
Ach, ist das herrlich, dass wir uns hier über Themen austauschen, die uns im Alltag so begegnen! Gerade eben ist mir die Idee gekommen, mal über das Lesen zu philosophieren – und das, obwohl ich lange Zeit ein echter „Lesemuffel“ war! 🧐
Lesen: Mehr als nur Buchstaben entziffern
Lesen ist ja viel mehr als nur Wörter zu entziffern, stimmt’s? Es ist ein aktiver Prozess, bei dem wir aus Buchstaben Bedeutung konstruieren. Sprich, wir verknüpfen die Infos im Text mit unserem eigenen Wissen, unseren „Weltmodellen“, um eine mentale Repräsentation zu schaffen. Es ist die Fähigkeit, Texte bewusst zu nutzen, um die eigenen Ziele zu erreichen, das Wissen zu erweitern und aktiv am sozialen Leben teilzunehmen – neudeutsch nennt man das auch Lesekompetenz oder Reading Literacy.
Lesen ist also eine ziemlich große Sache! Es geht nicht nur um Sachbücher oder Romane, sondern um alle möglichen Textsorten: von der Zeitung über Tabellen und Grafiken bis hin zu elektronischen Texten.
Die gesellschaftliche Konvention des Lesens
Wenn ich so offen zugebe, dass ich lange Zeit kaum gelesen habe, sehe ich oft ungläubige oder gar abfällige Blicke. Das ist fast schon ein Sakrileg, oder? Und ja, Lesen ist definitiv eine gesellschaftliche Konvention!
Historisch gesehen war das Buch im bürgerlichen Milieu des 19. Jahrhunderts ein wichtiges Medium zur individuellen Geschmacksbildung und zur Selbstvergewisserung einer sozialen Gruppe. Wer liest, zeigt damit oft auch einen gewissen Lebensstil oder eine Partizipation am politischen Diskurs. Lesen ist somit ein Weg zur sozialen Distinktion und Kommunikation. Es hilft uns, geistig offen zu bleiben, rational Probleme zu lösen und Teil einer funktionierenden Gesellschaft zu sein. Wer nicht liest, bricht diese Konvention scheinbar – und erntet eben manchmal diese erstaunten Reaktionen, so wie ich sie selbst erlebt habe! 😮
Doch das Gute am Lesen, abgesehen von der reinen Informationsaufnahme, ist der ästhetische Genuss, die Möglichkeit zur Partizipation an einer kritischen Öffentlichkeit und die Erweiterung des Horizonts. Es ist ein Weg zur Identitätsbildung und zur Entwicklung von Toleranz und Neugier.
Genau diese Erweiterung meines Horizonts und diese neue Form der Kommunikation erlebe ich gerade wieder – und zwar durch meine Entdeckung der Blogs. Das ist der Punkt, an dem mein fast schon „militanter Nicht-Leser-Status“ bröckelt und ich vom Saulus zum Paulus werde! 😊
Da stellt sich doch die Frage: Was ist das eigentlich, dieses Bloggen, das mich so in seinen Bann zieht?
Die Blogosphäre: Ein Kosmos aus Gedanken und Texten
Ja, schauen wir uns mal an, was hinter diesem Phänomen steckt, das mich (und hoffentlich auch dich!) gerade so fesselt: das Bloggen.
Was ist ein Blog?
Der Name Blog ist eine Abkürzung von Weblog, was sich aus „World Wide Web“ und „Logbuch“ zusammensetzt. Ganz klassisch ist ein Blog also ein öffentlich zugängliches Online-Tagebuch oder ein Logbuch im Netz. Es handelt sich um eine Website oder einen Teil davon, auf der regelmäßig, meist chronologisch, Beiträge (Posts) veröffentlicht werden. Das Besondere ist die Individualisierung der Kommunikation, die Möglichkeit zur Interaktion (durch Kommentare, Likes und Reblogging) und die Vernetzung mit anderen Blogs.
Die Entwicklung des Bloggens
Die Wurzeln des Bloggens reichen bis in die späten 1990er-Jahre zurück, als die ersten Weblogs als einfache Online-Tagebücher entstanden.
- 1997 tauchte der Begriff „Weblog“ erstmals auf.
- 1999 wurde er in das griffigere „Blog“ zerlegt und verbreitete sich rasch. Im selben Jahr starteten mit Plattformen wie Open Diary und Blogger die ersten kostenlosen Dienste.
- Anfang der 2000er-Jahre setzten technologische Fortschritte und Plattformen wie WordPress (der Vorläufer startete 2001) den Siegeszug fort. Blogs wurden zu wichtigen Meinungsführern in Nischen und fungierten z.B. während der Anschläge von 2001 und dem Irak-Krieg 2003 als Quelle für freie Meinungsäußerung.
- Heute ist Bloggen ein interaktives und gemeinschaftliches Erlebnis, das auch zur Monetarisierung genutzt wird.
Sinn und Funktion des Bloggens
Bloggen hat viele Gesichter und Funktionen, die es so attraktiv machen:
- Informationsaustausch und Publizistik: Blogger:innen teilen ihr Wissen, ihre Meinungen und Erfahrungen zu allen möglichen Themen.
- Kundenkommunikation (Corporate Blogs): Unternehmen nutzen Blogs zur Kommunikation mit Kund:innen und zur Stärkung des Markenimages.
- Community-Bildung: Durch Kommentare und Vernetzung entstehen soziale Gemeinschaften.
- Meinungsführerschaft und Einfluss: In ihren Nischen werden Blogger:innen zu vertrauenswürdigen Quellen, die Kaufentscheidungen oder politische Meinungen beeinflussen können.
- Persönliche Reflexion: Wie ein Tagebuch dient es der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Alltag.
Blog-Typen nach Ausführung
Blogs lassen sich nach ihrer Machart grob unterscheiden:
- Klassische Weblogs/Persönliche Blogs: Der Autor bzw. die Autorin erstellt hier eine persönliche Welt und schreibt über Gedanken und Themen, die am Herzen liegen (wie bei meinem Blog, klar! 😉).
- Themen- oder Nischenblogs: Hier geht es eng zu, z.B. in Food-Blogs, Mode-Blogs oder auch spezifischen News-Blogs, bei denen die Vermittlung von Informationen im Vordergrund steht.
- Corporate Blogs: Blogs von Unternehmen, die über Projekte oder Produkte berichten.
Fünf berühmte Blogger:innen (Auswahl)
Um mal ein paar große Namen zu nennen, die in den letzten Jahren das Blog-Game mitbestimmt haben, auch wenn der Übergang zu Influencer:innen heute oft fließend ist:
- Chiara Ferragni (The Blonde Salad): Eine der erfolgreichsten Fashion- und Lifestyle-Bloggerinnen weltweit.
- Arianna Huffington (The Huffington Post): Mitbegründerin eines der einflussreichsten News-Blogs, heute ein großes Online-Magazin.
- Perez Hilton: Ein Pionier des Gossip-Bloggens.
- Seth Godin: Erfolgreicher Marketing-Blogger und Autor.
- Louis Cole (FunForLouis): Bekannt für seine Reise-Vlogs, die er täglich auf YouTube veröffentlicht.
Blog-Software und Plattformen: Die Werkzeugkiste
Um einen Blog zu erstellen, gibt es verschiedene Systeme, die sich in ihrer Eigenart und den Unterschieden grundlegend ähneln, aber im Detail auseinandergehen:
- WordPress (.org – Selbst gehostet): Das weltweit beliebteste Content-Management-System (CMS). Es wurde ursprünglich fürs Bloggen entwickelt, ist sehr flexibel, erweiterbar (durch Plugins) und bietet volle Kontrolle über alle Aspekte des Blogs. Es ist ideal für professionelle Blogs.
- Baukasten-Systeme (z.B. Wix, Squarespace, Jimdo): Diese bieten eine einfache Drag-and-Drop-Erstellung ohne tiefe technische Kenntnisse. Sie sind gut für einfache Hobbyblogs geeignet, bieten aber oft weniger Flexibilität und Kontrolle als selbst gehostetes WordPress.
- Gehostete Plattformen (z.B. WordPress.com, Blogger): Sie bieten Basisfunktionen kostenlos an, sind aber in der Funktionalität und Erweiterbarkeit (z.B. durch eigene Themes oder Plugins) eingeschränkt. Sie sind ideal, um ins Bloggen hineinzuschnuppern.
Die Blogosphäre definiert
Und was ist jetzt diese Blogosphäre? Tja, das ist die Kirsche auf der Torte! Die Blogosphäre ist die Gesamtheit aller Blogs und ihrer Verbindungen im Internet. Es ist ein virtueller Raum, in dem Millionen von Nutzer:innen ihre Weblogs pflegen, sich über Hyperlinks (die Verlinkung untereinander) vernetzen und so eine oder mehrere Communities bilden. Sie ist dynamisch, vernetzt und beeinflusst durch Diskussionen und geteilte Meinungen das Internet. Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass Blogs nicht isoliert existieren, sondern durch Pingbacks, Trackbacks und Verlinkungen ein soziales Netzwerk darstellen.
Tatsächlich ist mein Blog auch ein WordPress-Blog, und meine kleine Welt, in der ich jetzt wieder gerne lese, ist vor allem die WordPress-Blogosphäre.
Meine Abonnent:innen und die Blogs, die ich abonniert habe, sind größtenteils dort zu Hause. Und ich muss sagen, dort gibt es so spannende Blogs über alle möglichen Themen! Am meisten faszinieren mich gerade die, in denen es gar nicht so thematisch eng zugeht. Das ist ja bei mir auch so, oder? Klar, Radfahren ist immer dabei, aber ich schreibe ja auch im Zusammenhang damit über Entwicklungen in der Gesellschaft oder in meiner unmittelbaren Umgebung.

WordPress und die App auf meinen mobilen Geräten haben einen fantastischen Reader, der mir andere Blogs anzeigt. Ich liebe es mittlerweile wirklich, durch die Liste der aktuellen Beiträge zu scrollen und einzelne Beiträge zu lesen, die mich auf irgendeine Weise ansprechen. Es sind mal kurze Beiträge, mal lange, mal bebildert, mal rein textuell, mal platte Prosa, manchmal fast Poesie. Ich lese viele mit Genuss und erlebe häufig Inspiration, manchmal auch Nachdenklichkeit. In vielen Fällen bekomme ich Lust, einen Kommentar da zu lassen – ein Like gibt’s sowieso immer! 👍 Die Autor:innen (genderneutral formuliert, denn hier sind alle Geschlechter vertreten!) greifen Kommentare meistens auf und liken und/oder kommentieren zurück.
So erlebe ich Lesen nach langer Zeit wieder als Erweiterung meines Horizonts. Vielleicht ist es ja auch die Möglichkeit und Realität der Interaktion, die mich so anspricht. Ich erlebe Gemeinschaft unter Menschen, die das gleiche tun, nämlich ihre Gedanken und Gefühle veröffentlichen.
Mittlerweile gehört das Blog-Lesen genauso fest zu meinem Tagesablauf wie das Blog-Schreiben. Noch sind die Zeitanteile klein, aber ich bin mir sicher, dass sich das ändern wird, wenn ich nächstes Jahr mehr Zeit und Muße dafür habe. Tatsächlich freue ich mich darauf ganz besonders! Denn ich liebe die Abwechslung, die in den Blogs selber, aber auch in den einzelnen Beiträgen steckt. Ich freue mich auf mehr!
Und wie ist das bei dir? Bist du auch ein Lesefan – oder eher ein Spätberufener wie ich? Verrate mir doch in den Kommentaren, was du am liebsten liest und ob du auch schon mal eine „Konvention“ gebrochen hast! 👇 Gerne kannst du den Beitrag auch liken und teilen! 😊

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