Take a ride on the wild side

Bahnhof mit PLATANE

Bahnhof Belvedere in Köln mit Pappeln dahinter

Eine Radtour zum Bahnhof Belvedere – Erinnerungen, Sportgeschichte und verborgene Orte in Köln

Heute stand eine besondere Tour auf dem Plan: Gemeinsam mit einigen Mitfahrerinnen und Mitfahrern bin ich in Horrem westlich von Köln gestartet, mit dem Ziel Bahnhof Belvedere. Normalerweise sind meine so genannten Veedelstouren nicht so weit, hier sollten es etwas über 30 Kilometer werden. Aber die Gelegenheit war günstig, das Wetter war warm, aber nicht zu warm und wir hatten die Chance, noch im Hellen nach Hause zu kommen, was bald nicht mehr der Fall ist.

Auf dem Weg zum historischen Gebäude haben wir spannende Zwischenstopps eingelegt, die zeigen, wie vielfältig und eindrucksvoll Radfahren in und um Köln sein kann. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt dabei nicht nur Sportstätten und grüne Wege, sondern auch Orte des Erinnerns und der Geschichte.


Der Clarenhof – Landwirtschaft mitten in Köln

Noch bevor wir das Stadion erreichen, führt unsere Strecke parallel zur Aachener Straße am Clarenhof vorbei. Der traditionsreiche Hof liegt etwas versteckt, ist aber vielen Kölnerinnen und Kölnern ein Begriff – nicht zuletzt wegen seines Hofladens und der Erdbeerfelder zum Selberpflücken. Hier wird deutlich, dass Köln nicht nur Großstadt ist, sondern auch Raum für Landwirtschaft und regionale Produkte bietet.

Mit dem Rad spürt man die besondere Atmosphäre besonders intensiv: Der Duft frisch gepflügter Felder, das satte Grün der Wiesen und die Ruhe, die so nah an der vielbefahrenen Aachener Straße fast überraschend wirkt. Gerade im Sommer sind die Felder des Clarenhofs ein beliebtes Ziel für Familien, die mit dem Rad hierherkommen, um Erdbeeren zu pflücken oder sich mit frischen Lebensmitteln einzudecken.

Für mich ist der Clarenhof ein Symbol dafür, wie abwechslungsreich Radfahren in Köln sein kann: Innerhalb weniger Minuten wechselt die Kulisse von urbaner Verkehrsachse zu ländlicher Idylle. Ein kurzer Stopp hier lohnt sich immer – sei es, um ein paar Minuten zu verschnaufen oder einfach, um die Atmosphäre aufzusaugen.


Vorbei am RheinEnergieSTADION

Kaum ein Ort in Köln verkörpert Sport und Emotionen so stark wie das RheinEnergieSTADION. Schon aus der Ferne sieht man die markanten Flutlichtmasten, die wie Wahrzeichen in den Himmel ragen. Das Stadion ist die Heimat des 1. FC Köln, doch es ist weit mehr als nur eine Fußballarena. Hier fanden auch Weltmeisterschaften, Konzerte und unzählige andere Veranstaltungen statt.

Mit dem Rad parallel zur Aachener Straße zu fahren und das Stadion aus nächster Nähe zu erleben, ist jedes Mal ein besonderer Moment. Auf der einen Seite die mächtigen Tribünen, auf der anderen der Grüngürtel, der zum Verweilen einlädt. Hier wird deutlich, wie eng Sport, Freizeit und Natur in Köln miteinander verbunden sind. Besonders an Spieltagen spürt man die Stimmung bereits auf den Radwegen – ein Stück Kölner Lebensgefühl.


Gedenkstätten am Walter-Binder-Weg

Wenig später führt unsere Tour auf den Walter-Binder-Weg, eine stille, grüne Strecke senkrecht zur Aachener Straße. Hier finden sich mehrere Gedenktafeln und kleine Mahnmale, die an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Es sind Orte, die leicht übersehen werden können, wenn man nur schnell vorbeiradelt. Doch wer innehält, entdeckt bewegende Geschichten, die hinter den schlichten Tafeln stehen.

Sie erinnern an Zwangsarbeiterlager, an Deportationen und an das Leid, das mitten in Köln geschah. Gerade auf einer Radtour, bei der man bewusst die Umgebung wahrnimmt, haben solche Orte eine besondere Wirkung. Das Radfahren zwingt nicht zur Eile – man kann anhalten, lesen, nachdenken. Für mich ist das einer der Gründe, warum ich Rad fahre: weil ich Geschichte und Gegenwart aus einer Nähe erleben kann, die im Auto kaum möglich wäre.


Der Bahnhof Belvedere – ein vergessenes Juwel

Unser eigentliches Ziel war der Bahnhof Belvedere, ein Ort, der heute fast wie ein verstecktes Relikt aus einer anderen Zeit wirkt. Das kleine Empfangsgebäude stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und gilt als der älteste erhaltene Bahnhof in Köln. Er wurde einst im klassizistischen Stil errichtet, mit klaren Linien und einem repräsentativen Charakter, der ihm einen fast herrschaftlichen Charme verleiht.

Der Bahnhof gehörte zur ersten Eisenbahnlinie Köln–Aachen, die ab 1839 gebaut wurde. Damals war die Eisenbahn ein Symbol für Aufbruch und Fortschritt. Belvedere diente nicht nur als Haltepunkt, sondern auch als Ausflugsziel: Von hier aus hatte man einen herrlichen Blick über die Stadt und den Rhein. Daher auch sein Name – „Belvedere“ bedeutet „schöne Aussicht“.

Mit den Jahrzehnten verlor der Bahnhof jedoch an Bedeutung. Neue Linien wurden gebaut, der Schienenverkehr verlagerte sich, und Belvedere geriet zunehmend in Vergessenheit. Das kleine Gebäude überdauerte, aber sein Glanz verblasste. Heute wirkt es fast wie ein stiller Zeitzeuge, der davon erzählt, wie sehr Köln von der Eisenbahn geprägt wurde.


Aktuelle Entwicklungen

In den letzten Jahren ist der Bahnhof Belvedere wieder stärker in den Blick geraten. Bürgerinitiativen und Denkmalschützer setzen sich für den Erhalt des Gebäudes ein. Teile des Bahnhofs sind bereits saniert worden, doch es gibt noch viel zu tun. Diskutiert wird, wie das Ensemble künftig genutzt werden könnte: als Museum, als kultureller Treffpunkt oder als Ort für Veranstaltungen.

Gerade in letzter Zeit ist der Bahnhof aber ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, weil es einen Konflikt mit dem Naturschutz gibt. Die hinter dem Gebäude stehenden PLATANEN (meist ist auch nur von einer PLATANE die Rede) gefährden die Substanz des Gebäudes und sollen auf Betreiben der an einer Sanierung des Gebäudes Interessierten gefällt werden. Dagegen gibt es Widerstand und das Verwaltungsgericht Köln hat kürzlich entschieden, dass keine Bäume gefällt werden dürfen dort. Der Fall ist bei uns hier überall bekannt, ich vermute fast auch überörtlich und wird als Beispiel dafür diskutiert, warum Bau- und Sanierungsmaßnahmen ewig nicht von der Stelle kommen. Ich selber finde die Bäume wesentlich beeindruckender als das Gebäude, das, seitdem ich mich dort herumtreibe, und das ist schon so einige Zeit, immer nur brach lag und mit Baugerüsten verunstaltet war. Ich bleibe dran, vielleicht waren wir nicht zum letzten Mal dort.

Für mich macht gerade dieser Kontrast den Reiz aus: Mit dem Rad fährt man vom modernen Stadion, vorbei an Erinnerungsorten, zu einem fast vergessenen Bauwerk aus den Anfängen der Industrialisierung. Diese Vielfalt zeigt, wie viele Geschichten Köln zu erzählen hat – und wie man sie beim Radfahren unmittelbar erleben kann.


Fazit: Warum ich Rad fahre

Diese Tour hat mir wieder einmal gezeigt, warum ich so gerne Rad fahre. Es ist die Mischung aus Bewegung, Natur und Entdeckungen entlang des Weges. Mit dem Rad sieht man Orte, an denen man sonst vorbeigefahren wäre. Man spürt die Stadt, ihre Geschichte und ihre Gegenwart viel unmittelbarer.

Der Bahnhof Belvedere, der Clarenhof, das RheinEnergieSTADION und die Gedenkstätten am Walter-Binder-Weg sind dabei nur einige Beispiele. Radfahren bedeutet für mich: offen sein für die Umgebung, für Begegnungen und für Geschichten, die sonst verborgen bleiben würden. Und genau deshalb sitze ich immer wieder aufs Rad.


Die Veedelstour gibt es auf Komoot hier:
https://www.komoot.com/de-DE/tour/2512776768?ref=itd&share_token=aP0G2ki1qrCTOpwDseqzgCZBfCEBwhJtWvXPUTdovBEB1iIuue

Und hier in der Collection:
https://www.komoot.com/de-de/collection/1695283/-veedelstouren


Der Beitrag ist eine Coproduktion zwischen mir und meinem Freund Tschädd Tschipidi. Der hat mir auch noch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Pappeln und Platanen herausgearbeitet:

Gemeinsamkeiten

Sowohl Pappeln als auch Platanen sind Laubbäume. Beide können sehr groß und hoch wachsen. Sie werden häufig in Alleen oder Parks gepflanzt. Beide Baumarten bevorzugen sonnige Standorte. Sie wachsen besonders gut in nährstoffreichen, feuchten Böden. Pappeln und Platanen können ein hohes Alter erreichen. Beide haben eine wichtige ökologische Bedeutung als Lebensraum für Tiere. Sie sind schnellwüchsige Bäume. Beide Baumarten werfen im Herbst ihre Blätter ab. Sie werden oft als Schattenspender in Städten genutzt.

Unterschiede

Die Pappel gehört zur Familie der Weidengewächse, die Platane zur Familie der Platanengewächse. Pappeln haben meist eine glatte, eher unscheinbare Rinde, während Platanen eine auffällig schuppige, abblätternde Rinde besitzen. Die Blätter der Pappel sind länglich bis dreieckig, die der Platane handförmig gelappt. Pappeln bilden leichte Samenwolle, Platanen kugelige Fruchtstände. Platanen sind deutlich resistenter gegen städtische Luftverschmutzung als Pappeln. Pappeln haben oft eine schlanke, aufrechte Krone, Platanen dagegen eine breite, ausladende Krone. Platanen werden häufiger als Stadtbäume gepflanzt, Pappeln eher in ländlichen Gebieten oder entlang von Flüssen. Die Lebensdauer einer Platane ist in der Regel länger als die einer Pappel. Pappeln können Astbruch-gefährdet sein, Platanen gelten als standfester. Die Platane ist ein typischer Symbolbaum mediterraner Städte, die Pappel hingegen wird oft mit Flusslandschaften in Mitteleuropa verbunden.

Kommentar

  1. Sehr interessant und informativ, vor allem was den Bahnhof angeht. Das Dilemma verdeutlicht auch, dass hier in Deutschland viel zu oft nur entweder – oder entschieden wird. Es hätte mit Sicherheit Kompromissmöglichkeiten gegeben, zum Beispiel dass Bäume, die einen bestimmten Abstand zum Gebäude unterschreiten, gefällt werden, der Rest bleibt stehen. Oder ähnliches.
    Diese gegenseitigen Blockaden von Institutionen, die unterschiedliche Schutzgüter schützen sollen, helfen am Ende weder der Akzeptanz von Naturschutzmaßnahmen noch dem Anliegen des Denkmalschutzes.
    Am Ende verlieren beide Seiten.
    Ich habe auf ZDF Info eine Doku-Serie über Nationalparks in aller Welt entdeckt und werde das Gefühl nicht los, wir Deutschen bekommen es mit unserem Rigorismus auf zu vielen Baustellen nicht pragmatisch auf die Reihe…
    Viele Grüße
    Anja

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