Take a ride on the wild side

Hupe statt Hirn? Wenn Autofahrer Schilder falsch lesen

Stress auf der Brücke – Warum „Rad frei“ kein Zwang ist

Da ist man einmal ohne Insta360 unterwegs, schon gibt es eine filmreife Szene! In Bergheim-Quadrath-Ichendorf auf der Brücke über die Bahnlinie hat mich gestern Morgen ein Autofahrer ordentlich angehupt und belehrt – dabei war ich völlig im Recht. Kennst du das auch? 🚲💨

Die Story: Wenn „gut gemeint“ zur Nötigung wird

Eigentlich war es eine entspannte Fahrt, bis hinter mir ein Autofahrer die Geduld verlor. Er hupte, überholte knapp und gestikulierte wild. Als ich Verständigungsprobleme signalisierte, passierte etwas Seltenes: Er hielt tatsächlich mitten auf der Straße an.

Das folgende Gespräch war hoch emotional und belehrend. Mein Gegenüber war sichtlich von der Auffassung beseelt, dass die Straße exklusiv den Autofahrenden gehört und ich dort ein gefährlicher Fremdkörper sei. Trotz seiner massiven Unwissenheit über die Schilder vor Ort muss man ihm eines lassen: Er hat nicht einfach nur im Vorbeifahren gepöbelt, sondern sich der Diskussion gestellt. Er war felsenfest davon überzeugt, ich müsse auf dem Weg daneben fahren – ein klassischer Irrtum, der leider oft in Aggression umschlägt.

Der rechtliche Hintergrund: Wissen ist Macht

Damit du beim nächsten Mal am Autofenster souverän bleibst, sind hier die drei wichtigsten Fakten, die meine Situation auf der Brücke untermauern:

  • Fakt 1: Die Fahrbahn ist unser Standardplatz. Gemäß § 2 Abs. 1 StVO müssen Fahrzeuge die Fahrbahn benutzen – und Fahrräder sind im Sinne der Straßenverkehrsordnung Fahrzeuge. Wir gehören also grundsätzlich auf den Asphalt! Eine Pflicht, diesen zu verlassen, besteht nur bei den runden, blauen Radweg-Schildern.
  • Fakt 2: „Rad frei“ ist ein Angebot, kein Zwang. Das Schild vor Ort (Zeichen 239 „Gehweg“ mit Zusatz) ist ein reiner Gehweg, auf dem wir lediglich geduldet sind. Es besteht absolut keine Benutzungspflicht. Wer dort fährt, muss zudem Schrittgeschwindigkeit einhalten. Auf der Straße darf ich hingegen so schnell fahren, wie es meine Waden zulassen.
  • Fakt 3: Die Hupe ist kein Erziehungsmittel. Laut § 16 StVO darf die Hupe außerorts nur als Warnsignal bei Gefahr oder zum Ankündigen eines Überholvorgangs genutzt werden. Jemanden „wegzuhupen“, nur weil man die Regeln nicht kennt, ist eine Ordnungswidrigkeit und keine StVO-konforme Kommunikation.

Den Schilderwald verstehen

Blick auf eine Straße in Bergheim mit einem blauen Gehweg-Schild und dem Zusatzschild "Radfahrer frei" am rechten Rand.
Die vermeintliche Pflicht auf einen Blick: Warum dieses blaue Schild oft für hitzige Diskussionen auf der Fahrbahn sorgt.

Hier die Übersicht der wichtigsten Zeichen für deine Argumentation:

Zeichen-Nr.BedeutungRegeln für Radfahrer:innenRegeln für Fußgänger:innen
237 (Blau, Rad)RadwegPflicht! Fahrbahnverbot.Verboten.
240 (Blau, gem.)Gemeinsamer Geh- & RadwegPflicht! Rücksicht nehmen.Nutzen den gesamten Weg.
241 (Blau, getr.)Getrennter Geh- & RadwegPflicht! Nur die Radseite.Nur die Fußgängerseite.
239 + ZusatzGehweg, Rad freiOptional. Nur Schritttempo!Haben immer Vorrang.

Fazit: Lasst euch nicht weghupen!

Die Straße ist für alle da. Gegenseitige Rücksichtnahme bedeutet nicht, dass man sich rechtswidrig vom Asphalt abdrängen lassen muss – besonders wenn der Gehweg, wie hier, vor lauter Grünspan kaum noch als solcher zu erkennen ist.

Wie reagiert ihr in solchen Momenten? Sucht ihr das Gespräch wie ich heute Morgen, oder fahrt ihr einfach weiter? Schreibt es mir in die Kommentare, teilt diesen Beitrag und passt auf euch auf da draußen! ✌️

Kommentare

  1. It’s refreshing to see someone stay calm and composed in everyday situations. Moments like this inspire us to be more patient.

  2. Solche Situationen hatte ich auch des öfteren. Nur, dass der Autofahrer bzw. die Autofahrerin nicht angehalten hat, nachdem gehupt wurde. Knapp vorbei fahren ist da immer im Paket dabei.
    Fehlt bei der Fahrschule im Theorieunterricht vielleicht das Zeichen „frei für Radfahrer“? Keine Ahnung, aber aus dem Benehmen mancher FahrlehrerInnen, wenn sie alleine ohne FahrschülerInnen unterwegs sind, schließe ich, dass bei der Fahrstunde wenig „Miteinander auf der Straße“ gelehrt wird. Ich bin auch nicht unbedingt auf Konfrontation gebürstet und nutze, wo es möglich ist, die „Frei für Radfahrer“ Option, aber an manchen Stellen ist es schlicht unmöglich, wenn ich meine „Reisegeschwindigkeit“ beibehalten will und nicht zum Beispiel jedes Auf und Ab bei Garagenzufahrten mitnehmen will.

    1. Das war hier der Fall. Ich bin kein notorischer Fahrbahnfahrer.

  3. Habe mir schon lange abgewöhnt, mit denen diskutieren zu wollen. Bringt meist eh nichts.
    Dass keiner freiwillig auf der Straße fährt, wenn er nicht muss, scheint denen sowieso nicht einzuleuchten.

    Was ich aber für meine Sicherheit getan habe:
    ich fahre mit einer dieser „Radarleuchten“, die mir im Tacho anzeigt, wenn sich von hinten ein Fahrzeug nähert. Das bereits soviel früher, dass ich mir überlegen kann, ob genügend Platz zum Überholen besteht oder es eng werden könnte (z.B. wegen Gegenverkehr). Dann kann ich immer noch etwas weiter links und damit die verbleibende Lücke auch klar zumachen. Hat mir bereits viele enge Überholvorgänge erspart. Ach ja: die herannahenden Fahrer werden durch blinkendes Licht auf mich eher aufmerksam gemacht.

    1. O la la. Bestens ausgerüstet.

      1. Die Radarleuchte ist für mich ein ganz erhebliches Sicherheitsplus geworden. Vor allem außerhalb der Stadt, wenn Autos mit höherer Geschwindigkeit unterwegs sind. Abgesehen davon, nicht mehr von einem Auto überrascht zu werden, habe ich relativ schnell gelernt einzuschätzen, ob einer auch knapp überholen wird oder nicht. Wenn das Fahrzeug nicht langsamer wird bei Annäherung, wird vermutlich auch knapp überholt (wo soll die Geschwindigkeit sonst hin?). Und das kann ich unterbinden, wenn ich rechtzeitig „die Tür zu mache“ und damit keinen engen Überholvorgang provoziere.

      2. Was ist das für eine Leuchte? Hast du eine Marke und einen Link?

      3. Ich verwende die Lezyne Radar Drive: https://ride.lezyne.com/pages/lezyne-radar-react-system-dein-sechster-sinn?srsltid=AfmBOood0te1wdZZbfIU0K0EcddmVl4lO0NZwvGe9iP_vu9rSgiQKqo7
        Nur die Rückleuchte, nicht das Frontlicht. Die kann man mit kompatiblem Tacho betriebn, muss aber nicht. Geht auch nur über Smartphone oder komplett autark.
        Die Leuchte gibt es in zwei Version: STVO-Version für DE (ohne Blinklicht) und Rest-der-Welt (mit Blinklicht).
        Ich habe meine „Rest-der-Welt“-Version in Holland bestellt, gibt sie mittlerweile aber auch in DE, z.B. hier: https://www.bike24.lu/de/p1969382.html?referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

      4. Spannend

      5. Aktuell verwende ich die Lezyne Radar Drive: https://ride.lezyne.com/pages/lezyne-radar-react-system-dein-sechster-sinn?srsltid=AfmBOood0te1wdZZbfIU0K0EcddmVl4lO0NZwvGe9iP_vu9rSgiQKqo7
        Nur die Rückleuchte, nicht das Frontlicht.
        Die Leuchte gibt es als STVO-Variante ohne Blinklicht und als RoW (Rest-of-World)-Variante mit Blinklicht.
        Hier ein Beispiellink: https://www.bike24.lu/de/p1969382.html?referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

  4. Den Berufskraftfahrer der städt. Gesellschaft, der blöd hupte, habe ich eben dieser Gesellschaft unter Angabe von Linie und Uhrzeit gemeldet. Als die noch rummopperten, habe ich das zur Anzeige weitergeleitet.

    1. Puh, wat mutt dat mutt.

  5. Ich habe es wieder bei mir angezeigt.

  6. Mich hat mal ein Polizeiwagen auf so einen Radweg schicken wollen, was ich natürlich nicht getan habe. Er wollte wohl, weil er wusste, dass er im Unrecht (er war alleine im Auto) sein würde, nichts weiter machen. Ich habe danach das Schild fotografiert und den Vorfall getwittert und einen riesen Shitstorm ausgelöst, weil unter dem Schild war auch noch ein Schild mit dem Hinweis „Schäden“ im Gehweg. Hupend vorbeifahren kenne ich zur Genüge. Ich lass mich aber nicht davon abhalten auf der Straße zu fahren, wenn ich darf, weil es einfach sicherer ist. 🙂

  7. Vielleicht sollten alle Verkehrsteilnehmer vom Fussgänger, Radfahrer sowie alle alle Autofahrer und Berufskraftfahrer aber eben auch deutsche Beamte in regelmäßigen Schulungen (z.B. alle 5 Jahre) einfach mal auf geänderte und neue Verkehrsregel geschult werden. um hier dann eben solche Sachverhalte allen näher zu bringenund damit Solche unschönen Streitgespräche zu verringern.

    Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, das ich selbst bei meinen Fahrten Rund um Lutterloh und Hermannbsurg kaum Probleme habe aber in der Stadt Celle teiweise ein angespanntes Klima zwischen Autofahrern und Raffahrern herrscht.

    Arne Wilhem

    1. Gute Idee ❣️

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