Weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat am gestrigen Mittwoch die Europäische Mobilitätswoche 2026 begonnen, die noch bis zum 22. September dauern wird. Dass diese jährliche Kampagne der Europäischen Kommission zur Förderung nachhaltiger Mobilität so leise startet, ist bemerkenswert – weil es absolut bezeichnend ist. Wenn man von ein paar engagierten Nerds in den Kommunalverwaltungen und Nachhaltigkeitsverbänden absieht, kümmert sich in Deutschland gefühlt kaum jemand um eine echte Verkehrswende.
Ganz im Gegenteil: Nachhaltige Mobilität wird (nicht nur) von der Bundespolitik derzeit an vielen Stellen ausgebremst, beschnitten oder zugunsten einer veralteten, auto-zentrierten Infrastruktur zurückgebaut. Bestes Beispiel für diese absurde Realität: Aktuell wird in Deutschland doch tatsächlich ernsthaft darüber diskutiert, die Mehrwertsteuer auf Benzin zu senken! Da fragt man sich wirklich: Geht’s eigentlich noch?
So desolat die politische Großwetterlage auch sein mag – wir vom ADFC Kerpen stemmen uns lokal dagegen und veranstalten am morgigen Freitag wieder unseren traditionellen PARK(ing) Day.
Exkurs: Was hinter dem PARK(ing) Day steckt & unser Kerpener Fokus 🌳☕
Die Idee des PARK(ing) Days stammt ursprünglich aus San Francisco (2005) und ist heute ein internationaler Aktionstag, der stets am dritten Freitag im September stattfindet. Das Prinzip ist simpel wie genial: Ein einzelner Pkw-Parkplatz wird für einige Stunden umgestaltet – etwa in eine kleine Grünfläche, einen Sitzbereich, eine Spielfläche, ein Straßencafé oder einen Ort für politische Diskussionen. Damit wird unmittelbar erlebbar, wie enorm viel öffentlicher Raum im Alltag für parkende Autos reserviert ist und welche Lebensqualität dort entstehen könnte, wenn dieser Raum den Menschen zurückgegeben wird.

Dieses Jahr steht bei uns beim ADFC Kerpen allerdings weniger das Fahrrad im Mittelpunkt, sondern die extreme Sommerhitze der letzten Jahre und die dringende Notwendigkeit von Begrünung, Entsiegelung und Schattenflächen in unseren Städten. Wir verändern die Stellflächen am Freitag, 18.09.2026, ab 14:00 Uhr auf der rechten Seite der Hauptstraße in Horrem (ab dem ersten Parkplatz am Kalkofen in Richtung Friedrich-Ebert-Platz) zum Besseren. Seid dabei, kommt vorbei und diskutiert mit uns!
Der ADFC-Fahrradklima-Test 2026 & mein Praxis-Test 📝🚲

Ebenfalls im Rahmen der Mobilitätswoche möchte ich eine zweite zentrale ADFC-Aktion bewerben, die weit über diese Woche hinausgeht: den ADFC-Fahrradklima-Test 2026! Vom 1. September bis zum 30. November 2026 läuft diese bundesweite Online-Befragung (27 Fragen, ca. 10 Minuten Dauer), bei der Bürgerinnen und Bürger ab 10 Jahren bewerten, wie fahrradfreundlich ihre Kommune im Alltag wirklich ist – von Sicherheitsgefühl und Radwegbreiten bis hin zu Baustellenführungen. Das Besondere im Jahr 2026: Zum ersten Mal gibt es eine eigene Umfrage speziell für Kinder und Jugendliche, um auch deren Anforderungen an sichere Schulwege abzubilden. Die Ergebnisse erzeugen alle zwei Jahre wichtigen politischen Druck auf die Lokalpolitik.
Zwei Dinge sind mir bei meinem eigenen Test sofort aufgefallen:
- Verifikation per Vollname: Dieses Jahr muss man sich zum ersten Mal persönlich mit vollem Namen und E-Mail-Adresse registrieren. Ob diese Hürde der Teilnahmezahl zuträglich ist, wage ich zu bezweifeln – lasst euch davon aber bitte nicht abhalten!
- Mehrere Städte bewerten: Was oft untergeht: Über eine einzige Registrierung könnt ihr problemlos mehrere Kommunen bewerten! Als Alltagsradler pendelt man schließlich über Stadtgrenzen hinweg. Ich habe im Selbstversuch direkt Kerpen und Frechen bewertet – hat tadellos geklappt. Es folgen bei mir noch Köln, Langenfeld, Solingen, Hürth und Leverkusen.
Auch wenn es sich manchmal wie Rufen im Walde anfühlt: Macht mit, nutzt die Chance und gebt den Verantwortlichen in euren Städten Rückmeldung. Jede Stimme zählt für eine bessere Radinfrastruktur!
Euer Axel! 🖐️⚙️


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