Take a ride on the wild side

Wo vier Wege sich kreuzen: Die Olbertzer Brücke und ihre Geschichten

Die Verkehrswege unter der Olbertzer Brücke

Ach du Schreck! Gestern und vorgestern war es hier auf dem Blog ja etwas ernster – zumindest hatte ich das Gefühl, Euch da draußen in der Radfahr-Community mit gewichtigeren Themen konfrontieren zu müssen. Aber wisst Ihr was? Genug geschmollt, genug in die Pedale getreten, um ernste Gedanken zu vertreiben! Heute schalte ich wieder einen Gang höher und bringe ein bisschen Sonnenschein (zumindest gedanklich!) auf Eure Bildschirme. 🚴‍♀️💨

Es geht heute um einen Ort auf meiner täglichen oder zumindest sehr häufigen Radstrecke, der für mich eine ganz besondere Bedeutung hat. Und ich wette, der/die eine oder andere Kenner*in des Rheinischen Reviers wird jetzt schon neugierig mit den Füßen wippen! 😉

Dieser Ort ist nicht nur, weil ich ihn schon so oft unter meinen Reifen hatte, ein emotionaler Ankerpunkt. Er ist vielmehr eine wichtige Verbindungsstelle für die Wege, die sich hier kreuzen und ausfransen. Quasi das Tor zum Westen, wenn Ihr so wollt.

Dazu kommen so viele Erinnerungen! An spontane Begegnungen, an Treffen, die genau dort stattfanden, oder an Verabredungen, die dort ihren Anfang nahmen. Ein echter Schmelztiegel der Radfahrer*innen-Seelen!

Und last, but not least: Die Stelle selbst ist einfach besonders. Warum das so ist? Das verrate ich Euch jetzt.

Die Olbertzer Brücke – Mein Knotenpunkt zum Glück

Der Name ist vielen Locals sicherlich sofort ein Begriff: die Olbertzer Brücke. 🌉 Ein Bauwerk, das auf den ersten Blick vielleicht nur funktional aussieht, aber für mich so viel mehr ist. Es ist mein persönlicher, befahrbarer Nexus des Rheinischen Reviers auf zwei Rädern.

Wo liegt dieses Wunderwerk der Radwege-Verbindung?

Die Olbertzer Brücke liegt unmittelbar am Rand von Kerpen-Buir. Und ihre Besonderheit ist ihre einzigartige Funktion als Vierfach-Kreuzungspunkt wichtiger Verkehrsadern:

  1. Die Hambachbahn (die werkseigene Güterzugstrecke von RWE Power).
  2. Die Bundesautobahn A4 (Köln–Aachen).
  3. Die reguläre Bahnlinie Köln–Aachen.
  4. Die S-Bahntrasse Köln–Düren.

Vier gigantische Verkehrsströme, die hier unter uns Radler*innen und Fußgänger*innen hinwegfließen.

UMAP der Olbertzer Brücke

Die Brücke selbst überspannt all dies in einer für Radfahrende sehr angenehmen und filigranen Weise. Sie ist kein schwerfälliger Koloss, sondern trotz ihrer Aufgabe, diese vier Trassen zu kreuzen, ein Bauwerk, das uns auf dem Rad mitten ins Geschehen versetzt, ohne uns zu erdrücken. Ein echter Bündelungspunkt der Verkehrswege, der allein schon durch seine Komplexität immer wieder beeindruckend ist, wenn ich ihn überquere.

Der Wandel der Heimat: Als A4 und Hambachbahn umzogen

Wenn Ihr an der Olbertzer Brücke steht oder fahrt, merkt Ihr sofort: Das ist alles neu. Und dahinter steckt eine Geschichte, die tief in der Heimat im Wandel verwurzelt ist. Denn sowohl die Hambachbahn als auch die A4 verlaufen hier nicht auf ihren historischen Trassen, sondern wurden im Zuge der Erweiterung des Tagebaus Hambach in den 2000er-Jahren verlegt.

Die Planungen dazu begannen schon in den 1990er-Jahren. Es war klar: Der Tagebau frisst sich nach Südosten vor und würde die alten Trassen verschlucken. Eine neue Linienführung musste her, die Autobahn und Bahnlinie weiter südlich, parallel zur bestehenden Strecke Köln–Aachen, bündelte.

Die alte Trasse und ihre Folgen für die Dörfer

Die alte A4-Trasse, oft heute als „Geisterautobahn“ oder Lost Place bezeichnet, verlief etwas nördlicher. Im Zuge der Neubauplanung musste aber nicht nur die A4 weichen, sondern auch die Hambachbahn, die Kohle von der Grube zu den Kraftwerken transportiert. Diese Neubündelung der Trassen war ein massiver Eingriff in die Landschaft und ins Leben der Menschen.

Besonders betroffen war der Ortsteil Geilrath bei Kerpen-Manheim (alt). Und natürlich Buir, das plötzlich zwischen den alten (Tagebau-Kante) und den neuen Verkehrsadern lag. Es gab Proteste gegen die Verlegung (Klagen von Bürgerinitiativen und Naturschutzverbänden wurden 2009 abgewiesen) – die Bürger*innen befürchteten Lärm, die Zerstörung von Wäldern und eine Abwertung ihrer Heimat. Ein Teilerfolg war immerhin die Auflage für Flüsterasphaltund eine quasi dauerhafte Geschwindigkeitsbegrenzung (Tempo 130) auf der A4.

Die neue, sechsspurige Autobahntrasse (ein Ausbau von vier auf sechs Spuren erfolgte im Zuge der Verlegung, was der Bund zahlte) wurde 2014 eingeweiht und verläuft nun gebündelt mit der Hambachbahn und der Bahnstrecke Köln–Aachen. Die Olbertzer Brücke wurde dabei als eines von 19 neuen Bauwerken errichtet, um diese neue Verkehrslinie zu überqueren und die lokalen Wege nicht zu kappen.

Ein Bauwerk mit Seele

Hier an der Olbertzer Brücke, die all diese Geschichten – meine persönlichen und die der Heimat im Wandel – in sich vereint, spürt man die Widersprüche des Reviers am deutlichsten. Ich kann die riesige neue Autobahn sehen, die Züge rasen hören und gleichzeitig auf einem entspannten Radweg meine Gedanken sortieren. Die Brücke ist für mich der Beweis: Auch im größten Wandel kann man seine eigene Spur finden. Auf meinen Wegen nach Westen, Richtung Düren, will ich sie auch gar nicht umfahren – sie gehört einfach dazu!

Ein Bauwerk, ein Platz, ein Knotenpunkt. Für mich ist das definitiv ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag. Findet Ihr nicht auch? Was verbindet Ihr mit solchen „Knotenpunkten“ auf Euren Radtouren? Erzählt doch mal! 😊


Kommentar

  1. Ja, finde ich auch, sehr interessant. Wir sind da glaublich vor kurzem vorbei gefahren als wie aus über Holland aus England zurück kamen. Ich habe aber kein vergleichbares zu berichten. Außer vielleicht due Feldwegbrücke über die B469 bei Großostheim, auf der ich als Kind oft mit meinem Fahrrad stand und sehnsüchtig den Autos nachschaute, die auf dem Weg zur A3 waren.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Warum ich Rad fahre

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen