
Hallo ihr alle! Na, habt ihr gestern beim Lesen auch brav mitgerechnet? Wer den gestrigen Post im Kopf hatte, wird sich jetzt kurz die Augen reiben. Aber die nackte Wahrheit ist: Wir haben uns im Countdown-Eifer gestern schlichtweg selbst überholt und einen Tag unterschlagen! Keine Sorge, wir haben den Fehler rechtzeitig abgefangen, den Tacho neu kalibriert und starten ab heute bombenfest und hochoffiziell mit den echten 14 Tagen bis zum Festival durch. Punktlandung in exakt zwei Wochen! 🏁✨
Beim Stöbern im offiziellen Online-Rückblick zur Zappanale #22 aus dem Jahr 2011 bin ich gestern übrigens nicht nur über den Namen von SoundSchleuder gestolpert. Mein Gedächtnis wurde auch schlagartig an ein weiteres, absolut gigantisches Highlight meines damaligen Premierenjahres erinnert: den Auftritt von Colosseum! 🎸🥁
Meistens ist es samstagsabends – also zum absoluten Höhepunkt des Festivals – auf der Main Stage ja so, dass dort Bands spielen, die keine reinen Zappa-Coverprojekte sind. Stattdessen bringen sie ihre ganz eigene, wegweisende Musik mit. 2011 gab es dieses fette Paket sogar im Doppelpack: Erst Colosseum und direkt danach die legendären Raoul Petite (über die ich euch hier ja schon vorgeschwärmt habe).
Gegründet wurde die britische Formation Colosseum im Jahr 1968 von Schlagzeug-Ikone Jon Hiseman und Saxofonist Dick Heckstall-Smith. Sie gelten als absolute Pioniere des Progressive Jazz-Rock. Personell und musikalisch entwickelte sich die Band rasant weiter. Nach ihrer Auflösung 1971 und einer fulminanten Reunion 1994 standen sie 2011 bei der Zappanale #22 in einer absoluten Traum-Besetzung auf der Bühne. Neben Gründer Jon Hiseman wirbelten seine Ehefrau Barbara Thompson am Saxofon, Keyboard-Gott Dave Greenslade und der stimmgewaltige Sänger Chris Farlowe das Publikum auf. Ihr Gig auf der Main Stage – herrlich dokumentiert auf meinem Titelfoto war ein Paradebeispiel für virtuose Spielfreude, komplexe Rhythmen und pure, unbändige Rock-Energie. Ich fand sie damals einfach nur absolut großartig!
Das Konzert hat mich gestern so gepackt, dass ich mir abends auf Apple Music direkt noch einmal ihre legendäre Live ’71-LP angehört habe. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Ohren: Der Sound erinnerte mich stellenweise unheimlich intensiv an die frühen Deep Purple!
Ich meine sogar, in einigen Passagen exakt dieselben musikalischen Wendungen und Riffs gehört zu haben. Ob es damals jemals gegenseitige Plagiatsvorwürfe oder Schlammschlachten zwischen den Bands gab, weiß ich gar nicht. Aber die Parallelen zwischen dem epischen Orgel- und Gitarren-Wechselspiel von Colosseum und dem Stil von Jon Lord und Ritchie Blackmore waren gestern Abend für mich einfach verblffend offensichtlich.
Mein Bauchgefühl hat mich übrigens nicht getäuscht, denn zwischen beiden Bands gibt es eine geniale Verbindung: Don Airey, der heutige Deep-Purple-Keyboarder, lernte sein Handwerk in den 70ern bei Colosseum II unter Jon Hiseman! Anfang der 70er teilte man sich im Londoner Underground schlicht dieselbe musikalische Sprache aus verzerrter Hammond-Orgel und harten Blues-Riffs. Ein echtes Plagiatsdrama gab man sich unter Kumpels nicht, man befruchtete sich einfach gegenseitig.
In exakt 14 Tagen rollen die Faltrad-Reifen endlich wieder im Norden. Ich bin gespannt, welche Musikpioniere uns dieses Jahr am Samstagabend den Atem rauben!
Music is the best – wir lesen uns morgen Mittag!

Kommentar verfassen