
Na das ist doch mal ein Schnappschuss, oder? 🤔
Am Sonntag war ich wieder mal auf einer meiner Radtouren im rheinischen Braunkohle-Revier unterwegs. Klar, das Sündenwäldchen stand auf meinem Programm, denn es steht wohl über Herbst und Winter vor seiner endgültigen Rodung. Auch die Mahnwache zu seinen Ehren, wollte ich natürlich aufsuchen, was ich dann auch getan habe. Aber dazu berichte ich euch später noch mal etwas detaillierter, keine Sorge! 😉
Danach ging es für mich durch den Ort ohne Namen, der früher einmal Manheim hieß. Und stellt euch vor, was ich dort entdeckte: ein Boot! (Siehe Titelbild – das musste einfach sein, oder?)
Das passt in diese Umgebung wie die berühmte Faust aufs Auge, nämlich überhaupt nicht! 😆 Damit hätte ich nun wirklich niemals gerechnet. Vor allem, weil ja in dem Ort niemand mehr lebt und so ein Boot hier wirklich komplett aus dem Bild fällt. Ich weiß auch gar nicht, ob „Boot“ der richtige Begriff ist, oder ob wir schon von einer Yacht sprechen müssen. Keine Ahnung. 🤷♀️
Trotzdem fragte ich mich natürlich: Was macht dieses kleine Schiff in Manheim? Vielleicht hat sich der:die Besitzer:in einfach nur im Zeitplan für die Anlage des Sees im Hambacher Tagebau vertan? Ich glaube, da ist er oder sie ein paar Jahrzehnte zu früh dran!
Aber mal im Ernst, wie sieht dieser Zeitplan eigentlich aus? Das bringt uns direkt zu einem spannenden Thema, denn die Transformation des Reviers ist wirklich gigantisch.
Neuland Hambach: Der See als Herzstück des Wandels
Der Tagebau Hambach wird ja zum riesigen Hambach See umgestaltet. Das ist ein Mammutprojekt, das zeigt, wie tiefgreifend die Landschaft sich hier verändern wird. Ab 2029 endet die Kohlegewinnung. Danach beginnt die Flutung des Restlochs, und zwar voraussichtlich ab 2030.
Wie wird das gehen? Nun, die Füllung erfolgt hauptsächlich durch Rheinwasser, das über eine extra dafür gebaute, unterirdische Rheinwassertransportleitung in die Grube geleitet wird. Ohne diese künstliche Zufuhr würde es Jahrhunderte dauern, bis sich das gigantische Loch durch Grundwasser wieder füllt, und die Standsicherheit der Böschungen wäre nicht gewährleistet.
Die Befüllung wird sich über mehrere Jahrzehnte hinziehen, voraussichtlich bis etwa 2070, wenn der See seine volle Tiefe von bis zu 365 Metern und ein Volumen von rund 4,3 Milliarden Kubikmetern erreicht haben soll. Stellt euch das mal vor: Einer der tiefsten Seen Deutschlands entsteht hier! Elsdorf wird dann zur „Stadt am See“ mit einer Uferkante von acht Kilometern.
Der Seeablauf zur Erft ist ebenfalls schon geplant und soll das Wasser, das später natürlich aus dem Umland zuströmt, kontrolliert ableiten.
Nutzung und Visionen
Der Hambach See wird das zentrale Element einer völlig neuen Landschaft: NEULAND HAMBACH. Die Vision ist klar: Der See und sein Umfeld sollen zur Erholung und Freizeitgestaltung dienen. Denkt an Baden, Segeln, Wandern, neue städtebauliche Quartiere am Wasser – eine komplette Umgestaltung des Raumes. Das Ziel ist eine attraktive Region mit vitalen Lebensräumen für Mensch und Natur.
Die Restseen im Revier: Ein Sechs-Seen-Land?
Der Hambach See ist nicht der einzige, der entsteht. Auch in den Tagebauen Garzweiler und Inden werden gigantische Restseen geplant:
- Tagebau Garzweiler: Auch hier ist ein Restsee vorgesehen, dessen vollständige Füllung für das Jahr 2066 geplant ist. Die Befüllung soll voraussichtlich ab 2036 starten und ebenfalls über die Rheinwassertransportleitung erfolgen, die dafür entsprechend erweitert wird. Auch hier laufen schon intensive Planungen für Freizeit- und Erholungsnutzungen, unter anderem ist die Internationale Gartenausstellung (IGA) Garzweiler 2037 ein wichtiger Impulsgeber für die Seeentwicklung.
- Tagebau Inden: Der Indesee entsteht ebenfalls. Er wird im Gegensatz zu Hambach und Garzweiler über die Rur gefüllt. Hier ist das Ende der Kohleförderung bereits für 2029 anvisiert.
Und jetzt kommt der Hammer: Es gibt bereits Überlegungen, die entstehenden Restseen – also Hambach, Garzweiler und Inden – eventuell mit weiteren Seen in der Region zu verbinden und so ein Sechs-Seen-Land zu schaffen. Eine mögliche Verbindung der großen Seen durch Wasserwege ist zumindest angedacht! Das wäre eine Wasserlandschaft der Superlative! 🤩
Also, definitiv zu früh, das Boot jetzt schon da zum Einsatz zu bringen. Aber vielleicht ist es ja auch nur der Auftakt zu einem weiteren Schrottplatz wie ein paar Kilometer weiter etwas östlich von Bürgewald, wo abgewrackte Wohnmobile und andere Fahrzeuge die Landschaft verschandeln. Ich schätze den Zustand des Bootes eigentlich nicht so ein, dass es auf den Schrott gehört, aber wer weiß. Vielleicht ist es auch zu dem Zeitpunkt, als ich diese Zeilen schreibe, schon wieder weg und meine Aufregung war ganz vergebens.
Auf jeden Fall war das Boot eine der kuriosen Entdeckungen des gestrigen Tages. Über weitere werde ich hier noch berichten, denn das Revier hält immer Überraschungen bereit!
Was meint ihr zum Thema Umgestaltung? Ist das ein hoffnungsvolles Signal für die Zukunft oder eher eine riesige Herausforderung? Lasst uns wissen, was euch auf euren Touren im Revier schon Kurioses begegnet ist. Ich freue mich auf eure Kommentare, Likes und Retweets – auf dass wir alle gemeinsam die neuen Wege im Rheinischen Revier erkunden! 👇🚴♀️✨

Kommentar verfassen