Take a ride on the wild side

Zwischen KI-Nutzung und Umweltkritik: Mein Blick aus dem Sattel

Construction site with crane lifting materials and workers building large structure at sunset
Construction workers build a large structure at sunset in a rural setting

Vor der eigenen Haustür: Hyperscaler, Notstrom-Diesel und die Kehrseite des KI-Booms 🚴‍♂️💻🌱

Seit ich von der Zappanale aus Bad Doberan zurück bin, rollen die Räder wieder fleißig durch das heimische Revier. Ich habe über lokale Themen wie die Grüne Spange in Kerpen und die Erft berichtet, aber auch über regionale Dauerbrenner wie die verlängerte Sperrung der Regionalbahn-Strecke zwischen Horrem und Düren sowie das anhaltende Bahn-Chaos in Köln und Bonn.

Heute geht es um ein Thema, das ganz lokal vor unserer Haustür stattfindet, zugleich aber eingebettet ist in eine weltweite Entwicklung: der Bau der Microsoft-Hyperscaler in Elsdorf, Bergheim und Bedburg. Wer meinem Blog folgt, weiß: Die Baustellen dieser Mega-Rechenzentren stehen fest auf meiner Touren-Agenda, und ich fahre sie immer wieder regelmäßig mit dem Rad ab.

Dieselnotstrom im Rheinland: 36 Aggregate für ein Rechenzentrum? 🏭💨

In den letzten Tagen gab es dazu extrem aufschlussreiche Presseartikel. Gestern berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger im Lokalteil für den Rhein-Erft-Kreis über eine scharfe Kritik des Umweltverbandes BUND.

Was mir (und vermutlich den meisten Bürger:innen) bisher gar nicht bewusst war – auch weil das gesamte Verfahren erschreckend intransparent abläuft: Der BUND hat aufgedeckt, dass allein das geplante Rechenzentrum in Bergheim durch 36 Dieselnotstromaggregate mit einer gewaltigen Feuerungswärmeleistung von rund 300 Megawatt abgesichert werden soll!

Der BUND kritisiert diese fossile Absicherung als vollkommen aus der Zeit gefallen – und ich finde: vollkommen zu Recht! Ebenso prangert der Verband die fehlende Nutzung der enormen Abwärme sowie die großflächige Flächenversiegelung an. Wenn man bedenkt, wie sehr uns die Rekordtemperaturen und Dürreperioden der letzten Wochen zu schaffen machen, wirken solche Baupläne wie ein Rückschritt in die Steinzeit der Energieplanung.

🔍 Hintergrund-Recherche: Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) und die Abwärme

Welche Vorgaben gelten für Neubauten von Rechenzentren? Seit Ende 2023 gilt in Deutschland das Energieeffizienzgesetz (EnEfG), das strenge Anforderungen an den Betrieb neuer Rechenzentren stellt:

  • Effizienzwerte (PUE): Für Rechenzentren, die ab Juli 2026 den Betrieb aufnehmen, schreibt der Gesetzgeber eine sogenannte Power Usage Effectiveness (PUE) von höchstens 1,2 vor – das bedeutet, dass für Kühlung, Beleuchtung und Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) maximal 20 % der Energie verbraucht werden dürfen, die für die reine IT-Leistung aufgewendet wird.
  • Abwärmenutzung & Transparenz: Betreiber sind gesetzlich verpflichtet, unvermeidbare Abwärme wiederzuverwenden (z. B. durch Einspeisung in kommunale Nah- und Fernwärmenetze) und entsprechende Abwärmepotenziale jährlich auf einer zentralen Plattform zu melden.
  • Das Praxis-Problem: In der Realität scheitert die Nutzung der gigantischen Abwärmemengen von Hyperscalern oft daran, dass am Standort keine geeignete Fernwärmeinfrastruktur existiert oder die Temperaturniveaus der Luftkühlung zu niedrig sind. Wenn die Wärme ungenutzt in die Umwelt verpufft, wird das gesetzliche Ziel der Energiewende konterkariert.

Protestwelle in den USA: Über Parteigrenzen hinweg 🇺🇸🛑

Dass wir im Rheinland mit diesen Sorgen nicht alleine sind, zeigte heute ein weiterer Bericht im überregionalen Teil des Kölner Stadt-Anzeigers. In den USA – dem Mutterland der Tech-Giganten – regt sich in immer mehr Gemeinden massiver Widerstand gegen den ungebremsten Bau von Megarechenzentren.

Spannend dabei: Der Protest schweißt die Menschen über alle Parteigrenzen hinweg zusammen. Die Sorge vor explodierenden Strompreisen, gewaltigem Wasserverbrauch für die Kühlung und der Entwertung der Landschaft führt dazu, dass immer mehr Kommunen den Bau neuer Hyperscaler schlichtweg verweigern oder streng limitieren.

🔍 Hintergrund-Recherche: Kühlung und der gigantische Wasserverbrauch

Wie viel Wasser braucht der KI-Boom wirklich? KI-Workloads stellen durch extrem leistungsdichte Grafikprozessoren (GPUs) völlig neue Anforderungen an die Infrastruktur. Wo klassische Server mit Luftkühlung auskommen, stoßen Hyperscaler an thermische Grenzen:

  • Verdunstungskühlung vs. Wasserbedarf: Viele Rechenzentren nutzen verdunstungsbasierte Kühltürme. Dabei wird Wasser verdunstet, um Wärme abzuführen – ein Prozess, der je nach Klimazone 1,5 bis 3 Liter Frischwasser pro verbrauchter Kilowattstunde (kWh) verschlingen kann.
  • Messgröße WUE: Die Water Usage Effectiveness (WUE) misst den Wasserverbrauch pro IT-Kilowattstunde. Große KI-Rechenzentren verbrauchen oft mehrere hunderttausend bis Millionen Liter Trink- oder Nutzwasser täglich. Bei einer 100-Wort-Anfrage an ein großes KI-Modell schätzen US-Forscher den indirekten Kühlwasserverbrauch auf über einen halben Liter.
  • Lokaler Wasserstress: Wird dieses Wasser in trockenen Sommern aus regionalen Grundwasserreservoirs oder dem Trinkwassernetz abgezogen, verschärft das die Konkurrenz zwischen Industrie, Landwirtschaft und Bürger:innen erheblich.

Im Spannungsfeld: Eigenes Nutzerverhalten vs. Ökologie ⚖️🤖

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Ich will ehrlich zu euch sein: Ich bin selbst Teil dieses Systems. Diese Hyperscaler werden vor allem gebaut, um den gigantischen Rechenhunger des aktuellen KI-Booms zu stillen. Und als regelmäßiger KI-Nutzer – sei es für den Feinschliff meiner Texte oder strukturierte Recherchen – nehme ich genau diese Kapazitäten täglich in Anspruch.

Ich möchte diese Technologie nicht missen und bin überzeugt, dass KI enormes Potenzial für Positives bietet. Aber wir bewegen uns hier genau im Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt, wirtschaftlicher Entwicklung, ökologischen Herausforderungen und auch der drängenden Frage nach digitaler Souveränität.

Für mich steht fest: Ich werde an diesem Thema weiterhin sehr aktiv dranbleiben! Mit den drei Microsoft-Hyperscalern vor meiner Haustür habe ich das perfekte Anschauungsobjekt – das sich zudem wunderbar mit meiner Leidenschaft fürs Radfahren verbinden lässt.

Euer Axel! 🖐️⚙️

Kommentare

  1. Und übermorgen stellt China was hin, das nur 1 Eiswürfel braucht. Und alle Westterroristen: Boykott, Sanktionen…

    1. Genau so wird es kommen…… Das fehlt mir, dass die KI mal überlegt, wie man sie gut in Infrastruktur bauen kann……

      1. Der Plan siegt: wenn ihr was Warmes baut, stellt ne Aluschmelze daneben. Ohne Plan- sprich: Reiche: juchhu. irgendwer baut irgendwas irgendwo, das ist IMMER toll.

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