich mich ja in so einem NGO-Umfeld bewege, waren die meisten Kontakte in diesen Gruppen eh schon zusätzlich bei Signal. Und in der Familie haben wir es eben geregelt, so wie wir sonst auch alles regeln in der Familie.
Wobei man einfach sagen muss: der Tag sei verflucht, an dem Meta WhatsApp gekauft hat. Ich hoffe, die Entflechtungsverfahren in USA führen dazu, dass Meta WhatsApp wieder abgeben muss.
Meine Alternativen zu Meta sind klar: natürlich Signal, da sind mittlerweile auch die meisten meiner Kontakte, mit denen ich viel auf WhatsApp zu tun hatte. Auf Signal findet Ihr mich hier:
https://signal.me/#eu/2fCaP9pgAnUG76ChN2hkkYd7tV83LVdzjZ2Kk800ejOfKcmqgjxL9o8ETSpKxLFA
Auch die gute alte SMS, wohl mittlerweile überall „Nachrichten“ genannt, ist gar nicht mehr so alt, sondern hat sich auch modernisiert und funktioniert immer noch gut. Und vor allem braucht es nicht mehr als die Handynummer. Wäre sicher nicht die Funktion, auf die ich meine gesamte Kommunikation umstellen möchte, aber sie tut’s eben. Achtung: es handelt sich ja um eine Telefoniefunktion, wer keine SMS Flat in seinem Handyvertrag hat, sollte auf die Kosten achten.
Fazit
#UnpluMeta hat funktioniert. Es hat nur mäßig weh getan. Alle Meta-Stasen sind entfernt. Bleibende Narben gibt es nicht. Im Gegenteil, mein digitales Leben ist freier, selbstbestimmter und sicherer geworden.
Das Titelbild zu diesem Beitrag hat übrigens die Mama von meinem guten Freund Tschädd Tschipidi, Otilie Openai gemalt. Die ist auch künstlich intelligent.
#UnplugMeta, #DigitaleSouveränität, #DigitaleSelbstverteidigung, #Fediverse, #NoMetaverse,

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