
đĄđ´ââď¸ Liveticker: Tag 6 âKurze Nacht, karges FrĂźhstĂźck und die Wildnis am Mittellandkanal
Guten Morgen von Tag sechs! Heute steht die Etappe von Wolfsburg rßber nach Stendal an. Die Nacht war dieses Mal ein ganzes Stßck kßrzer als die vorherigen. Das Lag natßrlich an dem wunderschÜnen Abend gestern in der Pizzeria, den unsere Mitfahrerin aus dem letzten Jahr so grandios arrangiert hatte. Es wurde einfach etwas später, sodass am Ende nicht viel mehr als siebeneinhalb Stunden Schlaf zusammengekommen sind.
Die Nacht habe ich im Budget Hotel StadtZimmer Wolfsburg verbracht. Sagen wir es mal so: Es ist extrem funktional und simpel eingerichtet, aber fĂźr genau eine Nacht ging das schon irgendwie in Ordnung. Das wirklich Witzige an dem Hotel ist allerdings die Lage meines Zimmers: Ich wohne hier im Erdgeschoss, und zwar so unmittelbar an der StraĂe, dass praktisch alle Leute, die auf dem Gehweg am Hotel vorbeilaufen, mir direkt ins Zimmer schauen kĂśnnen. Andersherum habe ich natĂźrlich auch die perfekte Logenaussicht nach drauĂen â zumindest so lange, wie ich die Vorhänge offen lasse. So ein âSchaufenster-Zimmerâ hatte ich auf meinen Touren auch noch selten oder nie, aber man nimmt es eben, wie es kommt!
Ein Frßhstßck wird hier im Haus ßbrigens erst gar nicht angeboten, und mein selbst improvisiertes Frßhstßck war heute Morgen ehrlich gesagt so dßrftig, dass ich euch an dieser Stelle lieber kein Bild davon präsentiere. Da bin ich aus den letzten Tagen definitiv Besseres gewohnt!
Proviant-Jagd vor dem Start
FĂźr mich geht es jetzt gleich ans Packen der Taschen. Danach steht ganz oben auf dem Zettel: Proviant besorgen fĂźr den Tag! Die Erfahrenen aus der Truppe haben schon signalisiert, dass es unterwegs heute wohl eher dĂźnn aussehen wird mit spontanen EinkaufsmĂśglichkeiten oder Bäckern. Wir werden heute wohl ein längeres StĂźck direkt am Mittellandkanal entlangrollen â landschaftlich bestimmt reizvoll, aber eben auch viel freie Natur ohne Supermärkte.
Wie sich die Strecke, das Wetter und die Beine heute insgesamt schlagen werden? Ich weiĂ es jetzt natĂźrlich selbst noch nicht. Aber ihr kennt das Spiel: Ihr erfahrt es hier im Ticker wie immer als Erste! Packen wir es an! đđŤđđ´ââď¸đ¨
Vorhänge zu, Taschen zu und ab aufs Rad â hab eine gute Fahrt heute!
Befreiungsaktion, Vorrats-Update und Zuwachs im Rudel
Das #GSpot ist mittlerweile erfolgreich aus seiner unglĂźcklichen Erdgeschoss-Lage befreit

und die Taschen sind am Rad verstaut! Bevor es auf die Piste ging, habe ich im Penny in der Nähe des Wolfsburger Hauptbahnhofs erst mal pflichtbewusst meine Vorräte fßr den Tag aufgestockt. Sicher ist sicher, wenn es gleich in die Bäcker-Diaspora am Kanal geht.
Nebenbei habe ich auf den paar Metern einfach noch ein paar EindrĂźcke der Stadt aufgesaugt.


Wolfsburg ist und bleibt natĂźrlich die VW-Stadt schlechthin. Das gigantische Logo am Werk kennt ihr ja nun wirklich alle in- und auswendig â deshalb verzichte ich an dieser Stelle auch ganz bewusst auf das millionste Foto davon. Ihr wisst ja, wie es aussieht! đ
Traumwetter und RĂźckenwind-Garantie
Ein ganz breites Grinsen zaubert mir der Blick nach oben ins Gesicht: Das Wetter sieht einfach fantastisch aus! Sowohl aktuell am Himmel als auch in der Wettervorhersage stehen die Zeichen voll auf Radel-Glßck. Gerade scheint herrlich die Sonne, es ist angenehm frisch und nicht zu warm. Und das Beste: Es weht wieder ein ordentlicher Wind, der uns genau in Richtung Stendal schieben wird. Das läuft!
Der Gruppen-Express wächst!
Am Hauptbahnhof angekommen, gab es direkt eine tolle Ăberraschung: Unsere Gruppe ist soeben um eine weitere Mitfahrerin gewachsen! Sie wird uns auf dem kompletten Weg bis nach Stendal begleiten. Verstärkung im Rudel ist immer groĂartig!

Wir scharren hier am Bahnhof alle schon ungeduldig mit den Reifen. Die Kurbeln sind geĂślt, der Proviant ist verstaut und es geht jetzt jeden Moment los.
Stendal, wir kommen! Bleibt dran fĂźr die nächsten Updates vom Kanal! đ´ââď¸đ´ââď¸đ¨âď¸đ¨
09:30 Uhr Allersee



10:30 Uhr: unfreiwillige Pause am Mittellandkanal, eine Mitfahrerin, hatte einen Platten. Aber mit gemeinsamen Anstrengungen haben wir es geschafft, den Reifen zu reparieren.

Erste GrĂźĂe aus Sachsen-Anhalt und das groĂe Berlin-Rätsel
Die Landesgrenze haben wir unbemerkt Ăźberrollt: Das Rudel meldet sich aus Sachsen-Anhalt! Wir legen gerade eine kurze Verschnaufpause ein, um die Beine kurz auszuschĂźtteln und den genialen RĂźckenwind zu genieĂen.
Dabei ist mir direkt etwas Skurriles ins Auge gesprungen: Auf den Hauswänden und Aufschriften hier im Ort tauchen doch tatsächlich schon die ersten Anzeichen und Verweise auf Berlin auf! Das sorgt in der Truppe natĂźrlich sofort fĂźr groĂe Augen und reichlich Spekulationen. Aber die Realität holt uns schnell ein: Ich glaube, bis zur echten Spree ist es dann doch noch ein ganz schĂśnes StĂźck Holz vor unserer Brust. Da trĂźgt das Berliner Flair an den Fassaden wohl ein wenig die Kilometer-Anzeige.

GroĂe Pause im Anflug
Lange halten wir uns hier nicht auf. In etwa einer Dreiviertelstunde ist eine grĂśĂere, ausgiebige Pause geplant â perfekt, um den Penny-Proviant zu plĂźndern und Kraft fĂźr den Endspurt nach Stendal zu sammeln.
Sobald wir dort sitzen, fĂźttere ich den Ticker direkt mit neuen Infos. Bleibt dran, der RĂźckenwind-Express rollt weiter! đ´ââď¸đ´ââď¸đ¨đşď¸đ
DrĂśmling-Idylle, tiefe Muskeln und ein bedrĂźckender Stopp in Buchhorst
14:15 Uhr: Halbzeit fĂźr heute! Wir haben eine Zwischenstation in Gardelegen eingelegt. Das ist ein wirklich hĂźbscher Ort, gute 50 Kilometer von unserem Startpunkt in Wolfsburg entfernt.

Diese ersten 50 Kilometer hatten es landschaftlich absolut in sich. Zum Teil ging es schnurgerade und entspannt entlang des Mittellandkanals.

Zum Teil fĂźhrte uns der Weg aber auch mitten durch den sogenannten DrĂśmling.
đ Ein Blick in die Natur: Das âLand der tausend Gräbenâ
Der DrĂśmling ist ein faszinierendes, grenzĂźbergreifendes Naturschutzgebiet zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. FrĂźher ein fast unzugängliches Sumpfgebiet, wurde es im 18. Jahrhundert durch ein ausgeklĂźgeltes Kanalsystem trockengelegt. Heute ist das offizielle UNESCO-Biosphärenreservat als âLand der tausend Gräbenâ bekannt. Es bietet einen einzigartigen Lebensraum fĂźr seltene VĂśgel, Biber und Fischotter â und mittendurch fĂźhren die ganz typischen Wege hier im Osten. Ein echter Hingucker.


Allerdings gab es zwischendurch auch immer wieder raue Streckenabschnitte, die man wohlwollend als âperfekt fĂźr die Aktivierung der tiefen Rumpfmuskulaturâ beschreiben kĂśnnte.

Uns hat es jedenfalls ordentlich durchgerĂźttelt!
Ein Moment des Innehaltens in Buchhorst
Unterwegs haben wir in Buchhorst kurz angehalten. Dort haben wir uns das Mahnmal fĂźr die Opfer des Nationalsozialismus angeschaut â genauer gesagt fĂźr die Opfer der grausamen Todesmärsche im Jahr 1945.


Vor diesen historischen Spuren zu stehen, war tatsächlich tief bedrßckend und hat die ganze Truppe sehr nachdenklich gestimmt. MÜge so etwas nie wieder passieren! Nie wieder ist jetzt!
Kraft tanken im historischen âGardeâ
Jetzt sitzen wir hier im schĂśnen Gardelegen â oder einfach âGardeâ, wie man hier sagt â und machen erst mal eine ausgiebige, wohlverdiente Pause, bevor wir das letzte TeilstĂźck nach Stendal unter die Reifen nehmen.
đ Unser Pausenort: Die alte Hansestadt Gardelegen

Gardelegen blickt auf eine stolze Geschichte zurĂźck und ist eine der ältesten Städte der Altmark. BerĂźhmt wurde sie im Mittelalter als Hansestadt durch den Hopfenanbau und ihr geschätztes Bier, das âGarleyâ.
Wer heute durch den Ort rollt, trifft auf eine wunderschÜne, historische Kulisse: Eine fast vollständig erhaltene Stadtmauer, mächtige Tore und wunderschÜne alte Fachwerkhäuser prägen das Bild.

Und wusstet Ihr schon? Gardelegen ist die drittgrĂśĂte Stadt Deutschlands, was die Fläche angeht.
Ein paar meiner mitgebrachten Speisen habe ich schon verputzt. Jetzt gĂśnne ich mir zur Feier des Tages noch ein leksches Eis und einen frischen Kaffee.
Die Akkus werden geladen, der RĂźckenwind wartet drauĂen â gleich geht es weiter! Bleibt auf Empfang! đŚâđ˛đ´ââď¸đ´ââď¸
Punktlandung in Stendal â 90 Kilometer im Kasten und das Finale im Blick
17:50 Uhr: Punktlandung! Nach knapp 90 Kilometern im Sattel haben wir unseren heutigen Zielort Stendal erfolgreich erreicht. Die Beine sind zwar etwas mßde, aber der Rßckenwind hat uns heute wirklich phänomenal hierher getragen.

Ganz Feierabend ist fĂźr heute allerdings noch nicht, und deshalb mĂśchte ich den Liveticker auch jetzt noch nicht endgĂźltig abschlieĂen. Es gibt hier vor Ort im Rudel erst noch ein bisschen organisatorischen Kram zu regeln. Ich warte jetzt hier am Treffpunkt noch einen kurzen Moment, bis alles sortiert ist, und dann rolle ich erst mal ganz entspannt zu meiner Unterkunft, um das Gepäck abzuwerfen und mich frischzumachen.

Fortsetzung folgt beim Abendessen!
Das Beste kommt ja bekanntlich immer zum Schluss: FĂźr heute Abend haben wir uns alle schon wieder zu einem gemĂźtlichen, gemeinsamen Abendessen verabredet. Die Akkus mĂźssen schlieĂlich fĂźr morgen wieder mit ordentlich Kohlenhydraten geladen werden! Von dort werde ich mich heute Abend definitiv noch einmal bei euch melden und berichten, wie Tag sechs im Osten gemĂźtlich ausklingt.
Also: Schaltet das Smartphone noch nicht aus und bleibt noch ein bisschen im Liveticker aktiv. Bis später, wir lesen uns! đđ´ââď¸đ´ââď¸đť
Bitterer Materialbruch â Olli muss die Tour in Stendal abbrechen
Jetzt ist es raus, was noch zu regeln war â und ich schreibe diese Zeilen wirklich mit einem extrem schweren Herzen. Wir haben heute leider einen ganz bitteren Verlust im Team zu beklagen.

Das ADFC-Chike-Lastenrad, das uns begleitet hat, hat kapituliert: Auf beiden Seiten vorne sind Speichen gebrochen.

Ein absoluter Totalschaden fĂźr die Weiterfahrt.
Wir organisieren jetzt gerade Ăźber die groĂartigen Kolleg:innen vom ADFC Stendal einen sicheren Abstellplatz, wo wir das Lastenrad erst mal unterbringen kĂśnnen. Denn Fakt ist leider: Das Rad bewegt sich keinen Meter mehr aus eigener Kraft weiter.

TschĂźss, Olli! Du wirst uns unglaublich fehlen
Das Schlimmste an der ganzen Sache ist aber nicht das kaputte Aluminium oder der Stahl â sondern die menschliche Konsequenz. Mit dem Ausfall des Rades verlieren wir fĂźr den Rest der Tour meinen guten Freund und die absolute gute Seele unseres gesamten Zubringers.

Olli wird von hier aus die Heimreise antreten mĂźssen. FĂźr ihn ist die Fahrt zum groĂen Zielort Berlin damit leider vorzeitig beendet.
Das ist einfach so unendlich schade, dass man es kaum in Worte fassen kann. TschĂźss, Olli! Machâs gut, alter Kumpel. Wir sehen uns spätestens bei der Sternfahrt Ruhr wieder â danke fĂźr alles, was du bis hierher fĂźr die Truppe getan hast!
Der Schock sitzt tief, aber die Bande muss jetzt irgendwie den Kopf hochkriegen. Wir rollen gleich rĂźber zum Abendessen, um den Tag gemeinsam sacken zu lassen. Bis später. đđ˛đ˘
âLebbe geht weiterâ, so einst einer, der es wissen mussâŚ.
Duschen, gemeinsames Abendessen und jetzt geht es in die Heia.
Vorschau auf Tag 7 â Auf zur letzten groĂen Etappe Richtung Berliner Stadtrand!
Der Abschied von Olli sitzt uns allen tief in den Knochen, aber der Blick geht jetzt unweigerlich nach vorn. Morgen steht fĂźr uns die siebte und damit bereits die allerletzte organisierte Gruppen-Etappe auf dem Programm! Am Sonntag rollt dann ja schon der offizielle, groĂe ADFC-Zubringer zur Sternfahrt Berlin.
Das offizielle Etappenziel fĂźr morgen lautet eigentlich Nauen. Ich hatte allerdings riesiges GlĂźck und habe eine Unterkunft direkt am westlichen Stadtrand von Berlin ergattern kĂśnnen! Das ist fĂźr mich das perfekte Basislager: Von dort aus kann ich am Sonntagmorgen absolut tiefenentspannt und ohne groĂen Anreise-Stress direkt in den Sternfahrt-Express einsteigen.
Das 100-Kilometer-Finale vor der Avus
Bevor es so weit ist, wartet morgen aber noch mal ein richtig dickes Brett auf die verbliebene Gruppe. Es geht auf eine wunderschĂśne, lange Etappe Ăźber fast 100 Kilometer. Die Beine mĂźssen morgen frĂźh also noch einmal richtig abliefern!
Die Taschen sind fĂźr heute gepackt, der Kopf ist trotz allem bereit fĂźr den Endspurt im Osten. Wie gewohnt gilt das Gesetz des Blogs: Ihr seid morgen frĂźh die absolut Ersten, die von mir erfahren, wie wir in den groĂen Finaltag starten.
GenieĂt euren Abend, schlaft gut und drĂźckt uns fĂźr die 100-Kilometer-Marke morgen alle Daumen! Bis morgen frĂźh auf diesem Kanal! đđđ´ââď¸đŞđş


Kommentar verfassen