Schienenersatzverkehr, Gamescom-Ansturm & Faltrad: Das NRW-Bahnchaos im Test

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Anzeigetafel im Schienenersatzverkhr-Bus der S6 von Langenfeld nach Köln Mülheim

Schienenersatzverkehr, Gamescom-Ansturm und die Kunst des Ausweichens: Das NRW-Bahnchaos im Selbstversuch 🚆🚌🚲

Wer derzeit im Rheinland mit der Bahn unterwegs ist, braucht vor allem zwei Dinge: starke Nerven und gute Strategien. Da die S6 auf der Kernstrecke noch bis Dezember komplett ausfällt, bleibt Ausweichenden oft nur der Bus. Zeit für einen echten Praxistest von Langenfeld zurück nach Horrem! Gestern Abend habe ich ja schon einmal in einem Live Ticker von einer Fahrt von Langenfeld nach Hause geschrieben.

Aber jetzt auch noch einmal etwas allgemeiner und auch spezifischer zum Schienenersatzverkehr (SEV).

Überraschend entspannt im SEV-Express 🚌✨

Mein Abenteuer begann am Donnestag Abend im Expressbus des Schienenersatzverkehrs ab Langenfeld. Und was soll ich sagen? Der Einstieg war verblüffend positiv. Pünktliche Abfahrt, reichlich freie Sitzplätze und ein entspannter Stellplatz für mein gefaltetes Brompton (#GSpot).

Mein Brompton im Schienenersatzverkhr Bus

Keine Spur von Überfüllung – im Bus konnte man von den gewohnten S-Bahn-Belegungen eigentlich nur träumen. Bis Leverkusen-Mitte ging es zügig durch, danach hielt der Bus regulär an den S6-Haltestellen, bis wir pünktlich den Wiener Platz und schließlich den Bahnhof Köln-Mülheim erreichten.

Hier zog ich gleich die erste praktische Erkenntnis für künftige Fahrten: Der Fußweg von der Bushaltestelle hoch zum S-Bahn-Gleis zieht sich ganz schön. Das nächste Mal falte ich das Brompton auf dieser Strecke definitiv auseinander und rolle entspannt über den Bahnsteig!

Gamer-Invasion, Durchsagen-Wirrwarr und das übliche Knotenpunkt-Chaos 🎮🚆

In Mülheim stieg ich rasch in die S11 um – dass von dort neben der S6 auch die S11 Richtung Hauptbahnhof fährt, verliert man im Alltagsstress ja manchmal aus dem Blick. Doch spätestens ab Köln Messe/Deutz war es vorbei mit der gewohnten Abendruhe: Die Hallen der Gamescom hatten ihre Tore geschlossen und wogende Passagierwellen voller Gamer fluteten den Bahnhof.

Am Kölner Hauptbahnhof ging das vertraute Geduldsspiel weiter: Verspätungen, geänderte Linienanzeigen und schließlich eine krachend volle S19. Selbst nach dem Ausstieg vieler Fahrgäste im Hauptbahnhof ähnelte das Abteil noch einer Sardinenbüchse – und das alles garniert mit rein deutschen Durchsagen, die für das internationale Gamescom-Publikum wohl ein echtes Rätsel blieben.

Die Hintergründe: Infrastruktur-Sanierung & Tarif-Realität 🔍

Der Blick auf die Details offenbart, warum solche Testfahrten derzeit so aufschlussreich sind:

  • Die Großbaustelle S6 & Korridorsanierung: Die DB InfraGO erneuert auf der Strecke zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf Gleise, Weichen sowie Brückenbauwerke und führt Vorarbeiten für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) durch. Wegen der gebündelten Arbeiten bleibt die Kernstrecke monatelang gesperrt. Das zeigt den immensen Sanierungsstau der Bahninfrastruktur – macht aber auch deutlich, warum gut organisierte SEV-Expressbusse aktuell die wichtigste Lebensader für Pendler:innen sind.
  • Fahrradmitnahme im SEV – Rechtliche und praktische Fakten: Wer im Ersatzverkehr unterwegs ist, stößt schnell auf tarifliche Hürden. Nach den Beförderungsbedingungen der NRW-Verkehrsverbünde (VRS/VRR) gilt für unzerlegte Standard-Fahrräder: Es besteht grundsätzlich kein Beförderungsanspruch. Die Mitnahme in SEV-Bussen liegt im Ermessen des Buspersonals, da Kinderwagen und Rollstühle strikten Vorrang haben und die Stellplatzkapazitäten in Bussen extrem limitiert sind. Zudem wird ein Fahrrad-Zusatzticket benötigt (z. B. das 24hFahrradTicket NRW). Anders sieht es beim gefalteten Faltrad aus: Nach § 11 der allgemeinen Beförderungsbedingungen gelten Falt- und Klappräder, die handelsüblich vollständig im kleinstmöglichen Packmaß zusammengeklappt sind, rechtlich als Handgepäck. Das bedeutet: Die Mitnahme ist im Schienenersatzverkehr kostenlos, es wird kein Zusatzticket benötigt und es gilt keine tarifliche Mitnahmesperre. Man ist nicht auf freie Fahrradstellplätze angewiesen, solange das Paket sicher verstaut werden kann.

Intermodalität als gelassener Ausweg 🚲🎒

Dass mein Brompton, meine Tasche und ich trotz allem noch in die volle S19 passten und ich ab Ehrenfeld sogar einen Sitzplatz ergatterte, verdanke ich genau dieser Kombination aus Flexibilität und verlässlichem Handgepäck-Status. Ab Horrem war die Fahrt für die S19 wegen der hohen Verspätung ohnehin vorzeitig zu Ende – ein klassisches Stück Bahn-Alltag.

Der Schienenersatzverkehr verliert seinen Schrecken, wenn die Busse pünktlich rollen und man die Umstiegsknoten kennt. Der Sanierungsstau auf den Schienen lässt sich nicht wegzaubern, aber mit einem kompakten Faltrad im Gepäck behält man selbst im größten Messe- und Baustellen-Chaos die Oberhand!

Wie erlebt ihr derzeit den Schienenersatzverkehr im Rheinland? Habt ihr euch auch schon durch den Baustellen-Sommer geschlagen? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren!

Euer Axel! 🖐️⚙️

11 Kommentare zu „Schienenersatzverkehr, Gamescom-Ansturm & Faltrad: Das NRW-Bahnchaos im Test“

  1. Avatar von Daggi Dinkelschnitte

    Was machen die zahlreichen Ersatzbusse, wenn Ersatz nicht gebraucht wird? Oder sehen die Unternehmen es bei DER Bahn als garantierten Einnahmeposten für die Ewigkeit?

    1. Avatar von warumichradfahre

      So genau weiß ich das nicht, ich denke aber, dass es so eine Art Pool gibt aus Bussen und auch Fahrerinnen und Fahrern. Darauf deutet zumindest hin, dass die Menschen, die die Busse lenken, meistens überhaupt keine Ahnung von den örtlichen Gegebenheiten haben. Ich hab selber schon erlebt und auch berichtet bekommen, dass es zu Irrfahrten durch die Städte kommt, weil sich niemand auskennt.

      1. Avatar von Daggi Dinkelschnitte

        Hier waren auch welche von OB nach Wesel- Arnheim unterwegs aus W, DN, MS u., da fand auch einer den Weg nicht.

      2. Avatar von Hannelore
        Hannelore

        Soweit mir bekannt ist, sind bei ausserplanmäßigen nötigen Schienenersatzverkehre die jeweiligen Betreiber der Strecke dafür zuständig, den SEV zu organisieren.

    2. Avatar von Bibo59

      Es wird immer Ersatzverkehr gebraucht. Nicht nur um Baustellen zu überbrücken, sondern auch wenn ein LKW von der Brücke auf’s Gleis fällt, bei Sturmschäden, Vandalismus oder Vollpfosten im Gleis. Der Ersatzverkehr ist ja nicht nur für diesen einen Streckenabschnitt zuständig, sondern dort wo Ersatzverkehr benötigt wird, soll er auch schnell zur Verfügung stehen. Bei einer Baustelle ist das langfristig geplant, bei Unfällen, Sturmschäden oder Darwin-Award im Gleis bist Du dann froh, wenn sie irgendwo rumstehen und auf ihren Einsatz warten, oder bewegst Du Dich nur mit PrivatKraftWagen?

      1. Avatar von Daggi Dinkelschnitte

        Bedarf über Jahre OB–> Arnheim ist aber größer, als wenn irgendwo eine Milchkanne umkippt.

  2. Avatar von Bibo59

    Voriges Jahr, kamen wir nach einem Treffen in Neuss, nicht mehr weg, weil eine Horde randalierende Fußball „Fans“ im Gleis, den ÖPNV Richtung Ruhrgebiet und Köln lahm gelegt hatte. Den ganzen ÖPNV? Nein, ein kleiner Zug fuhr nach Bedburg. Kurz vorher hatte ich in Bedburg den Werwolf-Wanderweg begangen. Da hatte ich mich noch darüber beömmelt, dass am Bahnhof die Züge aus Köln auf Gleis 1 ankommen und von dort wieder zurück fahren. Auf Gleis 2 halten die Züge aus Richtung Neuss/ Düsseldorf und fahren von dort zurück. Der Grenzbahnhof sozusagen.
    Dieses geheime Wissen habe ich dann genutzt, und den einzigen Zug der nach Bedburg fuhr genommen. Von Bedburg bin ich dann locker nach Köln gefahren. Fun fact: Die Strecke ist schöner und dauert nicht länger als mit der S-Bahn über Dormagen.

  3. Avatar von Bibo59

    Andere Frage: Warum nimmst Du nicht RE9 oder RB38 zwischen Horrem und Köln?

    1. Avatar von warumichradfahre

      Mache ich doch, aber die S-Bahn ist mir lieber, weil ich da mein Brompton immer unterbringe und weil sie in der regel zuverlässiger ist als die Reginoalbahnen.

  4. Avatar von Hannelore
    Hannelore

    Der Schienenersatzverkehr ist gut organisiert und als die Strecke Köln-Hagen komplett gesperrt war, gab es vorher sehr viele Einweisungsfahrten.
    Du könntest doch ab Köln mit der RE 7 oder RB 48 nach Opladen fahren und von dort mit der 206 oder direkt nach Langenfeld radeln.
    Das geht doch vielleicht schneller als mit dem SEV.
    Ab Mitte September soll ja dort wieder der planmäßige Verkehr anlaufen.
    Vom Schienenersatzverkehr bin ich nicht direkt betroffen, da ich ja Ausweichmöglichkeiten habe.
    Viel Spaß weiterhin.
    Gruß
    Hannelore

    1. Avatar von warumichradfahre

      Ich habe den SEV doch gar nicht kritisiert. Der hat letzten Donnerstag gut funktioniert. Die Alternative mit Solingen oder Opladen (Solingen ist für mich besser, weil ich da mit der 791 direkt hinkomme) habe ich auch schon genommmen, aber ich werde wahrscheinlich in der Regel die schnellste Verbindung nehmen, obwohl die sich nicht viel tun.
      Meine beste Alternatuve ist aber, die ganze Strecke mit dem Rad zu fahren.

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