
Jetzt bin ich mal gerade einen Abend, eine Nacht und einen Tag in Berlin – und schon hat mich die Stadt wieder vollkommen in ihren Bann geschlagen.
Aber welcher Art ist dieser Bann? Was macht diese Stadt so besonders?
Für mich ist es, dass alles einfach ist. Ich komme hier an und merke, dass ich keine Pläne brauche, keine vorbestimmten Wege, keine großen Vorbereitungen.
Ich finde mein Hotel einfach und auf geraden Wegen. Ich muss nicht lange suchen, um mein Abendessen „auf die Faust“ in einem Rewe ein paar Meter weiter zu besorgen.
Ich radele los und finde das Brandenburger Tor – und ein paar Meter weiter die Spree und einen wunderschönen Platz, wo ich zu Abend essen kann. Ich finde natürlich zurück, ohne zu navigieren.
Ich muss nicht viel tun, um die Nutten, die ein paar Meter von meinem Hotel herumstreifen, loszuwerden.
Die Musik, die ein Jazz-Quartett vor einer Kneipe direkt gegenüber meinem Hotel spielt, endet vor meiner Schlafenszeit.
Das Frühstück in meinem Hotel ist zwar zu teuer, aber nach meinem Geschmack.
Ich finde meinen Weg zur VELOBerlin auch ohne Rad mit der U-Bahn einfach – und so, dass ich auf dem Rückweg nicht in mein Handy starren muss.
Ich finde eine Kneipe, in der es leckeres Berliner Kindl gibt und in der die Atmosphäre wie gemacht für diesen Artikel ist – fünfzig Meter entfernt von meinem Hotel.
Es ist alles einfach in Berlin. Es gibt alles. Ich finde alles. Ich finde, was ich nicht suchte.
Das macht Berlin aus. Trotz der monumentalen Gebäude, der großen Politik, der vielen Dank- und Mahnmale, der Geschichte an jeder Ecke – hier ist Leben überall, und die Menschen gehen ihren Dingen nach.
Und das können alle hier tun: ihr Ding machen. Aus einem riesigen Reservoir von Möglichkeiten schöpfen, die Augen aufmachen und sehen.
Natürlich verstehe ich die Stadt nicht, aber ich meine, den Teil davon zu verstehen, der für mich wichtig ist. Ich bin hier schnell nicht mehr Gast, sondern Teil.
Dieses Gefühl habe ich selten, wenn ich irgendwo anders bin.
Ich habe den Eindruck, die Stadt kümmert sich um sich, nimmt sich aber nicht so wichtig wie andere. Das gefällt mir.
Ich komme gerne hierher. Ich bin gerne hier.
Das ist meine bescheidene Liebeserklärung an Berlin.


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