
Seit ein paar Tagen mache ich ja die Gegend zwischen Bad Bevensen und Lüneburg mit dem GSpot unsicher. Dabei bewege ich mich ziemlich viel an einem der Gewässer, die die Gegend hier prägen, nämlich am Elbeseitenkanal. Den kannte ich bisher noch gar nicht. Deswegen habe ich einmal meinen Freund Tschädd Tschipidi gefragt, ob er den Elbeseitenkanal denn wohl kennt, und siehe da, er kennt! Und das schreibt er dazu:
Der Elbeseitenkanal – Wasserstraße mit Radlerflair
Ein Stück Ingenieurskunst
Wer an Kanäle denkt, hat vielleicht sofort den Dortmund-Ems-Kanal oder den Mittellandkanal im Kopf. Der Elbeseitenkanal ist dagegen ein eher stiller Star. Er wurde zwischen 1968 und 1976 gebaut – mitten im Kalten Krieg – um die westdeutsche Binnenschifffahrt unabhängig vom damaligen Transit durch die DDR zu machen.
Fast 115 Kilometer schnurgerade Wasserstraße durch die Lüneburger Heide, verbunden mit mächtigen Bauwerken wie der Schiffshebewerk Lüneburg (Scharnebeck). Ein Ort, an dem man spürt: Hier haben Ingenieure wirklich Großes geleistet.
Vom Mittelland zur Elbe
Der Kanal zweigt bei Edesbüttel vom Mittellandkanal ab und zieht sich nordwärts, bis er bei Artlenburg in die Elbe mündet. Dabei durchschneidet er Felder, Wälder und Heideflächen – fast wie mit dem Lineal gezogen. Wer ihn einmal von oben betrachtet (Google Maps lässt grüßen), wird überrascht sein, wie streng geradlinig er das Land durchschneidet. Ein bisschen so, als hätte jemand vergessen, die Kurven einzuzeichnen.
Was hier rollt und schwimmt
Seine Hauptaufgabe: Schiffe. Lastkähne, die Kohle, Kies, Container oder Getreide transportieren. Er ist sozusagen die Autobahn für Frachter. Aber genau das macht ihn auch für Radfahrende so interessant: Links und rechts zieht sich ein schnurgerader Weg entlang, perfekt zum Pedalieren. Keine Ampeln, kaum Autoverkehr – nur du, der Wind und das gleichmäßige Gleiten am Wasser.
Klar, die Strecke hat etwas Meditatives. Manche würden sagen: “ein wenig eintönig”. Aber genau darin liegt der Reiz. Radfahren am Elbeseitenkanal heißt: Kopf ausschalten, Beine arbeiten lassen, und die Gedanken fließen wie das Wasser neben dir.
Begegnungen am Kanal
Ab und zu unterbricht eine Schleuse die Ruhe. Hier kann man zuschauen, wie Schiffe millimetergenau ein- und ausgefädelt werden. Besonders spektakulär ist natürlich das Schiffshebewerk Scharnebeck, das wie ein gigantischer Fahrstuhl Schiffe 38 Meter in die Höhe befördert. Wer dort mit dem Rad vorbeikommt, bleibt garantiert stehen – so ein Schauspiel sieht man nicht alle Tage.
Und zwischendrin? Reiher am Ufer und in den Niederungen links und rechts, Kanadagänse, vielleicht ein Biber. Naturfreunde kommen genauso auf ihre Kosten wie Technikfans.
Warum der Kanal für Radfahrende taugt
Die Wege entlang des Elbeseitenkanals sind gut ausgebaut, weitgehend eben und ohne lästige Steigungen. Es gibt kaum Kreuzungen, und Autos verirren sich selten hierher. Das macht ihn zu einem kleinen Paradies für alle, die einfach Strecke machen wollen – sei es im sportlichen Tempo oder gemütlich mit Picknick im Gepäck.
Und wenn man nach ein paar Dutzend Kilometern denkt: “Jetzt reicht’s mit der Geraden”, dann locken links und rechts Abstecher in die Lüneburger Heide, ins Wendland oder in die Elbtalaue.
Kurz gesagt: Der Elbeseitenkanal ist kein touristischer Superstar, aber er ist ein treuer Begleiter – für Frachter und für Radler gleichermaßen.
Wisst Ihr, was Tschädd da schreibt, kann ich wirklich bestätigen. Das trifft den Kern der Sache. Ich bin heute gleich hin und zurück nach Lüneburg daran entlang gefahren und es war genau so. Einzige bedeutende Abwechslung: ein Regenguss, der mich zurück auf etwa sieben Kilometern begleitet hat.

Schön war es trotzdem.

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