
Normalerweise finde ich es nicht so besonders spannend, immer nach den Teilnehmer*innenzahlen von Massenradfahrten zu fragen. Damit meine ich Critical Mass, Sternfahrten, Kidical Mass etc. Aber ich muss sagen, dass ich schon ab und zu einmal ein besonderes Erlebnis habe, inmitten wirklich vieler Gleichgesinnter zu sein.
Zum ersten Mal hatte ich das bei einer Critical Mass Köln, ich weiß nicht mehr genau wann, aber es muss in einem Sommer vor Corona gewesen sein, als wir deutlich über 1.000 Radlerinnen und Radler waren, die sich durch die engen Straßen der Domstadt bewegten.
Und in besonderer Weise hatte ich es am letzten Sonntag in München bzw. schon auf dem Zubringer von Fürstenfeldbruck aus nach München selber. Es war ein ständig wachsender Strom, an fast jeder Ecke und Kreuzung warteten schon Menschen und schlossen sich an. Es wurden immer mehr und dann verstopften wir die Straßen der bayerischen Hauptstadt so, dass wir immer wieder wirklich im Stau standen. In einem Fahrrad Stau. Dennoch war die Stimmung immer entspannt und ich genoss die vielen Menschen, die zum Teil skurrilen Fahrräder und die Gespräche, die immer wieder eines ergaben: wir fahren Rad! Zum Spaß, für die Gesundheit und vor allem für die Verkehrswende. Wir wollen Auto nicht mehr. Vor allem nicht mehr in der Stadt.
Solche Massenfahrten machen das sehr sichtbar. Denn ansonsten sind Radfahrerinnen und Radfahrer ja eher unsichtbar und vor allem unhörbar, im Gegensatz zu den Blechbüchsen. Deswegen fallen Räder weniger auf und es entsteht der Eindruck, es wären keine unterwegs.
Das stimmt aber nicht, denn ich habe mittlerweile auch das Gefühl, auf meinem Weg zur Arbeit Teil von vielen zu sein. Besonders auf dem Stück zwischen meinem Wohnort und dem nächsten Ort, auf den fünf Kilometern zwischen Horrem und Frechen Königsdorf, sind in manchen Zeitabschnitten mehr Räder unterwegs als Autos. Es wurden über die letzten Jahre immer mehr, und während ich immer alle vom Sehen kannte, denen ich begegnete, ist das in den letzten beiden Jahren nicht mehr so. Denen, die ich kenne, begegne ich natürlich immer noch, aber es kommen immer wieder neue dazu, die die Strecke mit dem Rad bewältigen. Es werden wirklich immer mehr, wir werden viele!
Den meisten sehe ich an, dass der Virus sie gepackt hat. Sie werden nicht mehr aufhören, Rad zu fahren. Sie genießen das Fahren an der frischen Luft, den kurzen genickten, verständigen Gruß der Entgegenkommenden. Sie werden sich nicht mehr in eine Blechbüchse zwängen auf ihren Wegen.
Wir sind viele. Und werden immer mehr. Ich bin zuversichtlich.
Und fiebere gespannt der Sternfahrt Berlin entgegen, zu der ich nächste Woche auf einem Zubringer von Hannover aus (!) fahren werde. Vielleicht wird es ja das überwältigendste Gefühl werden, unter vielen zu sein!
Ich werde berichten.
Und hier noch mal meine Berichte von der Sternfahrt München:
Der Link zum Fotoalbum: https://photos.app.goo.gl/nxjK6x7orUv6K5nKA
Die komoot-Tour ab Fürstenfeldbruck: https://www.komoot.com/de-de/tour/2253482232?share_token=aK1Xkx1zw6IEolcOyllANKigWyYg8PEw7Qi0va4FwvtPnAclcU&ref=wtd

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