Take a ride on the wild side

Wenn Komoot zur Wundertüte wird

Fahrt über den Ilmenau Radweg durch den Wald

Zwei Tage, zwei Touren, jede Menge Eindrücke – und ein Brompton, das für neugierige Blicke sorgt. So begann mein Rad-Urlaub in der Lüneburger Heide.

Am Sonntag, direkt nach unserer Ankunft mit dem Bus, konnte ich natürlich nicht stillsitzen. Also rauf aufs Rad und los – ganz ohne Navigation. Ich hatte mir schon bei der Anfahrt einen Kanal gemerkt, der mich natürlich animiert hatte. Zwei Wege führten links und rechts daran entlang, und ich beschloss: Einfach mal sehen, wohin der Kanal mich trägt.

Mein Plan: 20 Kilometer nach Norden, dann wieder zurück. Klingt simpel – und war es auch. Na ja, fast. Denn der Serviceweg am Kanal ist alles andere als ein glatter Asphalt-Teppich. Eher eine doch eher holprige Landpartie mit zwei unbefestigten Spuren und gelegentlich den Früchten der Bäume, die sich gern mitten auf die Spur legen. Ich fuhr auf der wassernahen Spur, die sich wie die erste Reihe am Strand anfühlt – nur ohne Liegestuhl, dafür mit Schlaglöchern.

Dafür gab es Schiffe, kleine Boote und die meditative Ruhe eines Kanals. Nach 20 Kilometern war dann allerdings Schluss: Ein massives, schmiedeeisernes Gitter versperrte mir den Weg. Werftgelände – Ende der Durchfahrt. Also umdrehen, Brücke nehmen, andere Seite ausprobieren. Dort war der Radweg besser ausgebaut, und trotz heftigem Gegenwind kam ich flotter voran. Am Ende standen etwas über 40 Kilometer auf dem Tacho – und das Gefühl: ein wunderbarer Auftakt!

Die Komoot Tour dazu gibt es hier:

https://www.komoot.com/de-DE/tour/2542765125?ref=itd

Montag, der erste richtige Urlaubstag, führte mich nach Lüneburg. Diesmal mit Komoot-Tour im Gepäck. Die Route sollte zunächst ebenfalls am Kanal entlangführen, etwa 18 Kilometer lang. Und tatsächlich: ein vertrauter Abschnitt, auch ein asphaltiertes Stück, an denen Schiffe anlegen können. Kleine Empfehlung am Rande: Ich würde beim nächsten Mal die erste Brücke in Bad Bevensen bevorzugen – deutlich angenehmere Zuwegung zum Radweg.

Nach den 18 Kanal-Kilometern ging es weiter entlang der K4, und schließlich tauchte ich ein in Lüneburgs Stadtkern. Was für ein Anblick! Backstein-Patrizierhäuser, verwinkelte Straßen, Hansestadtflair pur. Ich fuhr ein wenig kreuz und quer, hielt oft an, machte Fotos, filmte mit der 360-Grad-Kamera. Und gönnte mir auf dem großen Marktplatz eine kleine Stärkung mit Kaffee – ein Muss, wenn man schon dort ist.

Picsart Collage von Lüneburg

Auf der Rückfahrt allerdings wartete die Überraschung. Komoot schickte mich auf ein Stück Strecke, das man wohlwollend als „naturbelassen“ bezeichnen könnte. Zwischen Deutsch Ewer und einer Bahnlinie wurde der Weg plötzlich zum Waldabenteuer: Wurzeln, tiefe Rillen, schmale Trails, stellenweise sogar Grasdecke. Kurz dachte ich: „Mit einem Hollandrad wär’s das jetzt gewesen.“ Mein Brompton hingegen schnurrte tapfer durch – aber mit Spaß hatte das Ganze wenig zu tun.

Landschaftlich? Sicherlich reizvoll. Praktisch? Eher nicht. Ich hatte kaum einen Blick für die Ilmenau, die mich begleitete und die dem angeblichen Radweg seinen Namen gibt– zu sehr war ich mit dem Überleben auf dem Trail beschäftigt. Erst kurz vor Bad Bevensen tauchte der Fluss noch einmal auf. Insgesamt wurden es über 56 Kilometer, gefahren in knapp vier Stunden. Die Tour war ein Komoot-Vorschlag, zwar als „mittelschwer“ gekennzeichnet, sollte aber über befestigte Wege führen und kein besonderes Können benötigen. Das stimmt definitiv nicht!

Die Tour gibt es hier:

https://www.komoot.com/de-DE/tour/2544318651?ref=itd

Mein Fazit: Eine tolle Hinfahrt, eine ziemlich gruselige Rückfahrt – und die klare Lehre, dass ich künftig Komoot-Touren nicht blind vertrauen werde. Ein bisschen genauer hinschauen, welche Wege und Beläge mich erwarten, kann nicht schaden. Denn ehrlich: Radfahren soll Genuss sein – nicht ein unfreiwilliger Mountainbike-Kurs.

Kommentar

  1. […] Wenn Komoot zur Wundertüte wird Zwischen Schiffen und Stille: Radfahren am Kanal Was sich in Deutschland so auf dem Wasser abspielt Zwischen Kette und Kanal – Begegnungen am und auf dem Wasser Lüneburg – Salz, Backstein und eine Stadt voller Geschichten Mit dem Rad durch Lüneburg – zwischen Backstein und Ilmenau Uelzen: Hundertwasser fürs Auge, Schiffshebewerk fürs Staunen, Radwege fürs Herz Critical-Mass-Lächeln und Wasserturm Gänsehaut Von Königsgräbern, Kohlerauch und Kopfsteinpflaster Zwischen Heide, Hebewerken und Hotelbuffet Mit dem Rad um die Zeit herum – mein Morgen in Bad Bevensen […]

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Warum ich Rad fahre

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen