Take a ride on the wild side

Hallo Stau, auf Wiedersehen! Der Ausstieg des Alltagsradlers

Collage Radfahrerinnen und Radfahrer

Fahr doch einfach mal mehr Rad! Das ist keine Aufforderung, sondern eine freundliche Einladung, es den vielen anderen gleichzutun, die das Fahrrad für sich (wieder)entdeckt haben.

Wie ich zu so einer Aussage komme? Nun, meine ganz persönlichen Messstrecken sind die Wege, die ich schon seit Langem fahre: mein täglicher Pendelweg von Kerpen-Horrem nach Köln-Bocklemünd oder die Tour vom WDR-Betriebsgelände über den Vogelsanger Weg in Richtung Müngersdorf oder Lövenich. Und diese Strecken lügen nicht. Ich treffe mittlerweile so viele Radfahrende wie nie zuvor! Und weil ich vorwiegend zu den Stoßzeiten unterwegs bin, ist es ganz klar der Alltagsverkehr, der da rollt. Es sind Pendlerinnen, die dem Stau Lebewohl sagen.

Gerade der gestrige Freitag hat mir das besonders deutlich vor Augen geführt. Auf dem rund fünf Kilometer langen Stück von Horrem nach Königsdorf entlang der Aachener Straße (L361) begegneten mir innerhalb von weniger als 15 Minuten locker ein Dutzend Radfahrer und Radfahrerinnen. Ich konnte sie leider nicht mit der Kamera einfangen, aber ihr Fahrstil und ihre Ausrüstung ließen keinen Zweifel daran, dass sie das Rad regelmäßig nutzen.

Auch auf dem Vogelsanger Weg, einem etwa zwei Kilometer langen Abschnitt, traf ich innerhalb von zehn Minuten auf eine ganze Reihe von Menschen, die lächelnd an mir vorbeizogen. Es war ein buntes Treiben, von Menschen, die mit schlichten Stadträdern unterwegs waren, bis hin zu Pendlern mit professioneller Ausrüstung.

Collage Radfahrerinnen und Radfahrer

Ich führe keine systematische Statistik, aber meine Beobachtungen sind eindeutig: Der Radverkehr boomt. Die allermeisten, die ich treffe, sehen nicht so aus, als wären sie auf einer entspannten Genusstour. Sie scheinen das Rad als festes Fortbewegungsmittel in ihrem Alltag zu nutzen.

Wir werden immer mehr. Viele Gesichter, gerade auf der Strecke von Horrem nach Königsdorf, kenne ich bereits. Wir grüßen uns, nicken uns zu. Man sieht, wie sie ihre Kleidung und Ausrüstung immer weiter professionalisieren – so wie ich es am Anfang auch gemacht habe. Und es kommen ständig neue Radler und Radlerinnen dazu. Manche wirken anfangs noch etwas angestrengt, aber nach und nach werden ihre Gesichter fröhlicher, sie grüßen und lächeln zurück.

Das gilt sogar bei schlechtem Wetter. Auch wenn ich versuche, Regentage durch Home-Office zu umgehen, stelle ich immer wieder fest, dass bei Schmuddelwetter kaum weniger Radfahrende unterwegs sind. Das zeigt ganz klar, dass diese Menschen das Fahrrad als ihr Hauptverkehrsmittel ansehen – ganz egal, ob die Sonne scheint oder es Bindfäden regnet.

Radfahren nimmt zu. Ich bin mir absolut sicher. Auch wenn es wenig objektive Messungen gibt, so sind meine Eindrücke auf den Wegen, die ich häufig fahre, eindeutig.

Mein persönlicher Eindruck, dass immer mehr Menschen aufs Rad steigen, lässt sich auch durch aktuelle Zahlen belegen. Die sogenannten „Modal Split“-Daten geben Aufschluss darüber, wie sich die Verkehrsmittelnutzung in Deutschland und den einzelnen Bundesländern aufteilt.

Laut der neuesten Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD 2023) hat der Radverkehrsanteil am Gesamtverkehr bundesweit leicht zugenommen und liegt aktuell bei 11,2 %. Das mag auf den ersten Blick gering erscheinen, ist aber ein kleiner, aber wichtiger Zuwachs. Es zeigt, dass sich der Trend, das Rad im Alltag zu nutzen, weiter verfestigt.

Interessant dabei ist auch, wie sich dieser Wert zusammensetzt: Etwa ein Drittel der mit dem Fahrrad zurückgelegten Personenkilometer entfällt bereits auf E-Bikes. Das unterstreicht, dass die Elektrounterstützung maßgeblich dazu beiträgt, dass mehr Menschen, auch auf längeren Strecken und im ländlichen Raum, das Rad als Alternative zum Auto sehen.

Für Nordrhein-Westfalen gibt es kein aktuelles, landesweites Ergebnis, das mit dem MiD 2023 vergleichbar wäre. Allerdings haben Städte wie Dortmund bereits eigene Erhebungen durchgeführt. Im Jahr 2019 lag der Radverkehrsanteil in Dortmund bei etwa 10 %. Das Land NRW hat sich in seiner Radverkehrsstrategie sogar das ambitionierte Ziel gesetzt, den Anteil am Gesamtverkehr auf 25 % zu steigern. Das zeigt, dass der politische Wille vorhanden ist, den Ausbau der Radinfrastruktur voranzutreiben, um diesen Zielen näherzukommen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Mein subjektiver Eindruck, dass wir immer mehr werden auf den Radwegen, wird durch die objektiven Daten bestätigt. Die Tendenz ist klar: Wir sind auf dem Vormarsch!

Die Bewegung (im wahrsten Sinne des Wortes) wächst! Also, worauf wartest du noch? Sei ein Teil davon! Schnapp dir ein Rad und fahr mit! Es geht nicht darum, nur noch Rad zu fahren. Aber: Fahr einfach mehr Rad!


Kommentare

  1. Gestern auf einer Stecke gewesen und keiner kam entgegen…. Beweisfoto muss noch gemacht werden. Beitrag folgt.

  2. kann ich nur begrüßen! bin seit 50 jahren radler in berlin. auch hier scheint es zuzunehmen. vor allem die vielen eltern mit kiddies in den lastenrädern/familienrädern freuen mich. neulich familie mit 10, 11 (??) jähriger tochter auf dem rückweg tour nach kopenhagen, komplett mit zeltausrüstung, wenn ich nicht irre. was für ein erlebnis für die kinder! bewegung aus eigener kraft über mehrere hundert kilometer. durch wind und wetter. das im vergleich zur pseudo-existenz im smartphone oder der konkurrenz um aufmerksamkeit in der peer group.

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