
Nachdem mich meine Börde-Ville-Tour durchs Marienfeld geführt hat, ging es weiter über die Berrenrather Börde, vorbei am Zieselsmaar. Erinnerst du dich?
Über diesen See hatte ich ja erst neulich geschrieben.
Von dort aus führte mich der Weg über und dann ein kurzes Stück nach rechts entlang der Berrenrather Straße (L495), bevor ich links auf die Zufahrt zur Deponie Vereinigte Ville abbog.
Und genau die hat es mir an diesem Tag angetan. Die Zufahrt heißt Tonstraße und ist eine breite, schnurgerade Straße. Klar, sie wurde für die riesigen Lkws gebaut, die hier Müll, Schutt und allerlei Abraum anliefern. Aber hey, an einem Sonntag wie dem, an dem ich die Tour gemacht habe, ist diese Straße perfekt für uns Radfahrende! Auf der rechten Seite gibt es einen Radstreifen, der völlig gefahrlos zu befahren ist – schließlich ist weit und breit kein Verkehr.

Nach etwa zwei Kilometern, kurz vor der eigentlichen Deponie, biegt der Weg rechts auf einen asphaltierten Feldweg ab, um dann etwas später scharf nach links auf einen Weg zu führen, der an der Deponie vorbeiläuft.
Man mag sich fragen, was eine Deponie hier zu suchen hat. Nun, die Deponie Vereinigte Ville hat eine lange Geschichte: Schon seit 1974 wird das Gelände als zentrale Mülldeponie für den Rhein-Erft-Kreis genutzt. Sie war als Nachfolge der Mülldeponie Berrenrath geplant und wird heute vom Zweckverband Abfallwirtschaft im Rhein-Erft-Kreis, dem AWB, betrieben. Ursprünglich wurde die Deponie in einer der ehemaligen Tagebaugruben angelegt, um den Bauxit-Bergbau zu nutzen, der die Region prägte. Mittlerweile dient sie nicht mehr der Ablagerung von Hausmüll, sondern ausschließlich der Verwertung von mineralischen Abfällen aus Bau- und Abbruchmaßnahmen. Dadurch hat sich auch die Funktion der Deponie gewandelt: Sie ist heute weniger eine Müllhalde, sondern vielmehr ein wichtiger Baustein im Kreislaufwirtschaftssystem des Kreises.
Die Deponie liegt inmitten der sanft auf- und abfallenden Landschaft der Ville und fügt sich überraschend gut in die Umgebung ein. Der Standort wurde bewusst in einer Senke gewählt, um die visuellen Auswirkungen zu minimieren. Dennoch hat die Deponie natürlich ihre Spuren hinterlassen: Die Gewässer, die an dem Gelände liegen, sind alles andere als unberührt. Das Wasser ist aufgrund der Zuflüsse aus der Deponie kontaminiert, weshalb das Baden hier absolut tabu ist. Ein Spaziergang in der Natur ist hier immer auch ein kleiner Reality-Check für unsere Umwelt.
Der Weg, auf dem ich fahre, ist bestens asphaltiert und schlängelt sich durch kleine Wäldchen und Baumreihen,

bevor sich plötzlich ein weiter Blick auf die Bördelandschaft auftut.

Ab und an kann man durch die Bäume einen Blick auf die Gewässer erhaschen. Man sieht ihnen an, dass sie ihre Geschichte haben, und es ist ein kleiner, lehrreicher Moment, zu erkennen, wie sehr die Menschen die Natur hier verändert haben.
Es ist schon erstaunlich, wie sehr der Mensch die Landschaft in dieser Gegend geprägt hat. Die Ville, dieser markante Höhenzug, ist ein gutes Beispiel dafür. Sie erstreckt sich als ein über 40 Kilometer langer und bis zu acht Kilometer breiter Rücken von den Toren Bonns bis nach Pulheim. Was einst ein dicht bewaldetes Waldgebiet war, wurde durch den Braunkohlebergbau in der Region über Jahrhunderte massiv umgestaltet. Mit dem Ende des Tagebaus sind ganze Seenlandschaften, die Ville-Seen-Platte, und die heutige rekultivierte Landschaft entstanden. Die Ville ist heute ein beliebtes Naherholungsgebiet für Spaziergänger:innen, Läufer:innen und uns Radfahrer:innen, ein spannendes Beispiel für Renaturierung und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, etwa durch Tourismus und die Holz- und Forstwirtschaft.

Aber zurück zum Radfahren, denn darum geht’s ja. Der Weg entlang der Deponie führt schnurgerade, dann mit ein paar winkligen Kurven, und nach knapp drei Kilometern erreicht man die B265.

Nach der Querung geht es dann am Liblarer See entlang. Aber diese Geschichte erzähle ich euch dann beim nächsten Mal!
Alles in allem bin ich auf dieser Tour bis dahin gut 20 Kilometer geradelt. Meist über sehr schön asphaltierte Wege durch eine aufregende Landschaft, in der man an jeder Ecke die Veränderungen spürt, die sie durchgemacht hat. Die meiste Zeit war ich weit ab vom Autoverkehr unterwegs – eine Tour, die zum Nachfahren einlädt!
Hast du auch schon mal eine Landschaft erkundet, in der die Natur und die menschlichen Eingriffe so eng beieinander liegen? Schreib mir deine Eindrücke in die Kommentare, markiere Freund:innen, die eine solche Tour lieben würden, oder reblogge den Beitrag, wenn er dir gefallen hat!

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