Take a ride on the wild side

Nachnutzung der Tagebaue: Verfüllung und Flutung im Rheinischen Revier

Ein grauer, asphaltierter Wirtschaftsweg schlingert flach durch grüne Rübenfelder und goldene Getreidefelder unter einem leicht bewölkten Himmel. Im Hintergrund ist eine Baumreihe mit fernen Windkraftanlagen zu sehen.

Das Fortunafeld im Test: Vom tiefen Loch zur Agrarlandschaft 🚲🌾

Bei meinen Touren in das nördliche Revier in Richtung Wiedenfelder Höhe nutze ich regelmäßig den Radweg entlang der K22n zwischen Oberaußem und Kenten. Die Trasse schneidet durch ein geschichtsträchtiges Areal: den ehemaligen Braunkohletagebau Fortuna.

Als wir vor über 30 Jahren in die Region zogen, war das Gelände von einer tiefen Grube geprägt. Die Großgeräte arbeiteten damals allerdings nur noch zur Verfüllung, die eigentliche Förderung der Kohle war bereits eingestellt. Ich erinnere mich an Ausflüge mit meinen Söhnen und Wanderungen direkt an der Tagebaukante. Die Entwicklung verlief ähnlich wie beim Tagebau Türnich, der nach seiner Auskohlung schrittweise verfüllt und als Marienfeld neu gestaltet wurde.

Exkurs: Der Wandel des Tagebaus Fortuna 🏗️🌍

Der Großtagebau Fortuna (später Fortuna-Garsdorf) zählte zu den prägenden Abbaufeldern im Rheinischen Revier. Der Hunger nach Braunkohle veränderte die Topographie radikal. Dem Baggerfortschritt fielen nicht nur Landschaften, sondern auch historische Baudenkmäler zum Opfer. Ein prominentes Beispiel ist das nahe Bergheim gelegene Kloster Bethlehem. Das im 15. Jahrhundert gegründete Kloster der Franziskaner-Terziarier wurde im Jahr 1964 für den fortschreitenden Tagebau vollständig abgerissen.

Nach der Einstellung der Kohleförderung im Jahr 1993 setzten die Verfüllung und Rekultivierung ein. Die erforderlichen Erdmassen wurden über eine kilometerlange Großbandstraße direkt aus dem Tagebau Hambach herangeführt. Nach dem Abschluss der Massenverlagerung wurde die Bandstraße demontiert. Die verbliebene Trasse bildet das Fundament des heutigen Fahrrad- und Freizeitwegs TerraNova Speedway (der ja mittlerweile für den Bau der Rheinwassertransportleitung für die Flutung des Tagebaus Hambach wieer gesprerrt ist).

Die Nachnutzung ausgekohlter Reviere folgt unterschiedlichen Konzepten:

  • Die vollständige Verfüllung: Kleinere oder weniger tiefe Felder wie Fortuna oder Türnich wurden komplett mit Abraum geschlossen. Heute dominieren dort landwirtschaftliche Nutzflächen und Naherholungsgebiete.
  • Die Restsee-Flutung: Bei extrem tiefen Gruben stößt die Verfüllung an technische und wirtschaftliche Grenzen. Hier bildet die kontrollierte Flutung die einzige Alternative. Im Rheinischen Revier fungiert der Blausteinsee bei Eschweiler als bekanntes Beispiel, während für Hambach und Garzweiler die Planungen laufen. Ein historisches Beispiel für gelungene Flutungen im Revier stellen zudem die Ville-Seen bei Brühl dar, die ebenfalls aus ehemaligen Braunkohlegruben entstanden sind.

Ein Blick nach Mitteldeutschland zeigt, wohin diese Entwicklung führt: In der Lausitz, im Grenzgebiet zwischen Brandenburg und Sachsen, wurde vor wenigen Wochen die Lausitzer Seenkette offiziell eröffnet. Dort entstand durch die Verbindung gefluteter Tagebaurestlöcher mittels schiffbarer Kanäle eine vollständig neue Wasserlandschaft.

Inspektion auf dem Fortunaweg 🧭🔍

Dass das rekultivierte Fortunafeld heute von einem Wegenetz durchzogen ist, war mir von früheren Fahrten bekannt. Am gestrigen Donnerstag habe ich mir die Zeit genommen, diese Wege gezielt abzufahren.

Ein großer Pluspunkt des Gebiets ist die Verkehrsfreiheit: Im Fortunafeld lassen sich viele Kilometer durch die Natur zurücklegen, ohne auf Autoverkehr zu stoßen. Lediglich ab und zu muss mit landwirtschaftlichem Nutzverkehr gerechnet werden, sodass man einem Traktor Platz machen muss.

Mein Fokus lag auf dem sogenannten Fortunaweg, der von der derzeit abgesperrten K22n nach Westen abzweigt. Dieser Abschnitt verfügt über eine Asphaltdecke. Ich folgte dem Weg über eineinhalb Kilometer nach Westen, bog anschließend nach Norden ab und schloss die Runde über einen Rundkurs zum Ausgangspunkt. Im südlichen Bereich wiederholte ich dieses Verfahren, um den landwirtschaftlich geprägten Mittelteil des Feldes zu dokumentieren. Ein kurzer Abstecher nach Osten zeigte schnell: Dieses Areal erfordert aufgrund seiner Weitläufigkeit eine separate Erkundungsfahrt.

Die Strecken abseits des zentralen Fortunawegs sind unbefestigt. Lediglich markante Kreuzungspunkte oder Steigungen weisen vereinzelt Asphaltreste auf. Der Untergrund präsentierte sich fest, war jedoch durch den schweren landwirtschaftlichen Nutzverkehr stark zerfurcht. Hier waren die Gravel-Eigenschaften des Brompton G Line gefordert. Das Fahrverhalten auf den tiefen Fahrspuren bestätigt bisher die Spezifikationen des Herstellers bezüglich der Geländetauglichkeit.

Ein Blick auf die digitale Karte verdeutlicht, dass im Fortunafeld noch zahlreiche unbefahrene Wegeabschnitte existieren. Das könnt Ihr meiner reich bebilderten Komoot Tour entnehmen:

Einige Wege habe ich kurz angesteuert, aufgrund der schlechten Oberflächenbeschaffenheit für diese Runde jedoch ausgelassen. Ob und wann ich diese Reststücke abfahre, entscheide ich spontan.

Kennt ihr die Radwege im Fortunafeld oder habt ihr den Tagebau noch als offenes Loch in Erinnerung?

Euer Axel! 🖐️⚙️

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