
Mehr oder weniger gedankenlos habe ich die üblichen Ostergrüße in Bildform gegossen. Ein Bild, das kürzlich eine Blogger-Freundin gepostet hatte und das sie mir erlaubte, für meine Ostergrüße zu verwenden (ich hoffe, das schließt das hier ein), hatte Gemini mit dem Schriftzug „Frohe Ostern Euch allen“ versehen und mit meiner Unterschrift.
Doch es begann irgendwo in meinem Kopf zu pieksen, und warum, dazu ein paar Gedanken.
Es gibt dieses Jahr ja kaum einen Post oder einen Gruß zu Ostern, der nicht auf die instabile Weltlage hinweist, auf die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Was ich dabei noch nicht gelesen habe, ist, dass diese Kriege doch auch im Namen des (christlichen und jüdischen) Gottes geführt werden. Bei den Angreifern – Russland, USA und Israel – sind sicher religiöse Eiferer unter denen, die die Angriffe unterstützen oder die sogar an den Schaltstellen von Kriegsverwaltung und Militär sitzen bzw. dorthin gesetzt wurden. Ich will nicht sagen, dass die Kriege (nur) aus religiösen Motiven geführt werden, aber sicher auch. Ostern, das Fest des Friedens, korrumpiert. Dieses Jahr ist es ein Fest des Krieges. Und der liebe Gott mischt, wahrscheinlich sehr unfreiwillig, kräftig mit.
Uns würde das ja nicht anfechten. An in Trümmer gelegte Wohnhäuser, Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten etc. und pflichtbewusste Hinweise auf Tote und Verletzte haben wir uns ja spätestens seit dem Gaza-Krieg und der Berichterstattung darüber gewöhnt. Wenn da nicht die hohen Spritpreise wären! Da muss die Bundesregierung doch endlich was tun! DA muss sie endlich was tun. Nein, auf die kriegführenden Staaten Einfluss nehmen, die Kriege zu beenden, das muss sie nicht. Auch nicht selber der Kriegslogik abschwören, auch das nicht (im Gegenteil, wir rüsten auf, und wie!). Aber die Spritpreise – da sind wir mitten im Krieg.
Tatsächlich: Die Bundesregierung sollte gar nichts gegen die hohen Spritpreise tun. NICHTS. (Auch kein Tempolimit, denn schließlich könnten wir ja von uns aus langsamer fahren, um Sprit und damit Geld zu sparen). Kriege sind nun mal teuer und unnütz. Das sollten wir alle verstehen, und wie geht das am besten: über den Geldbeutel. Dass es unseren wahren Gott – na ja, eher unseren Götzen –, das Auto, trifft, umso besser, weil spürbarer.
Aber keine Chance: Das Auto und „der Verbrenner“ fordern die Gerechtigkeit, die ihnen von Grünen und Radfahrern genommen wird, die immer und überall einen Krieg gegen Wolfsburg, Stuttgart, Ingolstadt und München vom Zaun brechen (zum Beispiel ja auch mit diesem Post!). Die Auto-Gerechtigkeit muss (und kann jetzt ja) wiederhergestellt werden, da sind sich politisch wohl die einig, die sonst nicht miteinander einig sein wollen. Auch nicht schön an Ostern.
Während die Spritpreise Deutschland in eine Art zumindest publizistischen Kriegszustand versetzen, tun dies die Schokoladenpreise eher nicht. Von Forderungen an die Bundesregierung, den Milka-Hasen billiger zu machen, habe ich jedenfalls noch nichts gehört. Und das sieht man ihm an, er ist richtig abgemagert. Ein wahres deutsches (?) Opfer der vielen Kriege. Schaut ihn Euch an, den armen Kerl. Ein Menetekel, und das an Ostern!



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