Take a ride on the wild side

Interview mit Jörg Schubert (Schorsch) von CYCLE4WATER und Andrea aus Wuppertal auf der Cyclingworld 2025

Schorsch und Jo am Stand von CYCLE4WATER auf der Cyclingworld 2025

Am ersten „richtigen“ Messetag bin ich auf dem Weg von der Schmiedehalle in die Kaltstahlhalle des Messegeländes an einem Stand vorbei gelaufen, der mich sofort elektrisiert hat. Er wirbt für CYCLE4WATER und gegen eine kleine Spende gibt es ein alkoholfreies Bier und gegen eine größere eine schicke Mütze von der Schicken Mütze mit Aufschrift CYCLE4WATER. 

Klar, dass ich am Stand jemanden interviewen wollte und nach einer kurzen Zeit traf ich dann Jörg Schuster, der wollte, dass ich ihn Schorsch nenne. 

Axel:

Schorsch, wir sitzen hier am Wahoo-Stand auf einem Sofa, aber eigentlich kommen wir von einem anderen Stand, nämlich CYCLE4WATER. Als ich da vorhin vorbei gegangen bin, fand ich das total spannend und du kannst uns bestimmt erzählen, was das eigentlich ist. Was macht CYCLE4WATER? 

Schorsch:

Also Cycle for Water initiiert und organisiert Rad-Events oder ist bei Rad-Events dabei, um auf die well:fair-Foundation aufmerksam zu machen. Das ist eine Stiftung, die sich für WASH-Projekte (Anm: Sanitärversorgung und Hygiene) und Brunnen-Projekte in Kenia, Tansania und Äthiopien einsetzt.

Axel:

Du sagst, das sind also Rad-Benefit-Veranstaltungen, an denen ihr teilnehmt? Oder wie läuft das genau? 

Schorsch:

Also entstanden ist das vor zwei Jahren. Ich war auf einer Veranstaltung von well:fair und es war sehr, sehr beeindruckend für mich zu sehen, was die Stiftung macht. Ich kannte die Stiftung schon vorher, aber ich habe gedacht, ich muss mehr machen als nur spenden. Ich wollte eine Aktion ins Leben rufen und habe bei dem damaligen Treffen den Stiftungsgründer Neven Subotic getroffen und habe ihn gefragt: Wie kann ich euch unterstützen. Ich bin gerade total angezündet von dem, was ihr da macht. Er hat zu mir gesagt, nimm dir einen Zettel und schreib auf, was du gerne machst, was du gut kannst und wie viel Zeit du dafür hast.Dann treffen wir uns bei uns in der Stiftung und wir überlegen, was du daraus machen kannst. 

Ich habe mir diese Fragen gestellt. Was ich gerne mache, kann man jeden fragen. Ich glaube, ich fahre schon ewig und immer Fahrrad und gerne. Was ich gut kann, was sagt man jemandem, was man gut kann, ist immer schwierig zu sagen, aber ich glaube, ich kann mit Leuten gut in Kontakt treten, ich bin glaube ich ganz gut vernetzt und ich kann Menschen von etwas überzeugen, wenn ich selber von der Sache zu 100 Prozent überzeugt bin.

Und ich habe dann gesagt, ich mache eine Aktion, ich fahre 500 Kilometer von Dortmund nach Berlin an einem Tag, um auf die well:fair aufmerksam zu machen und Spendengelder zu generieren. Der Claim war so ein bisschen „Radfahren für einen Brunnen in Kenia“. Also das Ziel war, so viele Spendengelder zusammen zu bekommen, dass ein Brunnen in Kenia gebohrt werden kann.

Axel:

Bei dieser einen Radfahrt hast du dann auch so viele Gelder eingenommen? 

Schorsch:

Ja, tatsächlich standen die Gelder, bevor ich losgefahren bin, schon fest und das war auch gut so. Ich bin tatsächlich genau eine Woche, bevor das Event sein sollte, was groß angekündigt war, ganz schwer gestürzt. Ich habe mir neun Rippen gebrochen und das Schlüsselbein und da ist der Community-Gedanke geboren worden. Es haben sich Leute gefunden, die gesagt haben, wir fahren für dich nach Berlin, wir fahren als Staffel und sie sind an einem Tag dann als Staffel gefahren. Ich lag noch im Krankenhaus, habe das verfolgen können auf Insta und für mich war klar, wir machen weiter und jetzt machen wir es wirklich so. CYCLE4WATER ist nicht Jörg Schubert, also der Schorsch, sondern CYCLE4WATER sind wir alle. Ich wollte die komplette Rad-Community mitnehmen, Firmen aus der Radbranche, Radclubs, alle Leute, die gerne Fahrrad fahren, und sagen, wir machen gemeinsam auf den Zugang zu sauberem Trinkwasser, was UN-Menschenrecht ist, aufmerksam.

771 Millionen Menschen auf dieser Welt haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, das sind ungefähr zehnmal so viele, wie in Deutschland leben, und das, obwohl es UN-Menschenrecht ist. Und darauf wollen wir aufmerksam machen und wir machen das, was wir sowieso machen, gerne machen, Fahrrad fahren und widmen das diesem Zweck und sammeln Spendengelder.

Axel:

Das heißt aus einer Einzelaktion ist so eine richtige Community, eine richtige Bewegung geworden, um sauberes Trinkwasser in Afrika zu fördern und herzustellen.

Schorsch:

Ja, genau das ist es, es wird gerade auf jeden Fall eine immer größere Community, wenn wir überlegen, dass wir bei einer, oder besser gesagt bei zwei Personen, ich habe das mit einem Freund zusammen, dem Schado, ins Leben gerufen, es sind jetzt immer mehr Leute. Wir haben auch Menschen, die uns anrufen und sagen, wir finden eure Idee gut, wir wollen euch unterstützen, wir sind aus Münster, wir sind aus Düsseldorf, wir fahren sowieso Fahrrad, wir organisieren einen Ride oder ein Zwölf-Stunden-Event, bei dem man so eine Art Ticketing als Anmeldung macht und wir wollen euch das Geld spenden, weil wir zeigen wollen, wir gehören auch dazu, wir sind auch Cycle-Forwarder.

Axel:

Ist das eine formale Organisation, ein Verein oder so etwas oder seid ihr eine Bewegung, der man sich einfach mit, ich sag mal, beliebigen Aktionen anschließen kann? 

Schorsch: 

Oh, das ist ein gutes Thema, was du da jetzt gerade ansprichst.

Wir sind weder eine Initiative noch sind wir ein Verein. Nein, wir sind eigentlich zwei sehr gute Freunde, die diese Idee hatten. Also wir haben keine Gesellschaftsform, da es aber immer größer wird, müssen wir vielleicht mal überlegen, ob da sowas wie ein Verein raus werden könnte, aber uns geht es eigentlich darum, auch zu zeigen, es waren zwei Leute, die hatten eine Idee und jetzt wird es größer, aber wir sind nicht irgendwie eine Gesellschaftsform im Sinne eines Vereins oder so, das ist nicht so. Man könnte sagen, wir sind ein Projekt momentan und es kann sich jeder oder es soll sich jeder dem anschließen und überlegen, wie er in seinem Bereich mit seinen Radfahrfreunden, egal ob Mountainbiker, egal ob Gravelfahrer, egal ob Rennradfahrer, können auch Hollandradfahrer sein, es können auch Laufradfahrer sein, ist völlig egal, es geht darum, wir alle tun etwas für soziale Gerechtigkeit.

Das ist eigentlich das große Ziel.

Axel:

Und wie kann man sich an euch wenden, wie ist der Kontakt? Ich würde das gerne auch in meinem Blog nochmal bewerben, denn ich bin auch begeistert, ich habe mir auch gerade eine schöne Mütze hier erspendet. Also, wie kommt man ran an Euch?

Schorsch: 

Also ich glaube der einfachste Weg ist, uns entweder auf Insta zu folgen unter CYCLE4WATER, ganz wichtig, geschrieben Cycle, dann die Ziffer 4 und dann Water oder auf unserer Homepage https://www.cycle4water.de.

Auf der Homepage bekommt man sehr gut Hintergrundinformation, einmal warum wir uns für die well:fair-Stiftung entschieden haben, als Foundation, die wir unterstützen wollen.

Da steht so ein bisschen was zu unserer Geschichte drin, wie wir entstanden sind. Da steht was drin zu meiner Reise nach Kenia. Ich durfte die well:fair Foundation nach Kenia begleiten und werde auch in naher Zukunft, so hoffe ich, Botschafter der Stiftung werden.

Das heißt also, ich sehe so ein bisschen auch, ich bin Lehrer, dass wir einen Bildungsauftrag haben mit CYCLE4WATER. Es geht darum, Spendengelder zu sammeln, aber es geht auch darum, Leute zu informieren, wie wichtig der Zugang zu saurem Trinkwasser ist. Weil das ist nicht nur pures Überleben und was zu trinken haben. Wenn ich nicht mehr zu einer Wasserquelle laufen muss, stundenlang, können Kinder zur Schule gehen. Wenn sie sauberes Wasser haben, sind sie gesund.

Und das heißt also, Wasser ist Bildung, Wasser ist Gesundheit und Wasser ist, und das habe ich vor Ort gemerkt, wir schenken oder nicht schenken würde ich noch nicht mal sagen, aber die Menschen haben Hoffnung aufgrund dieser Möglichkeit, dass sie eine Wasserstelle haben, eine Wasserentnahmestelle, zu der sie nicht so weit laufen müssen.

Axel:

Ich bin begeistert von deiner Begeisterung. Du lebst das und du strahlst das jetzt gerade total aus und das kann man in Worten gar nicht rüberbringen. Ich danke dir ganz herzlich für dieses Interview.

Aber, willst du noch etwas loswerden, was ich nicht gefragt habe?

Schorsch: 

Ja, was ich loswerden möchte noch, das ist tatsächlich ein etwas trauriger Hintergrund, aber wir stellen gerade fest, dass die Welt in Veränderung ist und staatliche Entwicklungsförderprogramme gerade extrem gekürzt werden. Ich nenne ein Beispiel und ich sage extra ein Beispiel. Herr Trump hat sich jetzt überlegt, dass er die USAID auf Eis legt, das heißt, es werden keine Gelder mehr fließen. Das heißt, dass momentan alle drei Minuten ein Mensch stirbt. Alle drei Minuten.

Und ich würde sagen, wenn diese staatliche Unterstützung wegfällt, ist gesellschaftliches Engagement umso mehr gefragt. Und die Gesellschaft sind wir alle und ich möchte alle aufrufen, jeder kann was tun, jeder macht was. Jeder stellt sich diese drei Fragen und wird eine Lösung finden, wie er andere Menschen unterstützen kann. 

Axel: 

Vielen Dank. Ich werde alles tun dafür, das zu unterstützen. Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview bei dir. Mach weiter so und ich bin dabei.

Nachdem ich jetzt mit Schorsch hier gerade ein Interview geführt habe, der ja über die well:fair-Stiftung gesprochen hat und für CYCLE4WATER glüht, habe ich jetzt noch jemanden getroffen, eine nette Frau, die gerade hier neben mir am Tresen am Stand steht und die ich jetzt einfach mal fragen möchte, A, wie sie heißt, wie ich sie nennen soll in meinem Interview und B, was sie denn spannend findet an diesem Stand hier.

Andrea und Axel am Stand von CYCLE4WATER auf der Cyclingworld 2025

Andrea: 

So, ich bin die Andrea. Ich komme aus Wuppertal, extra hergeradelt. Und was ich spannend finde, ist natürlich nicht nur das Bier, sondern auch das Projekt als solches, weil ich finde es total wichtig, dass wir uns als Rad-Community auch einsetzen für die, die es nicht so gut haben.

Wir haben Trinkwasser in bester Qualität aus der Leitung. Wir brauchen sowas nicht irgendwie kaufen, wir brauchen nicht selber filtern, all diese Dinge. Da finde ich das ganz super, wenn dieses Projekt hier unterstützt wird. Das ist prima. 

Axel:

Hast du denn schon vorher davon gehört oder bist du jetzt hier gerade vorbeigelaufen und hast gedacht, das ist ja interessant.

Andrea: 

Ich habe schon von mehreren Wasserprojekten gehört und auch gesehen und gelesen, aber dass der Stand jetzt hier ist, das habe ich jetzt quasi beim dran vorbeigelaufen bemerkt. 

Axel: 

Ja genau, das war bei mir auch so und ich Ich fand das auch total spannend wie du.

Ich bedanke mich für das Interview und ich freue mich, dass es noch mehr Leute und viele Leute hier gibt, die in die Spendenbox was einwerfen und Mützen kriegen und ein Bier trinken.

Habe ich dich etwas nicht gefragt, was du noch gerne sagen möchtest?

Andrea: 

Wüsste ich jetzt nicht, ist aber auf jeden Fall eine nette Atmosphäre hier. Es macht Spaß und Lust auf ein weiteres Bier.

Kommentar

  1. […] Interview mit Jörg Schuster (Schorsch) von CYCLE4WATER und Andrea aus Wuppertal auf der Cyclingworl… […]

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Warum ich Rad fahre

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen