
Hallo liebe Radfahr-Enthusiast:innen, Blog-Leser:innen und alle, die über die Weiten des Internets zu uns gefunden haben!
Heute nehme ich euch mit auf eine ganz besondere Tour, denn es geht um etwas Ungewöhnliches: eine Straße! Eine Straße, die für mich als Radfahrer in Köln weit mehr ist als nur Asphalt: die Venloer Straße. Sie durchquert eines der wohl kiezigsten und lebendigsten Veedel der Domstadt, Ehrenfeld, und ist seit Jahren ein echter Brennpunkt verkehrspolitischer Debatten. Aber keine Sorge, wir bleiben locker und schauen uns das Ganze mal aus der Sattelperspektive an.
Fangen wir beim Namen an.
Köln hat so einige große Ausfallstraßen, deren Namen ganz klar auf Städte verweisen, wohin sie mal führen sollten – oder zumindest in diese Richtung weisen. Das ist wie eine kleine geografische Verabredung! Die bekanntesten sind wohl:
- Aachener Straße: Die ehrwürdige Römerstraße, die Via Belgica, die vom Rudolfplatz gen Westen nach Aachen und darüber hinaus führt. Man fühlt sich fast historisch, wenn man hier radelt.
- Bonner Straße: Sie startet in der Südstadt und nimmt Kurs auf die ehemalige Bundeshauptstadt. Geradlinig, manchmal etwas monoton, aber wichtig für den Süden.
- Neusser Straße: Sie führt von der Innenstadt in den Norden und steuert, Überraschung, Neuss an. Sie ist eine lebendige Achse, gespickt mit vielen kleinen Geschäften.
- Deutz-Kalker Straße: Auch wenn der Name länger ist, markiert sie die wichtige Verbindung von Deutz in den Stadtteil Kalk. Eine eher industrielle und geschäftige Route.
- Luxemburger Straße: Diese alte Römerstraße zieht schnurgerade vom Barbarossaplatz nach Süden und hält die Verbindung zum Brühler Umland und weiter nach Luxemburg.
Die Venloer Straße trägt den Namen der charmanten niederländischen Grenzstadt Venlo, die für ihre Märkte, entspannte Atmosphäre und natürlich für leckere Pommes Frites bekannt ist – ein beliebtes Ziel für einen Tagesausflug. Auch wenn die Venloer Straße in ihrer Verlängerung vielleicht eher über Roermond führen würde, ist der Name eine wunderbare Referenz an unsere niederländischen Nachbar:innen und symbolisiert die Weltoffenheit und den Handelsgeist Kölns. Wobei, wenn sie nach Mönchengladbach führen würde, wäre der Name bei der Fußballrivalität ja sowieso ausgeschlossen – da wäre wohl selbst „Düsseldorf-Straße“ akzeptabler!
Die Venloer Straße selbst erstreckt sich von der nordwestlichen Stadtgrenze (Pulheim) bis zum Friesenplatz und durchquert dabei die Stadtteile Bickendorf und eben Ehrenfeld. Heute konzentrieren wir uns auf das Stück von der Äußeren bis zur Inneren Kanalstraße, mitten durch Ehrenfeld.
Ehrenfeld: Das ist Köln pur, aber anders! Ursprünglich im 19. Jahrhundert als Arbeiter- und Industrieviertel vor den Toren Kölns entstanden (daher viele Backsteingebäude und Industrie-Lofts), hat sich Ehrenfeld zu einem pulsierenden, multikulturellen und kreativen Hotspot entwickelt. Heute leben hier auf engem Raum rund 38.000 Menschen im Stadtteil Ehrenfeld (noch mehr im ganzen Stadtbezirk), und die Bevölkerungsstruktur ist ein bunter Mix aus alteingesessenen Kölner:innen, Studierenden, Künstler:innen und Menschen vieler verschiedener Herkunft – das merkt man sofort am Straßenbild, der Street Art und der Gastronomie.
Und was gibt’s hier zu sehen? Eine Menge! Neben unzähligen coolen Bars, Cafés und kleinen Boutiquen, stechen diese Points of Interest besonders hervor:
- Das Helios-Gelände mit seinem markanten, denkmalgeschützten Helios-Turm (einem alten Leuchtturm!) ist quasi das Wahrzeichen des Veedels und zeugt von der industriellen Vergangenheit.
- Die Zentralmoschee Köln an der Inneren Kanalstraße ist ein beeindruckender, architektonisch moderner Gebäudekomplex, der nicht nur ein zentrales Gotteshaus ist, sondern auch ein Ort der Begegnung und des Handels.
- Das Neptunbad – ein wunderschönes, historisches Jugendstil-Bad von 1912, das heute ein exklusiver Wellness-Tempel ist und allein optisch einen Besuch wert ist.
- Der Bürgerpark und die angrenzende Grünfläche, die Ehrenfeld ein paar grüne Lungenflügel schenken.
- Und natürlich die unzähligen Street-Art-Murals und Fassadenbilder, die Ehrenfeld zur inoffiziellen Kunstgalerie Kölns machen.
Zurück auf die Venloer Straße im Abschnitt durch Ehrenfeld. Meine Sicht ist natürlich die eines Radfahrenden. Die Bilder in diesem Beitrag stammen von einer Fahrt Mitte September 2025 – perfekt, um das bunte Treiben einzufangen.
Vom nordwestlichen Ende, an der Äußeren Kanalstraße, habe ich meist die Wahl: Radspur auf dem Bürgersteig oder Fahrbahn. Ich wähle oft die Fahrbahn, denn auf dem geteilten Weg ist immer viel los: zu Fuß Gehende, entgegenkommende Radfahrende, Umzugsfahrzeuge, Mülleimer, abgestellte Räder… das volle Programm, ihr wisst, wovon ich spreche!

Auf der Fahrbahn gibt es im ersten Abschnitt die berühmten Piktogrammketten – diese aufgesprühten Fahrrad-Symbole, die zeigen: Hier gehört die Straße auch uns! Die sind zwar schon etwas verblasst, aber ihre Wirkung ist erstaunlich konstant. Ich bin hier noch nie aggressiv angehupt worden, und die Autos überholen mit respektvollem Abstand. Ein ziemlich angenehmes Radeln über lange Strecken. Erst am Bahnhof Ehrenfeld wird’s knubbelig. Dort, durch die Unterführung bis zum Ehrenfeldgürtel, staut sich das Blech oft. Da wechsle ich dann doch lieber auf die (zugegeben, auch hier wuselige) Radspur auf dem Bürgersteig – immer noch besser, als zwischen stehenden Autos eingekeilt zu sein.
Spätestens ab dem Ehrenfeldgürtel, östlich davon, übernehmen wir Radler:innen das Kommando. Schon an den Ampeln stehen mehr Räder als Autos, und in diesem Abschnitt sind die Fahrräder ganz klar in der Überzahl!
Dieser Teil der Venloer ist seit Jahren ein Hotspot der Verkehrspolitik in Köln. Hier herrscht eine ganz eigene, fast anarchische Dynamik. Die Straße ist gespickt mit Geschäften, Lokalen, Bäckereien, Kiosken – und die Menschen bewegen sich, wie sie gerade wollen: Fußgänger:innen, Radfahrende und Autos gleichzeitig auf der Straße sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Die Stadt hat viel probiert, aber wenig hat sich geändert. Die aktuelle Einbahnstraßenregelung (für Autos stadteinwärts) scheint der chaotischen Situation noch am besten Rechnung zu tragen. Für „Erstis“ und Unbedarfte mag es total verwirrend und anarchisch wirken. Aber wenn man sich darauf einstellt und sich auf dieses kölsche Gewusel einlässt, kommt man meist unversehrt durch (wenn man gekränkte Autofahrer:innen-Eitelkeit mal nicht als Verletzung zählt 😉).

Ich finde es immer spannend, hier entlang zu fahren. Ich würde die Venloer Straße niemals umfahren! Man bekommt diesen Impuls, einfach anzuhalten, in einer Bäckerei ein Teilchen zu kaufen oder in einem der bunten Läden zu stöbern. Es ist eine einzigartige, prickelnde Atmosphäre – nie entspannt, aber auch nie öde oder langweilig.
Beenden möchte ich die heutige Fahrt an der Inneren Kanalstraße, direkt an der Zentralmoschee. Seit ihrer Eröffnung hat sich die Atmosphäre hier natürlich massiv verändert. Sie ist ein Anziehungspunkt weit über die Gläubigen hinaus, beherbergt Einkaufs- und Begegnungsmöglichkeiten und zieht viele Tourist:innen an. Wenn ich hier freitags zur Critical Mass vorbeikomme, ist aufgrund des Freitagsgebets richtig viel los – ein echtes Spektakel!
Apropos Critical Mass: Natürlich hat die Venloer Straße auch schon häufig die Critical Mass gesehen. Das passt irgendwie perfekt zusammen: der (zugegeben, nur begrenzt) anarchische Radfahrer:innen-Protest auf der anarchischen Einkaufsstraße.
Ich gestehe, ich liebe die Venloer Straße ein wenig. Sie ist ein Erlebnis! Ich war schon oft da, und ich hoffe, ich werde noch oft da sein.
Wie ist das bei euch? Fahrt ihr die Venloer Straße oder meidet ihr das Chaos? Erzählt mir davon in den Kommentaren, liked den Beitrag oder rebloggt ihn, um die Diskussion anzustoßen – ich bin gespannt auf eure Kölner Veedels-Geschichten!

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