
Nach einer wirklich besonderen Woche mit einem der für mich einschneidendsten Ereignisse der letzten Jahre, unserer Mahnwache für die beim Unfall am 04.06. von einem Autofahrer getöteten Avin und Luis in Hürth, ein wenig Versöhnung bei der Critical Mass Köln. Viele gesprochen, die am Mittwoch mit dabei waren und die immer noch in Gedanken beim Gedenken waren. Und dennoch eine schöne, lange, friedliche und dennoch auch noch einmal ein Zeichen für die notwendigen Veränderungen in unserer Verkehrspolitik setzende Gemeinsam-Fahrt. Wir wollen die Straßen zurück! Wir wollen unser Land zurück, das von Asphalt überzogen ist, der Rasen und Töten ermöglicht.
Mich lässt das alles gerade nicht los. Ich spüre die Trennlinien, selbst in mir selbst. Den Wunsch nach Normalität, in meinem Fall, über die schönen Seiten des Radfahrens zu schreiben, und der Erkenntnis, dass die Normalität darin besteht, die schönen Seiten des Radfahrens herbeizuschreiben.
Ich spüre das Aufgewühlt-Sein einer (allerdings sich immer weiter ausdehnenden) Szene und die gleichzeitige „Lasst uns doch in Frieden“-Haltung von denjenigen, die von den aktuellen Verhältnissen profitieren. Ein junger Mann in einem fetten, getunten Mercedes, dem ich ein wenig Entscheidungshilfe leisten musste, mich nicht zu eng zu überholen, rief mir zu: „Ihr seid die Pest.“
Und ich rief zurück: „Für Dich gerne!“
Die Critical Mass, egal wo und mit wie vielen Leuten ich sie fahre, gibt mir meistens ein wenig Frieden, in Köln gestern war es jedenfalls so. Als wir am Rudolfplatz vorbei weiter fuhren gegen Ende, hatte ich ein Lächeln auf den Lippen. Was für eine schöne Idee, doch noch eine Runde über die Ringe und um den Ebertplatz zu drehen. Am Ende war es dann eine der größten Gruppen der letzten Zeit, die sich dann auch noch zum Essen gesellte.
Selbst die Entdeckung, dass unsere langjährige Anlaufstelle für das Essen nach der Mass nicht mehr ist, brachte uns nicht aus dem Gleichgewicht. Ein paar Meter weiter fanden wir eine Pizzeria und hatten auch dort einen schönen Abend unter Freunden, der aber dann im Streit und überhasteten Aufbruch endete.
Trennlinien.

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