Take a ride on the wild side

Interview mit Maxi Kutschera

Maxi Kutschera und Heinz Fingerhut im Alten Kesselhaus bei der Cyclingworld 2025

Ich bin am Stand des Maxime-Verlags auf der Cyclingworld in Düsseldorf. Und die Verlegerin selbst, Maxi Kutschera, ist hier am Stand und sie hat etwas ganz Besonderes vollbracht dieses Mal.

Was genau, dazu frage ich ich Maxi jetzt einfach mal. 

Axel: 

Maxi, was hast du hier ausgestellt? Was ist das denn? 

Maxi:

Ja, ich habe gedacht, ich mache dieses Mal etwas ganz anderes. Ich mache nicht eine Bücherausstellung, sondern ich mache jetzt einfach mal eine Plakatausstellung.

Ich finde es wichtig, dass die Leute in die Bücher sehen können, um zu sehen, was die Bücher zu bieten haben. Man muss den Leuten die Bücher immer öffnen. Dafür habe ich jetzt eine Plakatausstellung gemacht.

Die Messe war begeistert von der Idee. Und jetzt werden die Leute quasi eingefangen durch die Bilder. Man kann über jedes Bild quatschen und über jedes Bild was sagen, um dann auch aufs Buch zu sprechen zu kommen. 

Axel:

Genau, hier ist nämlich auch richtig Interesse am Stand. Hier stehen Leute und fachsimpeln und ich halte dich jetzt gerade etwas von der Arbeit ab, aber trotzdem frage ich dich noch etwas. Diese Plakate, die scheinen ja älter zu sein. Was war das denn? Wo haben die denn gehangen?

Maxi:

Plakate waren damals wie heutzutage Prospekte, die an die Fahrradhändler geliefert wurden. Damit konnte sich der Händler schmücken und sagen, guck mal, ich habe Dürkopp-Räder im Programm oder guck mal, bei mir gibt es NSU-Räder.

Also, die Fahrradhersteller haben ihre Händler damit beliefert. Gleichzeitig wurden sie aber auch an Litfaßsäulen bzw. an Bretterwände, die kennt man heute nicht mehr so, draufgepappt, um Werbung zu machen, ja, um die Marke zu stärken.

Axel: 

Und du hast ja ein ganzes Buch darüber gemacht. Erzähl uns davon ein bisschen was, wo hast du die Plakate her? Hast du die gesammelt oder wie bist du an die rangekommen?

Maxi:

Also das war die Idee von Karl Friedrich Marx, das ist ein Sammler, der hat eine sehr große, sehr schöne Sammlung und hat die geöffnet und hat gesagt, wie wärs, wir könnten ein Buch machen, einen Bildband. Und dann haben sich noch andere Sammler angeschlossen und haben gesagt, okay, wir sind bereit, wenn ein Buch kommt, unsere Sammlung auch dafür zu öffnen. Schlussendlich haben wir vier Sammlungen, die sich geöffnet haben.

Es hat sich ein Fotograf gefunden, der die Sammler besucht hat, um diese Plakate mit demselben Weißabgleich, also alles super abzufotografieren, sodass wir eine hervorragende Vorlage für das Buch hatten.

Und dann hat Matthias Kielwein, der ein Historiker ist, der sehr sauber recherchiert, gesagt, das ist schade, wenn diese wirklich teilweise einmaligen Motive einfach nur in einem Bilderbuch zum Blättern sind.

Das ist wie verschwendet, weil nie wieder jemand was recherchieren wird zu den Plakaten. Und dann habe ich gesagt, okay, wenn du das machen möchtest…. Dann hat er gesagt, ja, mit Freude.

Und er hat eine wahnsinnige Arbeit gemacht. Er hat zu den Plakaten nicht nur das Datum recherchiert, sondern auch die Hintergründe, zum Beispiel, was war das für eine Firma gerade, AG oder GmbH, also die Firmierung. Er hat über die Druckerei teilweise was rausgekriegt, über die finanziellen Verhältnisse der Firma, über die Grafiker hat er was erfahren, er hat mitbekommen, wie Plakate sich verändert haben im Laufe der Zeit.  Also es gibt zu jedem Plakat einen wirklich fundierten Hintergrund, der einerseits die Firma beleuchtet, aber auch unter dem Aspekt des Plakates. Es ist keine komplette Firmengeschichte, sondern zu jedem Plakat eben eine Snippet-Firmengeschichte.

Axel: 

Und das ist auch alles im Buch? 

Maxi: 

Das ist im Buch hinten, also im Katalogteil hinten dran, sehr umfassend und alles mit Quellen belegt, sodass man dann auch nachschauen könnte und sagen, wie kommt er auf die Idee, dass das Plakat von 1911 ist und nicht von 1930. Ja, „ich habe es dort gefunden, dort gefunden, dort gefunden“, die Postkarte, die Anzeige. Teilweise haben wir sogar im Buch, wenn wir zu einem Plakat Vorlagen gefunden haben, Anzeigen zum Beispiel.

Also, wenn wir schöne Vorlagen gefunden haben, haben wir die mit abgedruckt. Manchmal war das vielleicht ein historisches Foto, das der Grafiker einfach abgemalt hat, sage ich jetzt mal so, oder das Foto als Vorlage genommen hat.

Dazu haben wir dann das Foto gezeigt. Kam zwei, dreimal vor. Dann haben wir historische Rezensionen mit abgedruckt, quasi als O-Ton.

Wir haben teilweise Anzeigen gefunden, an denen man sehen kann, wie sich das Motiv entwickelt hat, wie die Idee war. Die Anzeige ist vielleicht zwei Jahre älter und man kann dann die Entwicklung sehen.

Also insgesamt ist dieses Buch geeignet sowohl für Fahrradfreunde, die Fahrradgeschichte lieben, und es ist fantastisch auch geeignet für Menschen, die sich für Kunstgeschichte interessieren, weil dass das Kunstwerk, also diese grafische Leistung, so fundiert besprochen wird, ist auch selten.

Axel:

Vielen Dank. Ja, ich freue mich wirklich, weil ich schreibe mir gerade so ein wenig auf die Fahnen, das ganze Thema Kultur in die Rad-Szene hineinzutragen, Ich war zum Beispiel beim International Cycling Film Festival, das jedes Jahr einmal in Herne stattfindet, darüber habe ich auch geschrieben. Ich habe Musik über Fahrradfahren und so weiter und so fort. Und Plakate und ein Buch….. habe ich vielleicht bald auch! 

Maxi, vielen, vielen Dank für das Interview.

Zur Person:

Maxi Kutschera ist Leiterin des Maxime-Verlages. Das Titelbild dieses Beitrages zeigt Maxi mit Heinz Fingerhut, einem der Sammler, der seine Sammlung für das Buch „Fahrradplakate“ öffnete.

Der Stand von Maxi befindet sich auf dem Gelände der Cyclingworld im Alten Kesselhaus unmittelbar rechts hinter dem Eingang. Er ist weder zu übersehen, noch kann man ihm widerstehen. Das Buch „Fahrradplakate“ sowie Drucke einer Reihe der im Buch abgedruckten und am Stand ausgehängten Plakate sind am Stand erhältlich, das Buch auch im Shop auf der Seite https://www.maxime-verlag.de/verlagsprogramm/

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