Take a ride on the wild side

The Torture Stops in 2 Days! – Von der Hagener Verkehrshölle ins flache Lippeniederungs-Idyll ⏳🎸

Schöner Brunnen in Lippstadt vor der Altstadt

Der Countdown tickt unbarmherzig und weckt feinste Vorfreude: The Torture Stops in 2 Days! Nur noch zwei Tage trennen mich vom Start der Zappanale in Bad Doberan. Um dorthin zu kommen, stand am Montag die zweite große Etappe auf dem Programm: Von Hagen nach Lippstadt. 90 Kilometer, die gegensätzlicher kaum hätten sein können – angefangen im reinsten Verkehrschaos bis hin zu traumhaften, flachen Bahntrassen.

Hagener Hölle und das Dach der Tour 📉🚧

Pünktlich um 9:00 Uhr ging es nach einem guten Frühstück im Hotel los. Mein offizieller Tourenstart war zehn Minuten später am Hagener Hauptbahnhof. Wer sich hier versorgen will, findet direkt am Bahnhof reichlich Auswahl – von Norma über Aldi bis Edeka. Das Vorwärtskommen in Hagen ist allerdings die reinste Hölle. Es ging direkt knackig bergauf, und zu allem Überfluss endet die Radinfrastruktur irgendwann komplett. Man teilt sich die Fahrbahn nur noch mit dichtem Auto- und Lastwagenverkehr. Nach etwa 5 Kilometern verlässt man Hagen zum Glück. Die großen Landstraßen danach bieten zwar meistens eine Radspur, aber auch hier wird es streckenweise gefährlich, wenn die Spur plötzlich im fließenden Verkehr endet. Hagen ist definitiv keine fahrradfreundliche Stadt!

Nach 14 Kilometern erreichte ich Schwerte. Die dortige Fußgängerzone wirkte auf mich eher trist – kein Ort, an dem man länger verweilen möchte. Also hieß es: Weiterfahren! Kurz hinter Schwerte bog ich auf einen Anstieg ab, der zwar ein steiles Teilstück bereithielt, sich aber ansonsten wunderschön fuhr. Belohnt wurde ich auf dem Hügel mit einer fantastischen, flachen Panoramastrecke. Von dort oben konnte ich bis fast nach Hagen zurück ins Tal schauen. Das war das „Dach“ der heutigen Tour nach etwa 23 Kilometern, direkt an der tollen Burganlage Haus Opherdicke in Holzwickede. Gastronomie gab es jetzt dort zwar nicht, aber die Aussicht war grandios. Danach ging es zweieinhalb Kilometer bergab, noch mal kurz hoch und schließlich hinunter nach Unna. Im Stadtteil Uelzen entdeckte ich sogar ein geöffnetes griechisches Restaurant – ein echter Glücksfall für einen Montag, an dem sonst fast alles Ruhetag hat!

Bahntrassen-Glück und ein zwingender Umweg 🌳🥖

Nach etwa 36 Kilometern und gut zwei Stunden reiner Fahrzeit legte ich in einem wunderschönen Waldstück meine erste längere Pause ein.

Bahnradweg Durch einen Wald hinter Unna

Der Radweg dort sieht aus wie eine alte Bahntrasse und fährt sich auch so. Nur wenige Minuten zuvor hatte ich im Ort noch eine historische Steinkohlelore als Denkmal an die harte Arbeit der Bergleute fotografiert – und plötzlich sitzt man in absoluter, gemütlicher Stille im Wald. Genau diese Kontraste machen das Ruhrgebiet aus!

Steinkohle Lore mit Aufschrift Glückauf

Allerdings waren meine Wasservorräte durch die Hitze von rund 30 Grad empfindlich geschrumpft. Auf der herrlichen Bahntrasse gab es jedoch keinerlei Verpflegungsmöglichkeiten. Nach knapp 20 Kilometern ohne Wasserstation musste ich kurz nach 13:00 Uhr von der Route abweichen und zwei Kilometer in die Ortschaft Welver hineinfahren. Der Umweg lohnt sich aber für jeden Tourenradler: Hier gibt es Edeka, Aldi und mehrere Bäckereien. Nach einem ausgiebigen Boxenstopp im Edeka-Café und frisch aufgefüllten Flaschen ging es mit besten Grüßen im Gepäck weiter. Über Herzfeld (Kilometer 75, hier gibt es auch einen Penny) rollte ich gut gelaunt dem Ziel entgegen. Die letzten 50 Kilometer bis nach Lippstadt waren ein Traum: Absolut flach, entweder auf feinen Bahnradwegen oder auf winzigen Sträßchen mit kaum Autoverkehr.

Ankunft im „Venedig Westfalens“ und per pedes durch die Altstadt ⚓🍨

Gegen 16:00 Uhr war es geschafft: Nach exakt 90 Kilometern und knapp 7 Stunden brutto erreichte ich Lippstadt. Bevor es ins Hotel ging, bog ich noch kurz in ein Einkaufszentrum ab.

Eis und Kaffee auf einem Tisch in einer Eisdiele in Lippstadt

Ein erfrischendes Fruchteis war jetzt genau der richtige Finisher-Snack, denn die schwüle Nachmittagshitze stand schwer in den Straßen.

Um 16:30 Uhr checkte ich im B&B Hotel Lippstadt ein, das ich erst morgens flexibel über Booking gebucht hatte. Alles lief prima: Mein Brompton #GSpot durfte wieder mit aufs Zimmer. Das absolute Luxusfeature im Vergleich zu gestern ist die Klimaanlage, die ich direkt auf erfrischende 20 Grad eingestellt habe. Beim Verlassen des Hotels liefen mir noch zwei Monteure aus Düren über den Weg – ein netter kleiner Plausch unter Rheinländern in der Fremde gehört einfach dazu!

Den frühen Abend nutzte ich für einen ausgiebigen Spaziergang durch die Einkaufsmeile und die historische Altstadt. Wenn ich den ganzen Tag im Sattel saß, bewege ich mich abends am liebsten per pedes. Man sieht einfach mehr, muss das Rad nicht ständig abschließen und gönnt dem Körper eine andere Bewegung. Lippstadt hat mich absolut begeistert.

Unterführung unter der Bahn zur Altstadt von Lippstadt, mit Wasserspielen, links und rechts

Eine wunderschöne Stadt! Das bestärkt mich total in dem Plan, meine feste Zubringerroute nach Berlin genau hier herfahren zu lassen.

Das Rathaus von Lippstadt

Fazit & Ausblick 🗺️🔮

Die Route von Hagen hierher steht im Großen und Ganzen. Den ersten Abschnitt rund um Hagen werde ich mir zu Hause noch mal genau anschauen und optimieren, um die hügeligen Bundesstraßen zu umgehen. Der restliche Teil ab Unna ist perfekt.

Während meines Abendspaziergangs zog es sich langsam zu und es gab sogar ein paar winzige, schwüle Regentropfen. Für die anstehende Etappe nach Bad Oeynhausen und auch für das Festival in Bad Doberan könnte es laut Vorhersage etwas feuchter werden. Aber mein Regenschutz liegt bereit, die Beine sind locker und ich freue mich riesig auf die nächsten Kilometer Richtung Norden, genauer gesagt, Bad Oeynhausen, dass heute mein Ziel ist.

Euer Axel! 🖐️⚙️

Kommentare

  1. Immer wieder lustig, von Hagen zu lesen. Da bin ich geboren und aufgewachsen, lebe aber seit über 30 Jahren nicht mehr dort. Trotzdem weiß ich genau, was Du meinst.

    1. Hagen ist so Licht und Schatten. Eigentlich gefällt es mir da ja ganz gut, es gibt einige sehr interessante Sachen zu sehen. Aber mit dem Rad ist es eine echte Herausforderung.

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