
Die Sonne lachte am Sonntag zwischen den Wolken, aus denen es kurz zuvor noch geregnete hatte, und mein Kompass zeigte klar Richtung Süden. Diesmal aber nicht wie am Tag zuvor an der Erft entlang, sondern querfeldein! Erst ging’s durchs Marienfeld, dann über die Kieswerkstraße in Richtung Berrenrather Börde, am Zieselmaarsee vorbei und weiter durch die Deponie Vereinigte Ville. Später entlang des Liblarer Sees, durch Liblar und Blessem nach Konradsheim, um von dort mehr oder weniger direkt durch die Felder nach Hause. Was für eine Tour!
Heute möchte ich euch aber etwas über den ersten Abschnitt der Tour, das Marienfeld, erzählen. Das ist die große, weite Fläche zwischen Kerpen-Horrem und Türnich, begrenzt von der L163 und Frechen-Habbelrath. Ein Ort mit einer beeindruckenden Geschichte! Hier befand sich früher der Braunkohle-Tagebau Frechen, bevor die Natur in den 1980er Jahren Schritt für Schritt zurückerobert wurde. Im Zuge dieser Renaturierung entstand ein einzigartiges Naturschutzgebiet, das auch eine Rolle in der jüngeren Geschichte spielte: 2005 wurde das Marienfeld zum Schauplatz des XX. Weltjugendtages. Hunderttausende junge Menschen aus aller Welt versammelten sich hier, um gemeinsam mit Papst Benedikt XVI. zu feiern. Das Marienfeld trägt seinen Namen übrigens nicht von ungefähr: Er ist eine Widmung an die Jungfrau Maria, die in Form einer schwarzen Madonna heute noch in einer kleinen Kapelle im Marienfeld zu finden ist.
Vom Westen her gibt es eine asphaltierte Zufahrt ins Feld, aber Achtung, die hat es in sich! Auf etwa 300 Metern ist der Asphalt so schlecht, dass es sich anfühlt, als würde man über ein Flickenteppich aus Kopfsteinpflastern radeln.

Und dann diese verschlammte Kurve – ein echter Härtetest für Mensch und Maschine, oder besser gesagt: für Radler:innen und ihre Drahtesel.

Aber keine Sorge, danach wird der Weg blitzschnell besser!
Generell gibt es im Marienfeld nur zwei asphaltierte Wege, beide im südlichen Teil.

Der Rest sind geschotterte Pisten unterschiedlicher Güte, die das Radfahren dort mitunter zu einer kleinen Herausforderung machen. Man muss schon etwas aufpassen, wo man hintritt und wie viel Kraft man in die Pedale steckt. Aber ich war ja auf dem gut ausgebauten Weg unterwegs, der von der Gedenkstätte für den Ort Boisdorf Richtung Habbelrath führt – oder man biegt an der Gabelung nach rechts ab, Richtung Kieswerkstraße.
Das Marienfeld ist heute eine Mischung aus Ackerland und Oase der Ruhe. Auf der einen Seite siehst du die Landwirt:innen, die hier ihre Felder bestellen und die reiche Erde nutzen, die sich aus der Renaturierung entwickelt hat. Auf der anderen Seite ist es ein beliebter Ort zur stillen Erholung: Spaziergänger:innen, Läufer:innen und Radfahrende finden hier ihren Platz abseits vom Trubel. Apropos besondere Orte: Inmitten des Feldes ragt der Papsthügel auf, ein künstlich aufgeschütteter Hügel. Er erinnert an die Heilige Messe, die Benedikt XVI. hier zelebrierte. Von oben bietet sich eine fantastische Aussicht über die weite Landschaft. Es ist ein Ort der Besinnung und des Gedenkens, der die Atmosphäre des Marienfeldes noch einmal auf eine ganz besondere Weise prägt.
Leider ist die Anziehungskraft so groß, dass immer wieder Autofahrer:innen versuchen, sich die Naherholung per Auto zu erschließen, obwohl das eigentlich verboten ist. Gestern hab ich fast zehn Autos gezählt. Das ist schade, denn diese Wege sind doch eigentlich für uns Radfahrende gemacht.

Abgesehen von dem kurzen, kaputten Abschnitt im Westen ist der asphaltierte Weg durchs Marienfeld ein wahrer Genuss. Ich liebe diese Route, die ich mal im, mal gegen den Uhrzeigersinn fahre. Wer die Runde gegen den Uhrzeigersinn angeht, hat sogar einen leicht fallenden Weg und kann die knapp über drei Kilometer fast im Tiefflug zurücklegen.

Kurz gesagt: Das Marienfeld ist immer einen Abstecher wert, egal ob für eine ausgiebige Tour oder eine rasante Durchreise. Es ist einfach so viel mehr als nur eine freie Fläche.
Also, wie seht ihr das? Habt ihr vielleicht schon eure eigenen Geschichten aus dem Marienfeld zu erzählen oder kennt ihr andere Orte, die eine ganz besondere Atmosphäre haben? Teilt eure Gedanken doch in den Kommentaren, ich bin gespannt darauf, sie zu lesen!

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