Take a ride on the wild side

Chaos auf der Schiene, Flow auf der Trasse: Mein Critical-Mass-Abenteuer in Wuppertal!

Mond über der Nordbahntrasse

Gestern durfte ich wieder einmal ein echtes Fahrrad-Abenteuer erleben, das die Freude am Radfahren mit einem kleinen Nervenkitzel im Nahverkehr verband – und das alles bei unerwartet tollem Spätherbstwetter. Stell Dir vor: Ende der ersten Novemberwoche, die Sonne strahlt, es ist richtig warm und man spürt, wie die Natur uns noch einen wunderschönen Tag schenkt. Das ist doch die perfekte Ausrede, um die Arbeit beiseitezulegen und in die Pedale zu treten, oder? 😉

Also habe ich mich entschieden, es mit dem Arbeiten nicht zu übertreiben. Nach einem kurzen gemeinsamen Einkauf mit meiner Frau hieß das Ziel: die Critical Mass Wuppertal.

🚂 Anreise-Chaos und Glücksmomente

Die 60 Kilometer nach Wuppertal am späten Nachmittag noch mit dem Rad zurückzulegen, wäre zu sportlich gewesen. Daher fragte ich meinen mobilen Reiseplaner nach der besten Zugverbindung. Die Route sah über Düsseldorf mit dem RE1 und dann weiter nach Wuppertal vor. In Düsseldorf herrschte jedoch das pure Chaos! Züge waren total verspätet, manche fuhren ohne Zwischenstopps durch, andere fielen komplett aus. Der Grund lag wohl in einer kaputten Oberleitung in Neuss. Kennst du das auch, wenn die Deutsche Bahn ihre eigenen Gesetze schreibt? 😅 Ich hatte aber tatsächlich Glück und erwischte noch einen Zug in die Bergische Hauptstadt. Der war zwar rappelvoll, aber mein Brompton GSpot trotzte auch diesen Widrigkeiten wieder einmal.

Da ich noch etwas Zeit hatte, bevor die Critical Mass startete, stieg ich in Wuppertal-Vohwinkel aus und fuhr mit dem Rad über die berühmte Nordbahntrasse bis zum Mirker Bahnhof. Von dort ging es noch ein Stück durch die Stadt zur Kluse, dem Startpunkt der Critical Mass Wuppertal.


🏘️ Wuppertal – Großstadt im Grünen

Wuppertal ist immer eine Reise wert, und als Startpunkt für eine Critical Mass ist die Stadt einfach fantastisch. Aber was macht Wuppertal so besonders? Die Stadt liegt im Bergischen Land und ist mit rund 365.000 Einwohnerinnen und Einwohnern (Stand Ende 2024) eine echte Großstadt, die sich ihren grünen Charakter bewahrt hat. Über ein Drittel der Stadtfläche besteht aus Wald- und Grünflächen!

Wirtschaftlich hat sich die traditionsreiche Stadt, die als Wiege der Frühindustrialisierung gilt, zu einem modernen Standort entwickelt. Neben starken Kompetenzfeldern wie Automotive, Chemie und Maschinenbau macht das Thema Kreislaufwirtschaft (Circular Valley) die Stadt zukunftsfähig. Im innerstädtischen Verkehr ist natürlich die Schwebebahn das Aushängeschild, das die Stadt in der Tallage verbindet.

Fünf Highlights, die Du in Wuppertal entdecken solltest:

  • Die Wuppertaler Schwebebahn: Das Wahrzeichen und ein Muss!
  • Der Von der Heydt-Park: Eine grüne Oase mit historischer Architektur.
  • Die Nordbahntrasse: Dein perfekter Radweg abseits des Verkehrs.
  • Der Wuppertaler Zoo: Einer der ältesten und artenreichsten Zoos Deutschlands.
  • Das Historische Zentrum mit dem Rathaus in Barmen: Beeindruckende Baukunst.

🛤️ Die Nordbahntrasse: Von der Schiene zum Radweg-Juwel

Der Weg zum Startpunkt führte mich über die Nordbahntrasse. Diese Trasse ist ein echtes Vorzeigeprojekt für bürgerschaftliches Engagement. Die Rheinische Strecke, auf der sie basiert, wurde 1879 als Bahnlinie eröffnet. Sie verband Dortmund-Hörde mit Düsseldorf. Nach der Einstellung des Personenverkehrs 1991 und des Güterverkehrs 1999 lag die Strecke brach.

Dank des Engagements der Wuppertalbewegung e.V. wurde die über 20 Kilometer lange ehemalige Bahntrasse ab 2010 in einen asphaltierten, beleuchteten und kreuzungsfreien Rad-, Fuß- und Skateweg umgewandelt. Die offizielle Eröffnung feierte man 2014. Die Trasse ist für die Wuppertalerinnen und Wuppertaler zu einer Lebensader geworden: Sie ist nicht nur ein beliebtes Naherholungsgebiet, sondern dient auch als wichtiger Alltagsradweg für Pendelnde und Schülerinnen und Schüler. Pläne für eine Erweiterung, wie die Anbindung über die Schwarzbachtrasse nach Langerfeld, zeigen, dass hier die Vision einer grünen Mobilität weiterlebt.


🥳 Critical Mass und die Tücken der Heimfahrt

Am Treffpunkt angekommen, traf ich viele liebe Freundinnen und Freunde – ein tolles Gefühl der Gemeinschaft mit zum Teil wieder einmal kuriosen Rädern!

Kurioses Rad bei der Critical Mass Wuppertal

Wir fuhren eine wirklich schöne Strecke, von der ich viele Abschnitte, obwohl ich schon häufig bei der Wuppertaler Critical Mass dabei war, überhaupt nicht kannte. Aber Halt, das ist noch nicht alles! Ich wollte nicht zu spät zu Hause sein und musste den Zug RB 48 um 21:20 Uhr am Wuppertaler Hauptbahnhof erreichen.

Irgendwann fragte ich den Leader der Tour, ob wir uns bald auf den Weg zum Hauptbahnhof machen würden. Er erklärte mir, dass wir uns in Richtung Wuppertal-Barmen bewegen würden – perfekt, denn von dort aus fährt die RB 48 ebenfalls ab. Gesagt, getan. Ich setzte mich an passender Stelle von der Critical Mass ab und fuhr zum Bahnhof Wuppertal-Barmen.

Die RB 48 war pünktlich und brachte mich entspannt in Richtung Köln Hauptbahnhof. Und hier kommt der ultimative Geheimtipp für alle Zug-Radler und -Radlerinnen im Rheinland: Ich lernte, dass es oft besser ist, schon in Köln-Deutz umzusteigen. Dort fahren die Bahnen in Richtung Westen meist vom gleichen oder gegenüberliegenden Bahnsteig ab. Kein Treppab, Treppauf, kein Aufzug-Dilemma wie im Hauptbahnhof! Das ist eine riesige Erleichterung und werde ich in Zukunft immer so handhaben, um die mitunter schwierige Aufzugsituation in Köln Hbf zu umgehen.

Bis auf das anfängliche Zug-Chaos in Düsseldorf war das ein wunderschönes Abenteuer. Die Verspätung hat mich am Ende ja nicht einmal wirklich getroffen – deswegen blicke ich eher mit einem interessierten und ein wenig belustigten Blick zurück. So warm es über Tag war, so stark hat es dann allerdings abgekühlt, als es dunkel wurde. Auf der letzten Etappe vom Bahnhof nach Hause musste ich mir sogar Handschuhe anziehen, obwohl ich vorher noch ein paar Bekannte auf der Critical Mass aufgezogen hatte, dass doch noch kein Handschuhwetter sei. Man lernt nie aus! 😉

Ein tolles Erlebnis, das ich gerne einmal wiederhole! Welche versteckten Rad-Juwelen oder Bahntrassen in Deiner Region kannst Du uns und der Community empfehlen? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

Kommentare

  1. Ein toller Artikel, Wuppertal kenne ich nur aus dem Fernseher. Wir haben auch ins Auge gefasst unseren nächsten Urlaub mit Rad und Zug zu machen, bestimmt ein Abenteuer 😉 Ich habe auch ein kleines Rad, wie oben auf dem ersten Bild und fühle mich damit richtig wohl, schönen Tag wünsche ich dir 🙂

    1. Oh, danke ❣️ Urlaub mit Rad und Bahn ist gut. Trotz aller Kritik funktioniert der Nahverkehr in Deutschland nicht zu schlecht. Und mit dem Deutschlandticket und einem Faltrad fährt man praktisch umsonst.

  2. Vorteil vom Bahnhof Deutz ist, das manche Züge dort starten und noch leer sind. Nachteil von Deutz ist, dass man zum Gleiswechsel grundsätzlich Treppenchaos hat; Köln Hbf hat funktionierende Aufzüge.

    1. Das ist richtig. Wenn man weiß, dass man in Deutz das Gleis wechseln muss, ist es besser, am Hauptbahnhof umzusteigen.

  3. Auch wenn es Köln aus am anderen Ende der Welt liegt: Von Görlitz aus gibt es den wunderschönen „Kreisbahnradweg“ ins etwa 10 km entfernte Königshain. Hier kann man dann „in die Berge“ wandern, zu äußerst fotogenen ehemaligen Steinbrüchen.
    https://tarzanunterwegs.wordpress.com/2024/02/16/beitrag-nr-400/

    1. Ach, wie schön ❣️

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