
Man soll nie zu frĂŒh frohlocken, das ist schon klar. So beschrieb ich in meinem letzten Post hier im Blog gestern, dass ich auf meiner Deutschlandticket Fahrt von MĂŒnchen nach Kerpen Horrem den letzten Zug von Siegen zurĂŒck schon eine Stunde frĂŒher nehmen konnte, als mit dem 20minĂŒtigen Umstieg errechnet. Bedeutet: eine Stunde frĂŒher zu Hause sein.
Doch, wie meine Frau schrieb: zu frĂŒh gefreut. Denn in den ersten Siedlungsgebieten von Köln blieb der RE9 stehen. Nach Auskunft der Stimme aus dem Off (ich frage mich immer, wem die eigentlich gehört), weil sich vor uns schon ein Stau auf eine Einfahrt in die Kölner Bahnhöfe wartender ZĂŒge gebildet hatte. In Köln Deutz war dann erst einmal Kapitulation angesagt: Irgendwo vor Aachen gab es einen Feuerwehreinsatz auf den Gleisen und damit eine Sperrung der Strecke. Wann es weiter geht? Keine Ahnung.
(VorlÀufige) Endstation Deutz.
Nun gehe ich ja bekanntlich nie ohne Rad aus dem Haus und erst recht nicht in einen Zug. Also sattelte ich den Schwarzen Bullen, verlieĂ den Zug und fuhr die etwas ĂŒber 20 Kilometer nach Hause. Damit kam mein erster Blogbeitrag von gestern zum Tragen, in dem ich ja von der Freiheit und FlexibilitĂ€t des Radfahrens berichtet hatte.
Und so kam ich unvermuteter Weise noch zu einer raschen Radfahrt durch Köln, die allerdings durch das seltene Ereignis eines die Aachener StraĂe kreuzenden GĂŒterzugs kurz unterbrochen wurde. Aber immerhin ein sehenswertes Ereignis, fĂ€hrt der Zug doch optisch mitten durch eine Hauswand.Â

Und am Ende war ich dann sogar sieben Minuten frĂŒher zu Hause als mit der ursprĂŒnglichen Planung! Wer sagtâs denn?
Unterwegs raste eine junge Frau vor mir her, ich holte sie immer nur an roten Ampeln ein. Als ich ihr attestierte, dass sie einen heiĂen Reifen fahre, sagte sie: Das ist die Sehnsucht nach zu Hause nach einem langen Arbeitstag.
Endstation Sehnsucht also? Nein, Endstation Köln.
Scherz beiseite. Ich habe jetzt drei lange Fahrten mit den Deutschlandticket, also im Nahverkehr, durch Deutschland bestritten: zum Hochrhein, nach Berlin und nach MĂŒnchen und jeweils zurĂŒck. Weit ĂŒber 3.000 Kilometer sind so zusammengekommen und viele Erfahrungen. Die bedeutendste: Das Chaos ist rheinisch. Nirgends auf meinen Strecken habe ich die totale Unberechenbarkeit erlebt, wie sie im GroĂraum Köln/DĂŒsseldorf/Bonn/Koblenz herrscht. Selbst nicht im Rhein-Main Gebiet, wo der Kopfbahnhof in Frankfurt offenkundig groĂe Probleme beschert. Im Umland von MĂŒnchen oder auch in Berlin ĂŒberhaupt nicht. Da sind schon fĂŒnfminĂŒtige VerspĂ€tungen Anlass fĂŒr erregte Durchsagen. Wohlgemerkt: ich rede vom Nahverkehr, der an vielen Stellen klappt wie am SchnĂŒrchen.
Wenn ich das Interview des Kölner Stadtanzeigers gestern mit Frederik Ley, dem Vorsitzenden der Regionalleitung DBRegio NRW lese, kommt mir die Galle hoch: nichts geht, aber Hauptsache gute Kommunikation und VerstÀndnis der Kunden. NRW ist in vielerlei Hinsicht abgehÀngt, im wahrsten Sinne des Wortes.
Dennoch: Deutschlandticket fahren ist geil. Bald fĂŒr mich wieder, denn in einer guten Woche geht es nach Hannover und dann von dort mit einem Rad-Zubringer zur Sternfahrt Berlin. Und montags drauf mit dem Deutschlandticket von Berlin zurĂŒck nach Hause.


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