Take a ride on the wild side

Habt Ihr schon mal 25.000 Autos demonstrieren sehen

Sternfahrt München Massen von Rädern Screenshot
Quelle: ADFC München

Habt Ihr schon einmal 25.000 Autos für bessere Straßen oder weniger Staus demonstrieren sehen? Oder 25.000 Fußgängerinnen und Fußgänger für bessere, breitere oder barrierefreie Fußwege? Oder sind schon einmal 25.000 Menschen organisiert in Zügen nach Berlin gefahren, um gegen die ständigen Verspätungen der Bahn und überlastete Züge zu demonstrieren?

Von solchen Aktionen habe ich noch nie gehört oder gelesen. Obwohl ja die Anliegen total berechtigt wären. Aber solche Demonstrationen gibt es einfach nicht.

Bei uns Radfahrerinnen und Radfahrern schon. Und zwar viele. Ich alleine war dieses Jahr schon bei drei großen Sternfahrten in Düsseldorf (3.000 Teilnehmer*innen), München (16.000 Teilnehmer*innen), Berlin (25.000 Teilnehmer*innen), weitere werden folgen, wie in Köln am 15.06. und Hamburg eine Woche später.

Fahrrad Sternfahrten sind zwar ein Riesenspaß, aber sie erfolgen nicht zum Spaß. Sie sind Demonstrationen für bessere Verkehrsbedingungen für Radfahrerinnen und Radfahrer. Sie sind phantastische Gemeinschaftserlebnisse und der aktivistische Teil der verkehrspolitischen Agenda der Radfahrenden und ihrer Interessenvertretung, des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs, der die Sternfahrten (meist mit Bündnissen) organisiert. Und nur die Radfahrenden bringen solche Demonstrationen öffentlichkeitswirksam zustande, siehe erster Absatz dieses Beitrages.

Das hat etwas mit der Solidarität der Radfahrenden zu tun. Sie sind sich in großen Teilen auf einem minimalen Nenner einig: sie wollen ihren Platz, ihre Flächen, ihren Raum im Straßenverkehr. Sie wollen eine freie Wahl des Verkehrsmittels und ein Ende der einseitigen Bevorzugung des Autos.

Und ein anderer Grund: Sternfahrten und andere aktivistische Formate wie Critical Mass, Kidical Mass etc. sind kommunikativ. Es erfolgt meist eine groß angelegte Mobilisierung mit der Darlegung der jeweiligen Ziele. Und während der Fahrten reden die Mitfahrenden miteinander, entstehen Gespräche, Netzwerke, Freundschaften. Dürfte in Autos schwierig sein….

Ich liebe das alles. Fahre mit, woimmer es geht, mobilisiere mit, habe lange die Sternfahrt Köln mit einem tollen Team organisiert.

Um zu zeigen: wir sind viele, wir sind mehr. Und stellen was auf die Beine, äh – Räder!!!

Seid dabei bei den tollen noch kommenden Sternfahrten.

Hier noch ein paar Impressionen:

Aus München:

https://photos.app.goo.gl/nxjK6x7orUv6K5nKA

Aus Berlin:

https://photos.app.goo.gl/35bXdfyNZyJaahgj6

Viel Spaß damit!

Kommentare

  1. 25.000 Autos: ein Mega-Stau als Protestform gegen Staus? Hätte definitiv etwas, aber andererseits mag ich mir dieses Grusel-Szenario nicht vorstellen.
    Den Solidaritätsgedanken finde ich grandios, aber in der Praxis stelle ich leider oft fest, dass viele Deutsche immer noch zu 150% hinter dem Verkehrsmittel stehen, das sie gerade benutzen und den Rest einfach mal ignorieren oder beschimpfen. Das ist in NL oder DK anders.
    Ich wünsche mir, dass alle Verkehrsteilnehmer miteinander solidarisch umgehen, statt sich gegenseitig die Existenzberechtigung abzusprechen. In unserer Tageszeitung gibt es zurzeit mal wieder eine Kommentarschlacht, welche Gruppen sich am wenigsten an Regeln halten🙈. Grausam!

    1. Dazu gäbe es einiges zu sagen! Die Diskussion um Rücksicht finde ich immer ganz witzig, weil da kann man sich so schön aufregen und braucht vor allen Dingen keinen Beweis anzuführen, sondern nur einfach irgendwelche Behauptungen in die Welt zu setzen. Denn Rücksicht ist ja nicht objektivierbar, da hat jeder eine andere Vorstellung von. Wenn es darum geht, Verkehrsregeln einzuhalten, sind wir alle kleine oder große Sünderlein, da braucht sich niemand freizusprechen. Weder Radfahrer noch Autofahrer noch Fußgänger.

      Es gibt allerdings schon auch messbare Größen, beispielsweise den Beitrag zum Klimawandel. Und da ist das Auto leider immer noch an der Spitze. Deswegen ergreife ich schon Partei für den öffentlichen Personennahverkehr und für das Fahrrad oder zu Fuß gehen. Autos sind einfach die ineffizienteste Art, sich fortzubewegen und sie tragen massiv zum Klimawandel bei. Deswegen muss es weniger Autoverkehr und mehr öffentlichen Verkehr und Fahrradfahren geben.

      1. Ich bin auch Verfechterin eines guten ÖPNV (bisschen mies für mich, ich brauche mit dem Bus/der Bahn doppelt so lange zur Arbeit wie mit dem Rad oder 6x so lange wie mit dem Auto, für 10 km, aber über eine Bundesland-Grenze😥) oder des Radfahrens.
        Aber hier im eher ländlichen Bereich pochen die Leute halt leider immer noch sehr auf ihr Auto, teilweise sogar nachvollziehbar (s. o.), und da beginnt das Henne-Ei-Problem: muss zuerst die Nachfrage steigen oder das Angebot?
        Und nach einem knappen Jahr Radfahren Richtung Bückeburg denke ich immer wieder, ich kenne jetzt alle Schlaglöcher, Spurrinnen und sonstigen Hindernisse auf Straßen und Wegen, aber weit gefehlt…

        Rücksicht nehmen bedeutet für mich übrigens unter anderem, mich zum Beispiel auch bei Hundebesitzern zu bedanken, die ihren Hund an die Seite nehmen, statt sie an der Flexi-Leine die ganze Wegbreite nutzen zu lassen, wenn ich mit dem Rad ankomme.
        Und ebenso nehme ich unseren Hund an die Seite, wenn ich zu Fuß mit ihm unterwegs bin.
        Was ich gern erleben möchte an Mitdenken, das muss ich auch selbstverständlich anderen zugute kommen lassen.

  2. stimme ich voll und ganz zu…aber besser wäre endlich eine sternfahrt, in dieser größe, für den frieden auf erden. aber ich weiß natürlich auch das solidarität und dieses system nicht zusammen passen. das bewusstsein des menschen für alle aspekte des lebens muss sich ändern…ich glaube dann könnte ein schuh daraus werden.

    1. Da hast du recht, aber das gibt es ja tatsächlich schon. Gegen den Ukraine Krieg oder gegen das Geheimtreffen der rechten Mafia haben ja unheimlich viele Menschen protestiert, übrigens auch auf dem Rad. Mein Beitrag bezieht sich ja vor allem auf das Thema Verkehrspolitik, da sind wir Radfahrerinnen und Radfahrer führend.

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