Take a ride on the wild side

Jahresausklang der Critical Mass Köln 2024

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Knapp habe ich es nur geschafft zum Critical Mass Köln Jahresausklang 2024, es gab eine Phase, in der ich dachte, ich kann gar nicht hinfahren. Wie schon so einige Male in diesem Jahr. Ich habe bei meinen vielen Unterhaltungen mit den relativ wenigen Menschen bei der X-Mas Mass immer wieder gesagt, dass ich dieses Jahr CM-faul war. War ich auch, selbst wenn ich Zeit hatte, habe ich mich nicht immer dazu aufgerafft. Nicht nur zu meiner „Heimspiel“ CM in Köln, auch nicht in Düren und Wuppertal hat mich glaube ich nur einmal gesehen dieses Jahr. 

Geht wohl vielen so, denn diejenigen, die immer noch zur Stammbesatzung (fast) jeder CM im Westen zählen, beklagen einen deutlichen Rückgang der Teilnehmer*innenzahlen. Und spekulieren zusammen mit mir, den sie wohl noch als Teil ihrer Bubble ansehen, über die Gründe. Mit „Seit Corona….“ beginnt fast jede Ursachenforschung. Da dürfte was dran sein, selbst als man sich wieder in Scharen treffen durfte, kam die Sache nicht wirklich wieder in Schwung. 

Diejenigen, die immer noch immer dabei sind, kennen die Ursachen natürlich nicht, denn die treffen ja auf sie nicht zu. Sie bleiben ja nicht weg. 

Wenn ich auf mich schaue, dann sehe ich meine Unlust, wenn sie denn da ist, darin, dass ich eine zeitlang mal den Eindruck hatte, dass es nicht mehr darum ging, die Straßen zurückzugewinnen für das Radfahren, sondern um andere Dinge, sei es der Klimaschutz oder auch, in Köln zum Beispiel, das Party feiern. Eine andere „Message“, als mit vielen zusammen Radfahren passt für mich nicht zur CM. Da war schnell mal die Entscheidung getroffen, nicht mehr dabei zu sein. 

Ich hab auch nicht immer Lust auf viel Polizei bei der CM. Die CM Köln ist mittlerweile in Polizeihand. Auch wenn die Rennleitung in der Domstadt das zugegebenermaßen zurückhaltend und sehr gut macht und auch wenn ich viele der Polizistinnen und Polizisten mittlerweile kenne und schätze, die CM ist eben doch etwas anarchisch und verträgt nicht zu viel Staatsmacht. Das Thema ist in der Community heiß diskutiert, ich glaube, eine Mehrheit ist eher für Polizeibegleitung und ich muss ja auch sagen, dass in Köln der Schutz des Pulks im Vordergrund steht (und zudem der eine oder andere Radwegparker mittlerweile schon ein paar Euro ärmer geworden ist). Also, da will ich mal nicht so sein, es ist ja auch so, dass bei den sehr großen CMs in Deutschland, Hamburg und Berlin, die Polizei absolut mit dazugehört. Mich beschleicht halt immer ein komisches Gefühl, wenn die zweite Reihe hinter der obligatorisch zivilen Spitze der Mass aus sechs oder sieben Ordnungshüter*innen besteht. Kann, muss aber nicht.

Vielleicht ist auch ein Grund, gerade in Köln, dass die Radfahrerinnen und Radfahrer die Straßen sowieso schon zurückgewinnen. An vielen Stellen fährt selbst die CM über breite Radfahrstreifen, die früher Autospuren waren. Ich habe sogar einmal erlebt, dass wir auf den Ringen an einer roten (Auto-) Ampel standen und nebenan auf der Radspur die Fahrradampel Grün zeigte. Kann sein, dass viele das Radfahren gerade in Köln schon angenehmer empfinden als wir das vor ein paar Jahren noch taten, aber da sage ich: Köln ist noch nicht fertig, da ist noch ziemlich viel zu tun für den Radverkehr. 

Man erzählt mir auch, dass es auch in der Kölner CM-Community, die sich ja lange in einer Facebook Gruppe versammelt hatte (aus der ich schon vor vielen Jahren ausgetreten bin), keine Einigkeit (mehr) gibt. Das kann ich mir gut vorstellen, denn ich selber bin ja auch deswegen ausgetreten. Ich wollte mir nichts von Moderatoren sagen lassen, die ich seit Jahren schon nicht mehr bei einer CM gesehen hatte, wenn überhaupt. Könnte mir vorstellen, dass das mittlerweile vielen so gegangen ist. Nicht, dass man so eine Community unbedingt bräuchte, aber sie könnte helfen, wenn sie funktioniert, die Idee zu fördern und damit auch ein wenig Identifikation und Zusammengehörigkeit. Auch das: kann, muss aber nicht. 

Ich sage das durchaus als jemand, der Zeiten hatte, in denen der erste (Wuppertal), zweite (Düren oder Düsseldorf) und letzte (Köln) Freitag im Monat fest gebucht waren. Die guten alten Zeiten eben, in denen es auch vorkam, dass zehn Menschen von Köln aus nach Wuppertal fuhren, damals noch hinter der Leverkusener Brücke am Rhein lang und kurz vor deren Mündung über die romantische Wupper. Ich habe sogar noch in Köln und in Wuppertal CMs ohne Polizei erlebt. Und mitgestaltet, meistens als Corker. Ich bin älter geworden, habe mich in Strukturen einbinden lassen. Habe erlebt, wie die, die immer mit mir gefahren sind, wegzogen, wegblieben, sich anderen Dingen zugewandt haben. Wie es Brüche gab.

Trotzdem, die zwei Stunden, darüber habe ich mich gestern auch mit einem „Alten“ unterhalten, Radfahrt durch Köln sind einfach schön. Seht mal das Titelbild. Gestern war es besonders friedlich. Ich ließ mich eine zeitlang treiben, sprach mit Menschen, die ich neu kennenlernte und solchen, die ich schon lange kenne. Wurde mal nach vorne geschubst, als niemand Verantwortung übernehmen wollte, gab diese auf der Severinsbrücke wieder ab. Fuhr zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder mit meiner Nachbarin zusammen. Das gab ein „fast wie damals“ Feeling. 

Ich nehme mir für 2025 wieder mehr CMs vor. Und für 2026, aus Gründen, noch viel mehr. 

Auch das ist, WARUMICHRADFAHRE!

Und das ist auch, warum ich die Termine der West-CMs in meinen Kalender eingetragen habe. 

Kommentare

  1. […] Jahresausklang der Critical Mass Köln 2024 […]

  2. […] letzte Teilnahme an einer Critical Mass Köln führte eher zu nachdenklichen Gedanken: https://warumichradfahre.blog/2024/12/28/jahresausklang-der-critical-mass-koln-2024/Es gab auch solche […]

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