
Sonntag ging es zurück aus dem Saarland ins Rheinland. Meine etwas philosophischeren Gedanken dazu habe ich ja diese Woche hier schon zum Besten gegeben. Heute soll es etwas handfester um die Fahrt selber gehen.
Der Start war in St. Wendel mit der Bahn. Das Bahnunternehmen VLEXX bietet hier u.a. einen Regionalexpress an, der, wenn ich es richtig verstanden habe, zwischen Saarbrücken und Frankfurt am Main verkehrt. Mein Ziel war Bad Kreuznach, von wo ich ja auf der Hinfahrt mit dem Rad nach St. Wendel gefahren war. Der Zug war schon erstaunlich voll, auch das Fahrradabteil war schon, allerdings nur mit einem Rad, belegt, als ich einstieg. Im Laufe der Fahrt wurde es immer voller und irgendwann gab der Zugführer wohl an seine Zentrale durch, dass ab dem nächsten Bahnhof keine Räder mehr mitgenommen werden können. Da war das „Multifunktionsabteil“ auch schon rappelvoll. Egal, ich war ja drin und die Enge machte es möglich, ein wenig mit dem Mitreisenden zu quatschen. So erfuhr ich von der höchsten Steilwand nördlich der Alpen kurz vor Bad Münster am Stein. Und davon, dass ich, wenn ich Glück hätte, an der Nahemündung erleben könne, wie sich Wasser zweier Farben mischen.
Ich sollte Glück haben. Die Nahe fließt in Bingen in den Rhein und tatsächlich mischte sich dort das eher braune Wasser der Nahe mit dem etwas klareren Wasser des Rheins deutlich sichtbar. Die Mündung hatte ich nach etwa gut 20 Kilometer Fahrt auf der nordöstlichen Relation des Naheradwegs erreicht. Das Stück von Bad Kreuznach nach Bingen ist schön und empfehlenswert. Kann man richtig gut fahren und die Nahemündung mit Blick auf den Mäuseturm, den gewaltigen Strom Rhein und die Weinberge drum herum ist krass schön.
Das Schöne sollte dann zunehmend ein Ende haben, denn weiter ging es auf dem Rheinradweg oder besser gesagt dem EUROVELO 15, dem EV15. Ich fuhr, wie von Komoot vorgegeben, linksrheinisch den Fluss hinunter. Und das war, vorsichtig gesagt, nicht schön. Die zugegeben atemberaubende Landschaft wird durch die miserable Qualität des Radweges entwertet, ebenso die Würde des Flusses. Der Radweg ist oft schmal, uneben, mit Schlaglöchern und Asphaltaufbrüchen übersät. Es gibt auch ordentliche Abschnitte. Bis St. Goar geht es einigermaßen. Danach geht es Kilometer weit direkt an der Bundesstraße entlang, das ist wirklich nicht schön. Kurz vor Koblenz kann man zwar an der Rhenus Quelle noch einmal Wasser kostenlos nachtanken, danach kommt aber schon bald ein Stück Radweg, das „wassergebunden“, na ja, eigentlich „wasserungebunden“ ist, denn auf feinem, zwar fest gedrücktem, Sand standen Pfützen. Das Ganze war so lose, dass der feine Sand sich trotz Schutzblechen auf meinem Rad, meinem Körper und allem, was ich dabeihatte, verteilte. Der Schwarze Bulle wurde ein weißer Bulle. Und dann ging es Koblenz hinein auch noch über eine wassergebundene Decke durch ein Wäldchen, was dem Zustand meines Rades auch nicht zuträglich war.
Echt jetzt, das geht gar nicht. Gar nicht. Das wird der Bedeutung dieser europaweiten Radverbindung nicht gerecht, geschweige denn dem Fluss oder den wunderschönen Örtchen, an denen man vorbeifährt. Ich habe nur wenige Radreisende gesehen auf den immerhin 60 Kilometern am Rhein entlang, kein Wunder.
Wie könnte man ansonsten das wunderbare Flair des Rheins, seiner Orte und der unzähligen Burgen, Türme und Mauern genießen. In den Orten, auf den Hügeln, mitten im Fluss. Das ist schon einzigartig. Und wunderschön. Unschlagbar beeindruckend die Loreley bei St. Goar. Das Selfie mit ihr muss natürlich diesen Artikel schmücken.
Und hier noch die reich bebilderte Komoot Tour:
Ich war am Ende froh, in Koblenz angekommen zu sein und in einen verspäteten Regio in Richtung Köln einsteigen zu können. Auch in Köln fand ich schnell einen Anschluss nach Horrem und traf dort sogar einen Bekannten, mit dem ich mich die Fahrt über unterhielt.
Auch das war kennzeichnend für die Fahrten nach und in St. Wendel und zurück: überall traf ich Menschen, mit denen ich ins Gespräch kam und mich gut unterhielt.
Der Abschluss eines wunderschönen Wochenendes brachte dann Licht und Schatten, nein, eigentlich Regen und Sonne. Gehörte aber mit dazu.
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Hier noch einmal die Beiträge zum Wochenende im Saarland:

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