
Der gestrige Donnerstag stand ganz im Zeichen eines Ausflugs nach Uelzen.
Los ging es in Bad Bevensen, und wie könnte es anders sein: natürlich mit dem Rad. Der Elbe-Seitenkanal war mein treuer Begleiter, ein stiller, glitzernder Faden, der mich entspannt bis kurz vor die Stadt führte. Das letzte Stück rollte ich durch das Hafengelände und schließlich hinein ins Herz der Innenstadt.
Dort tat ich, was ich in neuen Orten besonders gern mache: planlos herumfahren.
Es ist erstaunlich, wie viele kleine Schätze sich so nebenbei entdecken lassen – hübsche Ecken, verwinkelte Straßen, und als Krönung ein prächtiger Wasserturm. Der wandert natürlich direkt in meine persönliche Wasserturmsammlung. Wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann mal ein Best-of?

Der Hundertwasserbahnhof
Doch der eigentliche Höhepunkt wartete noch: der Bahnhof. Dort sammelte ich nicht nur meine Frau, die bequem mit der Bahn nachkam, und eine Bekannte ein, sondern gleich auch eine große Portion Staunen. Denn der Uelzener Bahnhof ist ein Hundertwasserbahnhof – und das sieht man sofort.

Bunt, verspielt, mit eigenwilligen Formen: ein Bauwerk, das einem ein Lächeln ins Gesicht malt, sobald man davorsteht. Und innen geht es genauso weiter. Kleiner Tipp am Rande: Selbst wenn ihr nicht müsst, schaut euch unbedingt die Toiletten an. Sie sind fast schon ein Kunstwerk für sich.
Der Bahnhof trägt die unverwechselbare Handschrift Friedensreich Hundertwassers: ungerade Linien, farbenfrohe Kacheln, glitzernde Mosaike, Türme mit goldenen Kugeln und eine Architektur, die sich bewusst von jeder Geradlinigkeit verabschiedet. Wo andere Bahnhöfe nüchtern und zweckmäßig wirken, feiert dieser Ort das Unperfekte und macht die Reise selbst zum Erlebnis.
Es ist fast so, als würde der Bahnhof sagen: „Willkommen, hier darfst du staunen, bevor du überhaupt losfährst.“
Und genau das macht ihn so einzigartig: Er ist nicht einfach nur ein Ort zum Umsteigen, sondern ein Kunstwerk, in dem man sich gerne ein bisschen länger aufhält.
Wegweisersteine und Stadt
Von dort führt ein ganz eigener Weg ins Stadtzentrum: rund zwei Dutzend kunstvoll gestaltete Wegweisersteine weisen den Weg bis zur Kirche St. Marien. Jeder Stein trägt ein Motto – ich gestehe allerdings, dass ich zu bequem war, mir alle zu merken. Aber selbst ohne Motto machen sie Spaß, und man läuft oder fährt fast wie auf einer kleinen Schatzsuche durch die Stadt.

Und wenn man schon einmal in Uelzen ist, lohnt es sich, die Stadt ein wenig genauer anzuschauen.
Uelzen ist eine charmante Kreisstadt in der Lüneburger Heide mit rund 35.000 Einwohnern. Sie wirkt auf den ersten Blick beschaulich, hat aber einiges an Charakter: historische Fachwerkhäuser, kleine Gassen und Plätze, die zum Verweilen einladen. Besonders schön ist der Blick auf das Rathaus mit seiner markanten Fassade.
Dazu gibt es regelmäßig Märkte, bei denen die Region kulinarisch glänzt – vom Heidehonig bis zur herzhaften Mettwurst. Uelzen ist außerdem eine klassische Hansestadt, und dieses Erbe spürt man noch heute in der Architektur und im Selbstbewusstsein der Stadt. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, findet kleine Museen, grüne Oasen und jede Menge gemütliche Cafés, die einem das Radlerleben versüßen.
Kurzum: Uelzen ist vielleicht nicht groß, aber dafür umso liebenswerter – eine Stadt, die man schnell ins Herz schließen kann.
Technik zum Staunen
Nach so viel Kultur und Entdeckungen war mein Radlerherz allerdings noch nicht satt. Also schwang ich mich wieder in den Sattel und steuerte das Doppelschiffshebewerk Uelzen an, etwa acht Kilometer südlich am Kanal. Was soll ich sagen: beeindruckend! Diese riesige Anlage wirkt wie ein Kathedralenbauwerk für Schiffe. Und das Beste: Ich konnte sogar eine Schleusung live miterleben – ein Schauspiel, das Technik und Wasser perfekt in Szene setzt.

Das Doppelschiffshebewerk ist übrigens eines der größten seiner Art in ganz Europa. Zwei unabhängig voneinander arbeitende Tröge heben und senken die Schiffe hier um stolze 23 Meter – fast so hoch wie ein achtstöckiges Haus. Es ist nicht nur eine technische Meisterleistung, sondern auch ein kleines Spektakel, wenn die massigen Frachter scheinbar schwerelos nach oben gleiten. Ein Abstecher lohnt sich also unbedingt.
Ein kleiner Umweg durchs Abenteuer
Für den Rückweg entschied ich mich gegen den Kanal und für die Route quer über Land. Ein Fehler? Nun ja… Komoot lotste mich über eine offizielle Radweg-Strecke durch den Wald. Anfangs idyllisch, dann immer rumpeliger, und schließlich landete ich in einer halben Sandwüste.
Gut 500 Meter tiefster Sand, in dem kein Rad der Welt noch rollen kann. Also hieß es: schieben.

Und dabei ein bisschen über die „Radweg-Qualität“ staunen. Nach diesem unfreiwilligen Workout fand ich dann doch wieder Asphalt, nahm einen kleinen Umweg in Kauf, und rollte schließlich in Uelzen ein.
Ab da ließ ich Komoot im Rennrad-Modus entscheiden – und siehe da: nur noch wunderbar asphaltierte Strecken, wie gemalt zum Zurückgleiten nach Bad Bevensen.
Das sandige Abenteuerstück werde ich bei der Kreisverwaltung und auch in Komoot melden. Denn mal ehrlich: da kommt wirklich niemand vernünftig durch. Aber selbst dieses kleine Malheur konnte dem Tag nichts anhaben. Im Gegenteil: Es gehört irgendwie dazu, dass man unterwegs nicht nur Postkartenidylle erlebt, sondern auch mal ein Stück „Radfahrer-Realität“.
Fazit
Unterm Strich war es ein herrlicher Tag: Kunst, Wasser, Technik, ein Hauch von Abenteuer – und das alles auf zwei Rädern.
Wer Lust auf eine abwechslungsreiche Tour hat, sollte Uelzen unbedingt auf die Liste setzen. Am besten gleich mit dem Rad.

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