Take a ride on the wild side

Den Asphalt geküsst

#Unfall, #Finger, #Krankenhaus, #Bruch, #Verletzung,

Das ist mein gebrochener Finger. Mein Gesicht will ich euch hier lieber nicht zeigen.

Wie ist es nun dazu gekommen?

Schon die ganze Woche hatte ich eine 100 Kilometer Fahrt am Sonntag auf allen möglichen Medien und Social Media Kanälen angekündigt. Leider war die Reaktion eher verhalten und so stellte sich heraus Komma, dass Wolfgang und ich allein fahren würden. Eigentlich war der gedachte Startzeitpunkt 08:00 Uhr, aber wir verlegten ihn auf 08:30 Uhr, weil es um 08:00 Uhr noch dunkel war und wir nicht mit Licht fahren wollten. Um 08:30 Uhr ging es los. Ich hatte eine Route vorbereitet, die am Tagebau entlang, über den Speedway hinauf zu den Neurather Kraftwerken führen sollte. Und danach hinunter nach Vanikum.

Ursprünglich wollte ich den Ort einfach durchqueren. Da Wolfgang und ich aber alleine waren, entschloss ich mich dazu, im ersten Kreisverkehr nicht einfach geradeaus zu fahren, sondern nach links hinauf nach Sinsteden.

Je näher wir den Kraftwerken gekommen waren, desto feuchter waren die Straßen geworden. Zu Hause bei uns war es trocken, ich nehme an, dass die Dampfschwaden aus den Kühltürmen der Kraftwerke den Niederschlag gebildet hatten.

Und so geschah es dann. Im Feuchten, rutschigen Kreisverkehr rutschte mein Rad weg und ich stürzte nach vorne links. Ich konnte den Sturz einigermaßen gut abfangen, ich war ja nicht sehr schnell. Aber dennoch hatte ich eine Schramme über dem linken Auge und mein linker kleiner Finger sah merkwürdig aus. Tatsächlich war ich aber nicht auf den Kopf gefallen und auch nicht ohnmächtig geworden.

Ich rappelte mich auf und nach einer kurzen Ruhepause fuhren wir weiter, natürlich nicht den Berg hinauf, sondern den direkten Weg zurück nach Hause. Wolfgang fuhr vor und leitete mich, denn ich war nicht 100-prozentig fit. Nach ein paar Metern merkte ich eine Unwucht im vorderen Reifen und dachte, es sei ein Schlag. War es aber nicht, sondern der Reifen war platt. Auch das noch! Natürlich hatte ich einen Ersatzreifen dabei und wir wechselten den Schlauch. Naja, nicht wir, sondern Wolfgang. Er untersuchte auch dann den Mantel und fand tatsächlich einen Glassplitter darin. Das bekräftigte ihn in seiner Meinung, dass der Reifen nicht erst durch den Sturz oder danach platt geworden war, sondern bereits vorher. Ich bin mir sicher, dass der Reifen nicht ganz ohne Luft war, dennoch war das Fahrverhalten meines Rades im Kreisverkehr und beim Sturz sehr merkwürdig. Denn ich war definitiv nicht zu schnell und zu unvorsichtig in den Kreisverkehr hineingefahren. Schließlich war es mir ja klar, dass bei diesen Straßenverhältnissen Vorsicht geboten war.

Sei es wie es wolle, der Reifen war wieder heile und ich wieder einigermaßen fahrtüchtig, also ging es noch einmal auf eine 20 Kilometer Fahrt direkt nach Hause. Wolfgang und ich verabschiedeten uns und ich ging in unserer Wohnung, wo mich meine Frau verarzte und erst einmal in dicke Decken hüllte, weil ich zitterte wie Espenlaub. Sie ließ auch nicht locker darin, mich ins Krankenhaus zu schaffen. Also fuhren wir mit dem Taxi nach Bergheim ins Krankenhaus beziehungsweise in die Notaufnahme. Es war ja Sonntag und keine ärztliche Praxis hatte geöffnet.

In Bergheim direkt am Krankenhaus gibt es eine Notfallpraxis. Dort praktizieren eigentlich niedergelassene Ärzte Komma die eben Nacht- und Sonntagsdienste schieben müssen. Dort kam ich sofort dran, meine Frau durfte aber nicht mit in die Praxis. Der Arzt versorgte die Wunde an meinem Auge mit einem Klammerpflaster. Meinen Finger schaute er sich näher an, war aber der Ansicht, dass der geröntgt werden müsste. Da die Notfallpraxis aber nicht über ein Röntgengerät verfügt, über stellte er mich in die Notaufnahme des Maria-Hilf-Krankenhauses direkt nebenan. Ich ging aber zunächst einmal zu meiner Frau Komma die ein Café gefunden hatte, und erzählt hier von der weiteren Vorgehensweise. Ich schlug ihr vor, dass sie nach Hause fahren sollte, was sie dann auch tat. Ihre Fahrt nach Hause wäre eine eigene Geschichte wert, vielleicht erzähle ich sie auch demnächst einmal hier.

Ich ging zurück in die Notaufnahme und meldete mich an Punkt es war mittlerweile so kurz vor 15:00 Uhr und ich hatte noch keine so richtige Vorstellung, wie es weitergehen würde. Es ging auch nicht weiter. Ich saß unverrichteter Dinge und ohne irgendeine Kontaktaufnahme von irgendjemand im Krankenhaus bis abends gegen 19:00 Uhr in der Notaufnahme. Eine Dame war noch länger da, sie war schon um 12 Uhr angekommen. Kurz nach mir kam ein Ehepaar mit 2 kleinen Kindern, auch die warteten und warteten und warteten.

Zwischendurch kamen immer mal wieder Leute, zogen aber dann unverrichteter Dinge wieder ab, weil es ihnen zu lange dauerte. Ich verlor dann gegen 19:00 Uhr auch die Nerven, rief meine Frau an, dass ich nach Hause kommen würde und funkte Wolfgang an, der sich bereit erklärt hatte, mich mit dem Auto abzuholen. Ich verließ das Krankenhaus und sah während meiner Wartezeit auf Wolfgang, dass die Frau, die auch schon seit 12:00 Uhr gewartet hatte ebenfalls unverrichteter Dinge das Krankenhaus verließ. Wir waren unglaublich sauer. Sie hatte noch einmal nachgefragt und erfahren, das ist mindestens noch 2 Stunden dauern würde, bis sie an die Reihe käme. Dann warf sie auch das Handtuch.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das eine ordentliche ärztliche Versorgung sein soll. Klar, Wir hatten zwischenzeitlich immer wieder munkeln gehört, dass Notfälle hereingekommen waren und Operationen stattfinden mussten. Schlaganfälle, Herzinfarkte, Autounfälle. Ich gebe natürlich zu, dass hier eine unmittelbare medizinische Versorgung stattfinden muss. Dass aber bei den Leuten, die im Wartezimmer Platz genommen hatten, überhaupt nichts passiert, keinerlei Kontakt zu irgendjemandem im Krankenhaus nach der Anmeldung, ist für mich schon unglaublich. Auch dass wir ohne jegliche Versorgung mit Wasser oder Nahrungsmitteln so lange warten mussten (die entsprechenden Apparate auf dem Flur waren alle defekt) ist eine absolute Frechheit.

Gegen 20:00 Uhr war ich dann Wolfgang zu Hause, befriedigte meinen Hunger und Durst und schlief dann ohne Verzug in meinem Sessel vor dem Fernseher ein. Wachte nach etwa 2 Stunden auf und ging ins Bett. Und schlief die ganze Nacht wie ein Stein durch, nachdem ich vor dem Zubettgehen meine erste Schmerztablette während der ganzen Zeit genommen hatte (eine Ibuprofen 600). Es gab einen Plan für den nächsten Tag, aber davon später mehr.

#Unfall, #Finger, #Krankenhaus, #Bruch, #Verletzung,

Kommentare

  1. Das Gesundheitssystem wurde so kaputt gespart, so läuft das jetzt in jedem Krankenhaus. Aber länger als 4 Stunden mussten wir noch nie warten egal wo.

  2. […] muss sagen, dass mir mein Sturz vor Weihnachten und die damit verbundene Zwangspause an Radfahren echt Stirnrunzeln bereitet haben. Vier Stunden […]

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