
Warum ich trotz 63 € das Deutschlandticket behalte – und warum es sich lohnt
63 € im Monat – und trotzdem ein Schnäppchen?
Ich sitze im RE1 Richtung Leverkusen, die Räder rattern über den Rhein, und mir geht eine Frage nicht aus dem Kopf: Ist das Deutschlandticket für 63 € pro Monat wirklich sein Geld wert? Ich nutze es seit Monaten – und ja, ich kriege den Preis raus. Aber lohnt es sich für alle? Und was sagt die Geschichte des Tickets eigentlich über die Zukunft des ÖPNV in Deutschland aus? Spoiler: Es ist kompliziert, aber faszinierend. 🚆✨
Die Geschichte des Deutschlandtickets: Vom 9-€-Hype zur 63-€-Realität
Es begann mit einem 9-€-Ticket – einem Sommer 2022, in dem die Bahnen überquollen, die Radmitnahme zum Glücksspiel wurde und ich selbst mit meinem Fahrrad von Kerpen-Horrem nach Bad Doberan unterwegs war. Damals wurde ich auf einem Teilstück sogar nicht mitgenommen, weil der Zug einfach voll war. Doch der Hype war ungebrochen: Drei Monate lang fuhren 10 Millionen Menschen mehr mit Bus und Bahn als sonst.
Nach dem Auslaufen des 9-€-Tickets folgte das 49-€-Ticket – zunächst als Nachfolgeangebot, dann als Deutschlandticket ab Mai 2023. Der Preis stieg: erst auf 49 €, dann auf 58 € (2025) und seit Januar 2026 auf 63 €. Doch der Erfolg blieb: Über 11 Millionen Abos wurden bis Anfang 2026 verkauft.
Die Auswirkungen: Mehr Fahrgäste, volle Züge – und eine Finanzierungsfrage
Das Deutschlandticket hat den ÖPNV in Deutschland revolutioniert:
- Verbreitung: Rund 10 % der Bevölkerung nutzen es regelmäßig.
- Auslastung: In Ballungsräumen wie Karlsruhe, München oder Berlin sind die Züge zu Stoßzeiten oft überfüllt. Ich selbst erlebte in Karlsruhe, wie ich nicht weiterkam, weil einfach kein Platz mehr war.
- Finanzierung: Die Kosten tragen Bund und Länder – 2,5 Mrd. € pro Jahr fließen in die Subvention. Doch die Frage bleibt: Reicht das, um den ÖPNV auszubauen?
Viele fordern jetzt eine weitere Verbilligung, etwa ein 365-€-Jahresicket. Doch in einigen Regionen wäre das ein Problem: Die Kapazitäten sind am Limit. Mehr Fahrgäste bedeuten mehr Züge – und die brauchen Zeit, Geld und Infrastruktur.
Europa im Vergleich: Gibt es das Ticket umsonst – oder sogar mit Kaufzwang?
Deutschland ist nicht allein mit seinem Flatrate-Modell. Ein Blick nach Europa zeigt:
Österreich – Das Klimaticket: Das Vorbild für viele. Es gilt im gesamten öffentlichen Verkehr (inkl. Fernverkehr der ÖBB und Westbahn).
- Preis: Kostet aktuell (Stand 2026) 1.400 € pro Jahr (ca. 116 €/Monat). Für junge Leute (U26), Senioren und Menschen mit Behinderung gibt es das Ticket für 975 € jährlich.
Frankreich – Pass Rail: Ursprünglich als Sommer-Aktion für junge Leute gestartet, wurde das Modell inzwischen ausgeweitet.
- Modell: Für junge Menschen unter 28 Jahren gibt es für 49 € monatlich unbegrenzte Fahrten im Nah- und Regionalverkehr (TER) sowie in den klassischen Intercités (ausgenommen TGV und Züge in der Region Paris).
Spanien – Tarjeta Única: Seit Anfang 2026 gibt es einen neuen nationalen Pass.
- Preis: 60 € pro Monat (30 € für U26). Er deckt Pendlerzüge (Cercanías), Regionalzüge und staatliche Buslinien ab.
Luxemburg: Seit 2020 ist der ÖPNV komplett kostenlos – finanziert durch Steuermittel. Die Folge: Die Nutzung stieg um 20 %, aber die Züge sind jetzt oft überlastet.
Zwangsmodelle? In Schweiz oder Niederlande gibt es keine Pflicht, aber: Wer ein Auto anmeldet, zahlt oft höhere Steuern – ein indirekter Anreiz für den ÖPNV.
Fazit: Kein Land hat ein perfektes System. Aber eines ist klar: Flatrates funktionieren – wenn die Infrastruktur mitwächst.
Rechnet sich das Deutschlandticket für mich? Ein konkreter Vergleich
Ich fahre viermal im Monat von Kerpen-Horrem nach Langenfeld und zurück. Ohne Deutschlandticket würde das im VRR-Tarif (Preisstufe B) so aussehen:
- Einzelfahrt hin und zurück: 7,80 € × 2 = 15,60 € pro Fahrt → 62,40 € im Monat.
- 4er-Ticket: 31,20 € für vier Fahrten → 62,40 € im Monat (da ich 8 Fahrten brauche).
→ Ohne Deutschlandticket: 62,40 € – mit Deutschlandticket: 63 €.
Fast gleichauf! Aber: Eine einzige längere Fahrt macht den Unterschied.
- Freiburg und zurück (ca. 400 km): Ohne Deutschlandticket ca. 120–150 € (je nach Buchung). Mit Deutschlandticket: 0 € extra.
Mein Fazit: Für mich lohnt es sich – vor allem wegen der Flexibilität. Seit ich mein Brompton-Faltrad dabei habe, bin ich noch unabhängiger. Kein Stress mit Fahrradtickets, keine Planungszwänge. Einfach einsteigen und los.
Und, für mich auch ganz wichtig: ich muss mich nicht darum kümmern, immer ein Ticket zu kaufen. Der Automat geht nicht, den Tarifdschungel verstehe ich nicht. Das alles hat mit dem Deutschlandticket auf dem Handy und dem Ausweis in der Tasche ein Ende.
Und manchmal habe ich sogar Zeit für einen Lurztrip in einem der Umstiegsorte:
Und was sagt ihr? Lohnt sich das Deutschlandticket für euch?
Ich behalte mein Ticket – trotz 63 €. Denn für mich ist es mehr als nur ein Fahrschein: Es ist Freiheit. Aber ich verstehe auch die Kritik: In vielen Regionen muss der ÖPNV erst noch wachsen, um mit der Nachfrage mitzuhalten.
Was sind eure Erfahrungen?
- Habt ihr das Deutschlandticket – und nutzt ihr es aus?
- Oder fahrt ihr lieber mit dem Rad? (Ich übrigens auch! 😉)
- Sollte es noch günstiger werden – oder erstmal mehr Züge geben?
Schreibt’s in die Kommentare! Und wenn ihr selbst eine coole ÖPNV-Geschichte habt: Teilt sie mit #ÖPNVErlebnis!

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