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Community-Daten als Goldesel? Die Kritik an Komoot im Check

Nahaufnahme einer Apple Watch mit der Komoot Navigations-App während einer Radtour.
Die runderneuerte Apple Watch App von Komoot im Einsatz – jetzt deutlich stabiler und übersichtlicher.

Komoot & Bending Spoons: Zwischen Plattform-Kapitalismus und echter Innovation

Ich schiebe es schon eine Weile vor mir her, aber jetzt ist es Zeit, Tacheles über Komoot zu reden. Vor einiger Zeit veröffentlichte Netzpolitik.org einen sehr kritischen Artikel zur Übernahme von Komoot durch die italienische Firma Bending Spoons. Zugegeben, der Text war mir in seiner Kapitalismuskritik fast zu ideologisch. Doch wenn man 3.566 Fahrten in den Beinen hat, lohnt es sich, hinter die Kulissen zu schauen: Verliert die App ihre Seele oder wird sie endlich erwachsen?

Wer ist Bending Spoons?

Der neue Besitzer aus Mailand ist kein klassischer „Outdoor-Enthusiast“. Bending Spoons ist ein Technologie-Riese, der für sein radikales Geschäftsmodell bekannt ist: Sie kaufen erfolgreiche Apps mit großer Nutzerbasis (wie EvernoteIssuu oder WeTransfer) und trimmen sie auf maximale Effizienz. Oft bedeutet das: Das ursprüngliche Team wird massiv verkleinert, die Preise steigen und der Fokus verschiebt sich auf datengetriebene KI-Optimierung. Ein Muster, das in der Tech-Szene für reichlich Diskussionsstoff sorgt.

Die Kritik von Netzpolitik.org: Wenn Kapital die Community „melkt“

Der Gastbeitrag von Joshua Meissner (TU Berlin, Fotograf und Radreisender) auf netzpolitik.org sieht in der Übernahme ein Paradebeispiel für den sogenannten Plattform-Kapitalismus. Hier sind die Kernthesen:

  • Ausbeutung von Gratis-Arbeit: Komoot lebt von unseren Highlights, Fotos und Tipps. Kritiker werfen dem Portal vor, dass diese von der Community geschaffenen Werte nun von einem Investor monetarisiert werden, der keinen Bezug zum Sport hat.
  • Enshittification: Der Begriff beschreibt den Prozess, bei dem Plattformen erst für Nutzer, dann für Werbekunden gut sind, um am Ende nur noch den Profit für die Besitzer zu maximieren.
  • Stellenabbau: Kurz nach der Übernahme gab es Berichte über Entlassungen beim Komoot-Team in Potsdam. Die Angst: Lokales Know-how wird durch seelenlose Algorithmen ersetzt.
  • Datenhoheit: Werden unsere Bewegungsprofile nun zur Ware? Die Sorge vor intransparenter Datenverwertung steht groß im Raum.

Meine Realität: Ein Power-User zieht Bilanz

Trotz dieser berechtigten systemischen Fragen: Ich nutze Komoot (hier mein Nutzerprofil) seit 2016, in jüngster Zeit sogar intensiver denn je. Bisher habe ich keinen Cent mehr bezahlt, aber die Qualität ist spürbar gestiegen.

Das nutze ich am intensivsten:

  1. Automatisierung und Dokumentation meiner Fahrten: Das ist das Herzstück meiner Nutzung. Ich importiere meine mit meiner Coros Uhr oder der Apple Watch aufgezeichneten Radfahrten. Das machen die Geräte mittlerweile völlig selbstständig. Danach geht die Arbeit aber erst los: Ich gebe den Fahrten individuelle Namen und bestücke sie mit meinen Fotos. Erst dann stelle ich sie öffentlich, damit Ihr und andere Nutzer*innen sie finden und bei Interesse nachfahren könnt. Schon mal reingeschaut? 😉
  2. Kuratierte Erlebnisse: Ich erstelle Collections für euch und pflege meine Highlights. Schon mal meine Touren rund um Köln probiert? 🚲
  3. Flexibilität: Ich plane oft mit bikerouter.de, nutze Komoot aber als Hub für die Navigation.
  4. Die Entdeckungs-Funktion: Besonders in Städten wie London oder Glasgow habe ich über die Discover-Seitemeine besten Erlebnisse gefunden.

Was hat sich seit der Übernahme wirklich getan?

Entgegen der Befürchtung eines „Aderlasses“ hat Komoot funktional ordentlich zugelegt. Auf der neuen Product-Updates-Seite lässt sich verfolgen, wie viel Feedback der Community (endlich) umgesetzt wurde. Zuvor passierte nämlich auch jahrelang an Neuerungen außer den Premium Funktionen, die extra bezahlt werden müssen, nicht sehr viel.

Mein Highlight: Die neue Apple Watch-App. Sie wurde Anfang 2026 komplett runderneuert und erlaubt nun echte Offline-Navigation ohne Smartphone. Früher war das eine wackelige Angelegenheit, heute ist es absolute Freiheit am Handgelenk. Auch neue Funktionen wie die Community-Heatmaps zeigen, dass Bending Spoons das Potenzial der Daten nutzt, um uns bessere Routen zu zeigen. Und schließlich gibt es bei den Tourenvorschlägen in der Discover-Area mittlerweile auch viele „offizielle“ und kuratierte Angebote (wofür Komoot vermutlich Geld erhält), die ich zumindest interessant finde. Wer noch mehr Planungstipps sucht, sollte einen Blick in die Radroutenplaner-Übersicht des ADFC werfen – eine ideale Ergänzung zu den Komoot-Features.

Fazit: Ich bleibe (vorerst) im Sattel

Die Kritik an der Firmenstruktur ist legitim, aber in meinem Alltag als Radfahrer überwiegt der Nutzen. Komoot unter Bending Spoons ist schneller, stabiler und feature-reicher geworden. Solange das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und die Navigation mich nicht im Stich lässt, bleibt die App mein wichtigster Begleiter.

Wie seht Ihr das? Seid Ihr skeptisch wegen der neuen Besitzer oder freut Ihr Euch über die technischen Sprünge? Lasst es mich in den Kommentaren wissen! 👇

Kommentare

  1. Vielen Dank für den Einblick. Meine sfrau und ich waren zuerst auch nicht gerade begeistert, als wir von der Übernahme gelesen hatten und befürchteten entweder viel Werbung oder steigende Preise. Ich nutze Komoot nicht so intensiv wie meine Frau; sie hat das Gefühl, dass das Programm hetzt zuverlässiger arbeitet und weniger „abstürzt“ bzw. sich einfach abschaltet.
    Komoot bleibt also auch bei uns momentan noch aktiv.

    Noch eine kurze Anmerkung zum Verkauf:
    Ich war eigentlich mehr enttäuscht von den Verkäufern als vom Käufer.
    Wie so oft wird die Unabhängigkeit von großen Kapitalunternehmen gepredigt, eine Gefolgschaft aufgebaut und am Ende dann doch bei einem entsprechenden Kaufangebot an den Großen verkauft.
    Auch die damaligen Komoot Eigentümer wussten über die „DNA“ des potentiellen Käufers Bescheid und haben den Verkauf trotzdem getätigt.

    1. Vielen Dank für den Kommentar. Das ist auch mein Eindruck.

      1. Hallo in die Runde,
        Auch bei mir hat sich Komoot als Fahrrad-Navi fest etabliert.
        Ich höre von dem Verkauf hier das erste Mal und bin ebenfalls sehr besorgt.

        Ich könnte mir denken, dass, bei der Kleverness solcher Akteure, die profitablen Aspekte sich nach und nach einschleichen, um die Nutzer langsam daran zu gewöhnen (siehe auch unsere Grossdiscounter im Lebensmittelbereich).
        Und so denke ich auch, dass man das kritisch beobachten muss, um es dann ggf. neu zu bewerten.

        Zu der Übernahme/Verkauf von Komoot muss ich allerdings auch zur Verteidigung der bisherigen Komootbetreiber sagen, dass solche finanzkräftige Investoren oftmals ein so großzügiges Kaufangebot machen das man nicht ablehnen kann. Ganz nach amerikanischem Vorbild. Wer von uns würde da Nein sagen…

        Bleibt zu hoffen das Komoot möglichst lange benutzerfreundlich bleibt.

        Korbinius

      2. Oh, der Verkauf hat schon vor einiger Zeit stattgefunden und war Gegenstand einiger Diskussionen. Ich bin auf jeden Fall auch gespannt, wie es weiter geht. Momentan sieht es eher so aus, als hätte es einen Innovationsstau bei den alten Besitzern gegeben, der nach und nach aufgelöst wird.
        Ich bleibe auf jeden Fall am Ball.

    2. Beste Grüße an Frau Juckplotz‼️

      1. Wird ausgerichtet. Sie hat übrigens auch einen Blog: http://www.awapi.info

      2. Hab ich doch längst abonniert ‼️❣️❣️

  2. […] meiner Bubble wird mir das manchmal verübelt, gerade wegen der Übernahme durch Bending Spoons. Aber ich bleibe dabei: Meiner Meinung nach hat das der Plattform gutgetan, und ich bin da ziemlich […]

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