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Stabil, schlicht, siegreich: Der große Guide zu Ortler Bikes und Reiserad-Geometrie

Einige von euch wissen es schon, andere vielleicht noch nicht: Heute war ich wieder mit meinem guten alten Mr_Ounterwegs. Er ist ja schon fast ein Familienmitglied, dieses Rad. Die Tour selbst? Großartig! Aber dazu erzähle ich euch in einem der nächsten Beiträge mehr. Heute möchte ich die Gunst der Stunde nutzen und euch mal ein bisschen mehr über den guten Kerl selbst erzählen.


Mein Mr_O ist nämlich kein Geringerer als ein Ortler Grandtourer. Und obwohl ich ja gar nicht der große Radreisende bin, hat er mich letztes Jahr souverän von Hannover zur Sternfahrt nach Berlin gebracht – ein Beweis, dass so ein Reiserad auch im Alltag und für sportliche Strecken super funktioniert!

Bevor wir gleich über seinen Typus sprechen, lasst uns kurz seinem Hersteller auf den Zahn fühlen. Denn Ortler ist eine Marke, die man vielleicht nicht an jeder Ecke findet, aber die eine interessante Geschichte und Philosophie hat.

Ortler: Die Marke für solide Rad-Abenteuer

Die Marke Ortler ist den meisten Radfahrer:innen ein Begriff, die gerne online stöbern. Das liegt daran, dass Ortler eine sogenannte Hausmarke des bekannten Online-Händlers Internetstores GmbH ist, zu dem unter anderem die Plattformen fahrrad.de und bruegelmann.de gehören.

Sitz und Vertriebsform

Der offizielle Sitz des Unternehmens liegt im Großraum Stuttgart – genauer gesagt, ist die Internetstores GmbH dort ansässig, von der Ortler als Eigenmarke geführt wird. Das erklärt auch die Vertriebsform: Ortler-Räder findet man primär über diese großen Online-Shops. Das bedeutet in der Regel eine schlanke Struktur und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis direkt an uns Kund:innen.

Geschichte und Charakteristik

Die Geschichte von Ortler ist eng mit der Entwicklung des E-Commerce im Fahrradbereich verbunden. Ziel der Marke war es von Anfang an, solide, zuverlässige und alltagstaugliche Räder zu entwerfen, die auch für längere Touren taugen.

Die Charakteristik der Ortler-Räder lässt sich so zusammenfassen:

  • Fokus auf das Wesentliche: Die Räder haben oft eine aufgeräumte, schlichte Optik mit einem Fokus auf Ästhetik und Eleganz, ohne dabei auf notwendige Features zu verzichten.
  • Robustheit: Ob Trekkingrad, Citybike oder E-Bike – die Modelle sind auf Langlebigkeit und Zuverlässigkeit ausgelegt, sowohl für Pendler:innen als auch für Hobby-Radler:innen.
  • Vielfalt: Das Portfolio ist breit gefächert und reicht von einfachen Cityflitzern bis hin zu spezialisierten Lastenrädern (wie dem CPNHGN Longjohn) und eben Reiserädern.

Modelle und die Grandtourer-Reihe

Ortler deckt die wichtigsten Rad-Typen ab. Neben den beliebten Ardeche– oder Mainau-Modellen im Trekking- und City-Bereich sticht für Touren-Enthusiast:innen die Grandtourer-Modellreihe hervor.

Der Grandtourer (wie mein Mr_O) ist speziell für Vielseitigkeit konzipiert. Er bietet in der Regel einen stabilen Aluminium-Rahmen (häufig 6061er Aluminium), der eine robuste Grundlage bildet. Die Ausstattung ist dabei stets tourentauglich: zuverlässige Scheibenbremsen, eine breite Gangschaltung (oft 20 oder mehr Gänge) zur Bewältigung verschiedener Terrains und eine Geometrie, die Komfort und Stabilität auf langen Strecken vereint. Ein echtes Rad für alle Lebenslagen, oder wie ich sagen würde: Mein Mr_O ist einfach ein guter Kumpel!


Apropos Grandtourer und Berlinfahrt: Mein Rad ist, wie schon erwähnt, ein Reiserad – auch wenn es im Alltag „nur“ als sportliches Tourenrad dient. Das bringt uns direkt zu der Frage: Was macht ein Reiserad eigentlich zu einem Reiserad? Denn der Typus ist viel mehr als nur ein Fahrrad mit Gepäckträger!

Das Reiserad: Der unverwüstliche Langstrecken-Spezialist

Ein Reiserad – auch Expeditionsrad oder sportlich als Randonneur bezeichnet – ist der geborene Dauerläufer auf zwei Rädern. Es ist das Schweizer Taschenmesser unter den Fahrrädern und dafür gebaut, dich und dein gesamtes Hab und Gut sicher über jeden Kontinent zu bringen.

Typische Geometrie: Stabil und Komfortabel

Die Geometrie eines Reiserades ist das A und O. Im Gegensatz zu wendigen Sporträdern legt man hier größten Wert auf Spurtreue und Stabilität, besonders bei hoher Zuladung:

  • Langer Radstand: Der Abstand zwischen Vorder- und Hinterachse ist im Vergleich zu anderen Rädern länger. Das sorgt für einen extrem ruhigen Geradeauslauf und verhindert, dass das Rad bei voller Beladung nervös wird.
  • Langer Hinterbau: Die Kettenstreben sind länger (oft 450–460 mm). Das hält die Fersen von den großen Packtaschen fern und verteilt das Gewicht optimal.
  • Komfort-Haltung: Die Sitzposition ist oft gemäßigt sportlich bis leicht aufrecht. Merkmale sind ein längerer Reach und/oder ein höherer Stack, die eine Haltung ermöglichen, die man auch nach acht Stunden im Sattel noch bequem findet.

Ausstattung: Robustheit trifft Wartungsarmut

Die Komponenten eines Reiserades müssen vor allem eines sein: unverwüstlich. Denn auf einer Tour, womöglich fernab jeder Werkstatt, zählt nur Zuverlässigkeit:

  • Antrieb: Klassisch dominiert die Kettenschaltung (z.B. Shimano Deore XT) aufgrund ihres großen Übersetzungsspektrums und des geringen Gewichts. Immer beliebter werden jedoch Nabenschaltungen (allen voran die Rohloff Speedhub), die extrem wartungsarm und unanfällig gegenüber Schmutz sind. Oft wird dies mit einem Riemenantrieb statt Kette kombiniert, was das Ölen und die Wartung gänzlich überflüssig macht.
  • Laufräder: Meist 28 Zoll für mehr Geschwindigkeit, aber oft auch 26 Zoll bei Expeditionsrädern, weil diese Laufradgröße weltweit einfacher zu beschaffen ist und die Räder prinzipbedingt stabiler sind. Breite, profilierte Reifen sind Pflicht.
  • Anbauteile: Eine hochwertige Lichtanlage mit Nabendynamo (SON, Shutter Precision) sowie stabile, fest montierte Schutzbleche und ein zuverlässiger Ständer gehören zur Grundausstattung.

Die Kunst der Gepäckträger

Ohne Stauraum keine Reise. Reiseräder bieten zahlreiche Anlötsockel. Man unterscheidet hauptsächlich:

  • Heckträger (Hinten): Hier wird der Großteil des Gepäcks (ca. zwei Drittel der Last) verstaut. Er muss extrem stabil sein, um 25 kg und mehr sicher tragen zu können.
  • Lowrider (Vorne): Diese Träger werden tief an der Gabel montiert. Indem sie das Gewicht niedrig halten, verbessern sie das Fahrverhalten statt es zu verschlechtern. Sie sorgen für eine ideale Gewichtsverteilung von etwa 1/3 vorne zu 2/3 hinten.
  • Bikepacking-Lösungen: Eine neuere Entwicklung ist die Verlagerung hin zu Bikepacking-Taschen (Sattel-, Rahmen- und Lenkertaschen). Diese verzichten komplett auf klassische Träger und sind ideal für sportliche Touren mit leichtem Gepäck.

Die Entwicklung über die Zeit

Während das Reiserad früher oft als schwerer, klassischer Tourer mit 28-Zoll-Rädern galt, sind die Grenzen heute fließender geworden. Der Einfluss von Gravel-Bikes hat zu sportlicheren Randonneuren mit Rennlenker, breiteren Reifen und Scheibenbremsen geführt. Der allgemeine Trend geht hin zu mehr Wartungsarmut (Riemen, Nabe), höchster Robustheit (Stahl/Titan) und einer Prise E-Motor für Komfort-Reiseräder, die schwere Lasten tragen.


Seht ihr, wie viel da in so einem Rad steckt? Mr_O mag keine Weltreise machen, aber die Gene eines unverwüstlichen Langstrecken-Spezialisten hat er definitiv. Und diese Verlässlichkeit ist es ja, die das Radfahren im Alltag so entspannt macht.

Mr_O ist das Rad, das ich am längsten habe. Es hatte mal eine längere Pause und musste schon mal umgebaut werden, aber es bringt mich immer noch überall hin.

Welche Art von Rad begleitet euch gerade am häufigsten? Hattet ihr auch schon mal ein Rad, das quasi „zu groß“ für eure normalen Strecken war, aber das ihr trotzdem geliebt habt? Erzählt mir davon in den Kommentaren, drückt auf das Herzchen, wenn ihr auch so einen treuen Gefährten habt, oder teilt den Beitrag, um die Reiserad-Community zu vergrößern! Ich freue mich auf euer Feedback!


Kommentare

  1. […] Stabil, schlicht, siegreich: Der große Guide zu Ortler Bikes und Reiserad-Geometrie […]

  2. Moin!
    Auch die Beschreibung der „Reise-Räder“ überfordert mich etwas.
    Das soll Deinen Bericht nicht schmälern, aber ich fürchte, über 50-km-Touren in der „wüsten“ Umgebung hier komme ich nicht hinaus. Bedeutsame Erlebnisse gibt es orts-spezifisch am Ende der Welt auch nicht viel.
    Dennoch werde ich Deine Berichte weiter interessiert verfolgen.

    Ciao

    1. Nach meiner Rente komme ich mal rum und schaue mal, ob ich vielleicht doch orts-spezifisch Bedeutsames entdecken kann. Ich entdecke eigentlich immer etwas interessantes, egal, wo ich bin. Häufig ist das für die Einheimischen natürlich nicht so interessant, weil sie das meiste kennen.
      Ich habe die Erfahrung gemacht, auch an mir selber, dass ich glaube, alles hier bei uns zu kennen, aber tatsächlich immer etwas neues entdecke. Entweder, weil sich tatsächlich etwas verändert hat oder weil sich auch schon einmal meine Perspektive verändert. Manchmal auch einfach nur, weil ich einen bekannten Weg, den ich immer von links nach rechts fahre, mal von rechts nach links fahre.
      Ich glaube, wichtig ist die Neugier. Die Gier auf Neues eben.

      1. Ja, herzlich richtig.
        Auch auf Facebook wird man abseits des Polit-Gemotzes manchmal zu Interessanten Zielen fündig. Sofern man entsprechenden Accounts folgt.

        Auch auf die Tour in die eingeebnete, vergessene Ortschaft Weigsderf

        https://tarzanunterwegs.wordpress.com/2025/09/25/wo-liegt-weigsdorf-eine-reise-ins-nichts/

        kam ich letztlich nur durch eine Info-Tafel am Wegrand.

        Neugier ist gesund!

      2. Danke für den Tipp. Und ein wahres Wort❣️

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