Millionen für Schloss Türnich: Wunderbarer Denkmalschutz oder Strukturwandel der anderen Art? 🚴♂️🏰☕
Und schon wieder ein Presseartikel, der mich dazu animiert, in die Tasten zu greifen! Dieses Mal geht es um ein ganz besonderes Thema, das wunderbar zu einem entspannten Sonntagsausflug passt: Die spektakuläre Sanierung des Herrenhauses von Schloss Türnich in Kerpen.
Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete am Freitag über einen gewaltigen Förderregen für das Barockensemble. NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach übergab persönlich einen Bescheid über knapp 26,9 Millionen Euro aus Mitteln des Investitionsgesetzes Kohleregion NRW an Graf Severin von Hoensbroech und die Kultur- und Naturstiftung Schloss Türnich. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz steuerte zusammen mit privaten Spenden weitere 3,1 Millionen Euro für den Eigenanteil bei.
In Summe fließen also fast 30 Millionen Euro in das Projekt! Das ist ein absolut hübsches Sümmchen und sicher eine der größten geförderten Einzelmaßnahmen, die ich in letzter Zeit hier bei uns im Rheinischen Revier mitbekommen habe.
Ein Zukunftsforum für Kultur, Bildung und Natur 🌿🏛️

Mit dem Geld soll das seit 40 Jahren leerstehende Herrenhaus sowie die neobarocke Schlosskapelle vollständig saniert und ausgestattet werden. Geplant sind außerdem Arbeiten am Schlossvorplatz, im Park und die Sicherung der Zufahrtsbrücke. Das Ziel ist ambitioniert: Das Schloss soll sich zum „Zukunftsforum Schloss Türnich“ entwickeln – einem Ort für Begegnung, Bildung, Kultur und Natur, der die Geschichte der Region direkt mit dem nachhaltigen Strukturwandel verknüpft.
- Exkurs – Vom Adelssitz zum Bio-Pionier: Diese Nutzung knüpft nahtlos an das an, was die Familie Hoensbroech auf Schloss Türnich seit Jahren vorlebt. Das Anwesen ist längst über die Grenzen hinaus bekannt für seinen konsequenten Demeter-Obstbau, den Bio-Schlosspark, das gemütliche Schlosscafé und das Heilpflanzen-Labyrinth. Dass dieser Pionierort für Ökologie nun als zentrales Modellprojekt im Revier gestärkt wird, hat absolut seinen Reiz.
Sicherlich ein extrem förderwürdiger Zweck! Auch wenn man sich natürlich die Frage stellen darf, ob manche Bildungs- und Kulturziele im Revier nicht auch anderweitig hätten erreicht werden können.
Liebe zum Schloss und ein leiser Verdacht 💭

Damit wir uns überhaupt nicht missverstehen: Ich liebe Schloss Türnich! Ich habe schon unzählige Male im Schlosscafé verweilt, um bei einer Radtour Kaffeepause zu machen, und ich habe dort damals das 25-jährige Bestehen des ADFC Rhein-Erft mit ausgerichtet. Es ist ein herrlicher Ort.
Dennoch kommt bei mir ein wenig der Verdacht auf, dass hier der Begriff „Strukturwandel“ etwas eigenwillig interpretiert wird.
- Exkurs – Das Braunkohle-Erbe & der Grundwasserspiegel: Dass das Herrenhaus 1979 unbewohnbar wurde und die Familie es verlassen musste, lag schlicht daran, dass sich das Gebäude senkte und Risse bekam. Ursache dafür waren die massiven Grundwasserabsenkungen durch den angrenzenden Braunkohletagebau, welche das historische Fundament schädigten und das Schloss baufällig machten.
Nach meinem Kenntnisstand hat RWE einen Zusammenhang mit den Sümpfungsmaßnahmen stets abgestritten und ist nie für die Schäden aufgekommen. Graf Severin von Hoensbroech hatte jedoch nie die Hoffnung aufgegeben, sein Elternhaus irgendwann wieder bewohnbar und nutzbar zu machen. Und nun kommt – wie durch ein Wunder – das Geld für die Rettung. Zwar nicht vom Verursacher RWE, sondern aus öffentlichen Töpfen des Kohlegesetzes. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!
Aber im Grunde gibt es ja nichts Böses zu denken: Es ist schlichtweg genial, dass dieses prachtvolle Denkmal gerettet wird und bald wieder allen Menschen offensteht.
Sportlicher Zeitplan bis 2029 ⏱️
Man darf wirklich gespannt sein, ob die aufwendige Sanierung bis zum Ende des Bewilligungszeitraums im Jahr 2029 gestemmt wird. Aber so, wie ich den Grafen kenne, wird er das voller Herzblut hinbekommen. Und da die Stiftung und die Familie als private Bauherren agieren und nicht etwa eine träge öffentliche Behörde, stehen die Chancen gut. Wäre es eine rein städtische Baustelle, könnte man nämlich sicher sein, dass es bis 2029 garantiert nichts wird!

Ich habe den Zeitungsartikel jedenfalls direkt zum Anlass genommen, mich auf mein Rad zu schwingen, nach Schloss Türnich zu rollen und mir die Sache vor Ort noch einmal genau anzuschauen.
Wie steht ihr zu dem Millionen-Projekt auf Schloss Türnich? Freut ihr euch auf das Zukunftsforum oder seht ihr die Strukturwandel-Millionen an anderer Stelle dringender gebraucht? Teilt eure Gedanken gerne in den Kommentaren!
Euer Axel! 🖐️⚙️


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