
Stehst auch vor der Frage, wie Du weniger Auto und mehr Rad fahren kannst? Dann bist Du hier genau richtig! Wir reden nicht von den üblichen, netten Ratschlägen wie: „Lass das Auto einfach mal für kurze Strecken stehen.“ Das greift nämlich viel zu kurz, um die echten Potenziale des Radfahrens zu entfalten – und die Verkehrswende wirklich voranzubringen. Hier erzähle ich Dir ganz offen, wie meine eigene große Umstellung gelang und warum es viel mehr ist als nur ein Fahrradkauf.
Die Krux mit dem einfachen Umstieg
Ich habe diese Woche einen ziemlich wütenden Artikel über die politischen Hindernisse für die Verkehrswende geschrieben, der anscheinend bei vielen von Euch einen Nerv getroffen hat. Falls Du ihn verpasst hast, schau unbedingt rein: Pendlerpauschale vs. Planet: Warum die Autolobby den Klimaschutz ausbremst – ein Muss für alle, die sich eine echte Veränderung wünschen (und auch alle, die noch davon überzeugt werden müssen).
Genau wie viele Menschen will ich den Wandel: weg vom Auto, hin zu mehr Bahn und Rad. Du auch? Und ist das wirklich so einfach?
Tipp: Viele Ratschläge, die man hört, sind viel zu sanft. Sie empfehlen, nur die eine oder andere Autofahrtzu streichen. Das bringt kaum Wirkung und das Auto spielt in unserem Alltag weiterhin die Hauptrolle! 🙁
Meine Erfahrung zeigt: Wenn Du das Auto wirklich durch das Rad ersetzen möchtest – und zwar so, dass es im Sinne der Verkehrswende etwas bringt und Du die Vorteile des Radfahrens voll ausschöpfst –, dann ist das eine größere Umstellung. Es ist ein spannender Prozess, der in viele Bereiche Deines Lebens eingreift, viel Lernen und viele interessante Aspekte mit sich bringt.
Ich habe das gemacht! Heute erledige ich bestimmt über 95 % meiner Wege mit dem Rad. Auch bei den Kilometern ist das Rad mein Hauptverkehrsmittel: etwa zwei Drittel der Streckenkilometer fahre ich Rad, das restliche Drittel hauptsächlich mit der Bahn. Mein Auto besitze ich noch, aber es muss draußen stehen, weil meine Räder die Garage erobert haben! 😉
Zurück zu den Wurzeln: Mein Weg zum Drahtesel
Um zu verstehen, wie ich so konsequent aufs Rad kam, müssen wir weit in die Vergangenheit reisen.
Aufgewachsen bin ich im nördlichen Saarland. Als junger Mann fuhr ich viel Rad. Mein Bonanza-Rad war zwar ein geiles Teil, aber für weite Strecken ungeeignet. Nach einem schweren Sturz stieg ich auf das alte „Herrenrad“ meines Bruders um – mit schlichter 3-Gang-Torpedo-Schaltung. Damit war ich viel unterwegs, aber ausschließlich in der Freizeit.
Wusstest Du, dass man mit einer 3-Gang-Schaltung früher richtig glücklich sein konnte? Kennst Du das auch, dass Dein erstes Rad eher ein Freizeit-Flitzer als ein echter Alltags-Begleiter war? 🤔
Die heftigen Hügel nach St. Wendel (wo Schule und Disco waren) waren mir aber zu viel. Deshalb fuhr ich dorthin nicht mit dem Rad. Aber trotzdem: Radfahren gehörte zu meiner Jugend.
Mit dem Führerschein war dann für einige Jahre Schluss – ich fuhr nur noch Auto. Doch kurz vor meiner Hochzeit Anfang der 1980er-Jahre schrottete ich mein Auto bei einem Unfall. Meine Frau frisch Angetraute und ich hatten kein Geld für ein neues Auto. Und wir zogen nach Ottobrunn bei München, kamen zu dem Schluss, dass wir dort auch kein Auto brauchen würden und hatten dann drei Jahre lang kein eigenes Auto! Ich hatte ein schönes, altes Hollandrad und fuhr damit viele Wege: zur Arbeit (ca. fünf Kilometer), aber auch oft quer durch München, zum Beispiel zum Olympiastadion, um die Spiele des FC Bayern zu sehen. Das machte ich fast alle vierzehn Tage in der Saison! Oft auch zum Grünwalder Stadion, um die Löwen anzufeuern. ⚽
Dann der Umzug in die Eifel. Sobald das feststand, kauften wir wieder ein Auto. Es folgten über zwei Jahrzehnte Mobilität per Auto, unterbrochen nur von gelegentlichem Freizeitradfahren. Obwohl ich nie wirklich gerne Auto fuhr, war es bequem geworden. Ich probierte später sogar mal ein Jahr ein KVB-Jahresticket aus, als wir schon bei Köln wohnten – nur um zu sehen, wie Bahnfahren funktioniert.
Der Zufallskick, der alles veränderte (2010)
Der echte Kick zum Umsteigen kam erst im Jahr 2010 – und zwar durch einen reinen Zufall, ganz ohne politischen Anstoß.
Auf der Geburtstagsfeier meiner Frau war ein Freund zu Gast. Sein Sohn, der bei einem Fahrradhersteller arbeitete, hatte ihm ein Elektrorad geschenkt. Der Freund meinte, das Rad stünde nutzlos im Keller herum und er wolle es verkaufen. Da er ungefähr meine Statur hatte und ich zu dem Zeitpunkt gar kein Rad besaß, fragte ich ihn, ob ich es mir anschauen könne.
Gesagt, getan: Ich fuhr mit ihm im Auto zu ihm nach Hause, kaufte das Rad und fuhr die etwa drei Kilometer damit nach Hause zurück. 🤩
Das war der Anfang. Zuerst nutzte ich das Rad nur im Freizeitmodus.
Radfahren hatte mich in meinem Leben immer begleitet, mal mehr, mal weniger, immer so als „Beiwerk“ für kürzere Fahrten oder „rumfahren“. Im Berufsleben bis 2010: gar nicht.
Ein Wandel ohne Plan und doch so wichtig
Dieser Wandel begann damals ohne Anspruch auf Gesundheit oder Ökologie. Ökologie war für mich lange nur ein untergeordnetes Thema, und ich hatte viele Jahre mit dem Gewichts-Jojo zu tun. Aber das sollte sich ändern!
Im nächsten Beitrag nächsten Sonntag berichte ich weiter:
- Mein Einstieg ins Radfahren zur Arbeit.
- Die ersten schönen Erfahrungen.
- Die ersten Rückschläge.
Bleib unbedingt dran, denn der echte Wandel beginnt erst jetzt. Was war Dein „Kick“-Moment zum Radfahren? Erzähl es mir in den Kommentaren! 👇

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