
Oh je, ich fürchte, das wird ein ziemlich langer und in gewisser Weise auch nerdiger Beitrag heute. 🤓
Aber ich glaube, das muss sein, denn das, worüber ich heute schreibe, ist wirklich relevant und wichtig. Denn es geht um nicht weniger und mehr als unsere Lebensgrundlagen und die Bedrohung durch den Klimawandel, na ja, eigentlich durch das Versagen unserer Regierung beim Einhalten der Klimaziele. 🛑
Die sind dokumentiert im jüngsten „Prüfbericht zur Berechnung der deutschen Treibhausgasemissionen für das Jahr 2025 und zu den Projektionsdaten 2026“ des Expertenrats für Klimafragen. Und dort insbesondere auch in den Aussagen zum Verkehrssektor, der mich als Radfahrer und Aktivist besonders interessiert. 📊 Die Kernaussagen des Berichts habe ich im Dokumentationsteil dieses Beitrages weiter unten zusammengestellt.
Es wird klar: Es ist Schluss mit lustig. ⚠️ Mobilität auf der Grundlage von Fahrzeugen mit Verbrennermotor muss ein Ende haben. Es muss eine Verkehrswende stattfinden hin zu Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad. 🚲 🚇 Der Verkehrssektor braucht einen Systemwechsel – nicht nur Technologie, sondern auch Verhaltensänderung. Dass das geht, könnt ihr fast jeden Tag hier in diesem Blog lesen.
Dazu passte am Mittwochabend der Besuch des Geschäftsführers der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, im Soziokulturellen Zentrum in Kerpen-Horrem. 🏛️ Es war ein großartiger Abend, denn Jürgen Resch machte an vielen Beispielen klar, dass es (im Fall der Deutschen Umwelthilfe vor allem juristische) Erfolge im Kampf um den nachhaltigen Erhalt der Lebensgrundlagen gibt. ⚖️ Mehr zur Deutschen Umwelthilfe gibt es hier im Dokumentationsteil.
Jürgen Resch leitet die Deutsche Umwelthilfe seit 1988 als Bundesgeschäftsführer mit unnachgiebiger Energie und enormer juristischer Konsequenz. Der streitbare Umweltaktivist gilt in der Automobilbranche und der fossilen Lobby als gefürchteter Gegner, da er Verbraucherrechte kompromisslos vor Gericht durchsetzt. Mehr zur Deutschen Umwelthilfe ebenfalls im Dokumentationsteil dieses Beitrages unten. 📁
In seinem neuen Buch „Druck machen“ erläutert er erfolgreiche Vorgehensweisen in verschiedenen Handlungsfeldern, die er auch im SKZ vorstellte: 📖
- Klagen
- Hitzeschutz in den Städten
- Saubere Luft
- Klimaschutz und Verkehr
- Verbot von Pestiziden
- Einsatz für eine Steuer auf Einwegverpackungen
- Bürgerschaftliches Engagement
Im verkehrspolitischen Teil in seinem Vortrag hob er vor allem die Bedeutung allgemeiner Tempolimits von 100 auf Autobahnen, 80 auf Landstraßen und 30 innerorts hervor.
Das Soziokulturelle Zentrum in Horrem ist dafür eine sehr schöne Kulisse. Es ist ein Zweckbau mit einem großen Vortragsraum und mehreren kleineren Räumen zum Tagen und Konferieren. In ihm finden viele Veranstaltungen unterschiedlicher Veranstalter statt.

Es ist nicht weit vom Bahnhof entfernt und damit auch gut mit der Bahn und zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen. 🗺️ Bei der Veranstaltung gestern, die sehr gut besucht war, waren auch viele Menschen mit dem Rad gekommen. 🚴♂️🚴♀️Ich natürlich auch, ich gehe ja schließlich nie ohne mein Brompton aus dem Haus.

Ein total inspirierender Abend mit der Erkenntnis für mich: Jetzt sind wir alle gefragt! 🫵 Dieser Abend mit Jürgen Resch war für mich total inspirierend. Und der Expertenrat war eindeutig. Meine ganz persönliche Erkenntnis steht felsenfest: Wir dürfen uns nicht auf müden Versprechungen ausruhen – wir müssen selbst aktiv Druck machen und diesen Druck auch dauerhaft aufrecht erhalten! Nur so bringen wir die blockierte Verkehrswende endlich ins Rollen.
Wie sieht das bei euch aus? Wo macht ihr im Alltag schon Druck für bessere Radwege, oder wo frustriert euch das Zögern der Politik am meisten? Schreibt es mir unbedingt unten in die Kommentare – lasst uns gemeinsam laut werden! ⬇️🚴♂️
Dokumentation:
🚴♂️ Fakten-Check: Der Klima-Prüfbericht im Detail (Fokus Verkehr & 5 Tabellen)
Hier findet ihr die detaillierte Dokumentation zum Prüfbericht des Expertenrats für Klimafragen (vom 15.05.2026). Perfekt aufbereitet zum Nachschlagen, Argumentieren und Weiterverbreiten!
Der Prüfbericht im Fokus
Der Expertenrat für Klimafragen hat den neuen Prüfbericht für 2025 und die Projektionen bis 2030 vorgelegt. Als euer Fahrrad-Buddy habe ich mich für euch durch den dicken Daten-Dschungel gekämpft. Der Bericht prüft ganz genau, ob Deutschland seine gesteckten Klimaziele wirklich erreicht. Die unabhängigen Klima-Expert*innen sparen dabei absolut nicht mit deutlicher Kritik an der aktuellen Politik.
Das große Gesamtziel für das Jahr 2030 wird laut den aktuellen Berechnungen knapp eingehalten. Die erlaubte Gesamtmenge an Treibhausgasen wird im Zeitraum von 2021 bis 2030 rechnerisch unterschritten. Das klingt im ersten Moment super, ist aber leider nur die halbe Wahrheit. Zwei Sektoren verfehlen ihre Vorgaben nämlich weiterhin meilenweit und reißen riesige Lücken auf. Nur massive Übererfüllungen in anderen Bereichen retten der Bundesregierung vorerst den Kopf.
Blicken wir direkt auf das größte Sorgenkind von uns Radfahrer*innen: den Verkehrssektor. Hier werden die Klimaziele bis 2030 wieder einmal krass und ohne Überraschung verfehlt. Trotz hoher Spritpreise steigen die Emissionen auf unseren Straßen munter weiter an. Der erhoffte Boom von Elektroautos kommt viel zu langsam in Fahrt. Ihr alle merkt auf euren Touren täglich, dass die echte Verkehrswende blockiert wird. Es fehlen mutige Reformen, sichere Radwege und ein echter Ausbau der Bahn.
Auch der Gebäudesektor reißt die gesetzlichen Klimaziele im laufenden Jahrzehnt deutlich. Die Sanierungsrate von alten Häusern ist viel zu niedrig für echten Klimaschutz. Der Austausch von alten fossilen Heizungen gegen moderne Wärmepumpen stockt gewaltig. Dagegen glänzt die Energiewirtschaft mit starken CO2-Einsparungen durch den Ausbau von Windkraft. Auch die Industrie spart Emissionen ein, was allerdings primär an der schwachen Konjunktur liegt.
Die Bundesregierung hat im März ein neues Klimaschutzprogramm für eine schnelle Nachsteuerung beschlossen. Der Expertenrat kritisierte dieses Paket jedoch als unstrukturiert und reine Stückwerk-Politik. Es fehlt ein großes, logisches Gesamtkonzept für eine dauerhafte und verlässliche Klimaneutralität. Die geplanten Maßnahmen reichen hinten und vorne nicht aus, um die Lücken vollständig zu schließen. Ohne echte und spürbare Veränderungen drohen uns nach 2030 massive Zielverfehlungen.
Der Blick auf das Jahr 2045 zeigt ein echtes Drama für den Klimaschutz. Das gesetzliche Ziel der vollständigen Treibhausgasneutralität wird Deutschland so krass verfehlen. Wir müssen jetzt den Druck auf die Politik deutlich und gemeinsam erhöhen. Mehr Radverkehr schützt das Klima sofort und bringt uns allen riesigen Spaß. Schnappt euch also euer Fahrrad und werdet selbst aktiver Teil der echten Verkehrswende!
Deep Dive: Die Schieflage im Verkehrssektor
Der Blick auf die nackten Zahlen des Expertenrats zeigt das ganze Drama auf unseren Straßen ungeschminkt. Im Jahr 2025 verfehlte der Verkehrssektor die gesetzlichen Vorgaben erneut um Längen und bleibt das absolute Schlusslicht. Die kumulierte Emissionslücke summiert sich bis zum Jahr 2030 auf einen gigantischen Berg von Treibhausgasen. Hauptgrund für dieses Debakel ist die unverändert hohe Fahrleistung im PKW-Bereich und beim schweren Straßengüterverkehr. Die Emissionen sinken nicht etwa durch smarte Politik, sondern verharren trotz teurem Sprit auf einem erschreckend hohen Niveau.
Gleichzeitig hinkt der dringend benötigte Hochlauf der reinen Elektromobilität den ursprünglichen Plänen der Bundesregierung meilenweit hinterher. Die Kaufprämien wurden bekanntlich gestrichen, was den Markt für bezahlbare E-Autos komplett einbrechen ließ. Ohne bezahlbare Fahrzeuge steigen die Menschen auf ihren täglichen Wegen aber einfach nicht freiwillig um. Auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur geht es auf dem Land viel zu schleppend voran.
Dazu kommt ein fast schon sträflicher Sanierungsstau bei der Schieneninfrastruktur der Deutschen Bahn. Pünktliche Züge für eine echte, intermodale Reisekette sucht man im Alltag leider viel zu oft vergeblich. Der Expertenrat bemängelt zudem, dass im neuen Klimaschutzprogramm 2026 wirksame Instrumente wie eine Reform der Dienstwagenbesteuerung fehlen. Auch ein konsequenter Abbau klimaschädlicher Subventionen wird von den Verantwortlichen in Berlin weiterhin blockiert. Uns Radfahrer*innen zeigt das ganz deutlich: Ohne massiven Druck von der Straße wird sich so schnell gar nichts ändern.
Der Bericht in 5 Tabellen
Tabelle 1: Sektor-Check 2021–2030 (Zielerreichung im Gesamtbudget)
| Sektor nach KSG | Status im Budget (2021–2030) | Rechnerischer Beitrag zum Gesamtbudget |
|---|---|---|
| Energiewirtschaft | Ziel erreicht (Starke Übererfüllung) | -187 Mt CO₂-Äq. (Entlastung) |
| Industrie | Ziel erreicht (Durch Krise & Transformation) | -85 Mt CO₂-Äq. (Entlastung) |
| Gebäude | Ziel verfehlt (Sanierungsstau) | Riesige Zielerreichungslücke |
| Verkehr (Unser Sorgenkind) | Ziel krass verfehlt (Klimaschutz-Loch) | Massive Zielerreichungslücke |
| GESAMT (ohne LULUCF) | Knapp eingehalten (Rechnerischer Ausgleich) | Unter dem Strich knapp im grünen Bereich |
Tabelle 2: Die größten Unsicherheiten in der Emissionsschätzung
| Sektor | Vorläufige THG-Emissionen 2025 | Unsicherheit der Aktivitätsdaten / Faktoren | Gesamte Unsicherheit (in Millionen Tonnen) |
|---|---|---|---|
| Energiewirtschaft | ~ 189 Mt CO₂-Äq. | Aktivität: ± 2,2 % | Faktoren: ± 2,0 % | ± 5,6 Mt CO₂-Äq. |
| Verkehr & Gebäude | Stark risikobehaftet | Hohe Dynamik durch unklare Verbräuche/Sanierungen | Werte weisen hohe ex-ante Schwankungen auf |
Tabelle 3: Kritikpunkte am neuen Klimaschutzprogramm 2026
| Bereich | Maßnahme der Regierung | Kritik des Expertenrats | Auswirkung auf die Verkehrswende |
|---|---|---|---|
| Struktur | Schnelle Nachsteuerung im März | Unstrukturiert, reine „Stückwerk-Politik“ | Kein roter Faden für nachhaltige Mobilität |
| Ganzheitlichkeit | Einzelne Förderungen | Keine Berücksichtigung von Rats-Empfehlungen | Potenzial von Radverkehr wird ignoriert |
| Langfristigkeit | Fokus liegt rein auf 2030 | Ignoriert das Desaster für die Jahre nach 2030 | Gefahr von teuren EU-Strafzahlungen ab 2031 |
Tabelle 4: Die Lücke im Verkehrssektor bis 2030 (Projektionsdaten im Detail)
| Indikator im Verkehr | Zielwert laut Gesetz (Projektion) | Realer Trend / Erwarteter Wert | Die Konsequenz für das Klima |
|---|---|---|---|
| THG-Emissionen 2030 | Starke Absenkung gefordert | Deutliche Überschreitung der Jahresmengen | Massive Zielverfehlung |
| Kumulierte Sektorlücke | 0 Mt CO₂-Äq. (Punktlandung) | Dreistelliger Millionen-Tonnen-Berg | Ausgleich nur durch andere Sektoren nötig |
| Marktanteil E-Autos | Steile Wachstumskurve (15 Mio. bis 2030) | Stagnation im Neuzulassungs-Sektor | Flotte verjüngt sich viel zu langsam |
| Fahrleistung (PKW & LKW) | Rückgang / Verlagerung auf Schiene | Verbleib auf historisch hohem Niveau | CO₂-Ausstoß sinkt kaum |
Tabelle 5: Unzureichende Maßnahmen im Klimaschutzprogramm 2026 für den Verkehr
| Geplante Maßnahme | Erwarteter Effekt der Regierung | Kritik des Expertenrats (Die Realität) | Radblog-Fazit (Was wirklich fehlt) |
|---|---|---|---|
| Anpassung der LKW-Maut | Verlagerung auf die Schiene | Schienennetz ist überlastet und marode | Echter, kapazitiver Ausbau der Bahn |
| CO₂-Bepreisung (Sprit) | Lenkungswirkung durch Kosten | Geringer Effekt bei fehlenden Alternativen | Sicherer Radwegebau im ländlichen Raum |
| Förderung von Ladeboxen | Beschleunigung der E-Mobilität | Löst das Problem der Masse an PKW nicht | Vorfahrt für ÖPNV und leichte Mobilität |
| Besteuerung Dienstwagen | Fokus auf elektrische Flotten | Fehlanreize für schwere Plug-In-Hybride bleiben | Komplette Abschaffung des Privilegs |
Quelle: Prüfbericht des Expertenrats für Klimafragen gem. § 12 Abs. 1 KSG, übermittelt am 15.05.2026.
Deutsche Umwelthilfe
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist ein gemeinnütziger Umwelt- und Verbraucherschutzverband, der sich seit 1975 konsequent für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzt. Als politisch unabhängige Organisation scheut sie sich nicht, Missstände direkt anzuprangern und große Konzerne sowie die Bundesregierung in die Pflicht zu nehmen. Ihr wohl bekanntestes juristisches Werkzeug ist das Verbandsklagerecht, mit dem sie Umweltrecht vor deutschen Gerichten erfolgreich durchsetzt.
Ein historischer Meilenstein war das bahnbrechende Klimaschutz-Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 2021, das die DUH gemeinsam mit jungen Menschen gegen das unzureichende Klimaschutzgesetz der Regierung erstritt. Auch für saubere Luft in unseren Innenstädten hat der Verband Pionierarbeit geleistet, indem er über 40 Klagen für effektive Luftreinhaltepläne und notwendige Diesel-Fahrverbote gewann. Unvergessen bleibt zudem der unermüdliche Einsatz der DUH bei der Aufdeckung des globalen Diesel-Abgasskandals, bei dem sie illegale Abschalteinrichtungen der Autoindustrie ans Licht brachte.
Auf Initiative des Verbandes wurde in Deutschland zudem das erfolgreiche Einweg-Pfandsystem („Dosenpfand“) eingeführt, um die grassierende Ressourcenverschwendung einzudämmen. Bis heute kämpfen die Aktivist:innen vehement gegen klimaschädliche Subventionen, unnötigen Verpackungsmüll und das mutwillige Blockieren der Mobilitätswende. Für uns alle zeigt die Arbeit der DUH ganz deutlich, dass hartnäckiger juristischer Druck ein extrem mächtiger Hebel für echten Umweltschutz ist.


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